Sprache, Glaube und Macht. Die Aufzeichnungen des Johannes Spiecker in Deutsch-Südwestafrika zur Zeit des Herero-Nama-Aufstands

Sprache, Glaube und Macht. Ein Zeitdokument: Die Aufzeichnungen des Missionars Johannes Spiecker in Deutsch-Südwestafrika zur Zeit des Herero-Nama-Aufstands.
Siefkes, Martin
13581
978-3-8260-5197-5
19.08.22 (end of company holiday)
new
€29.80 *

Titel: Sprache, Glaube und Macht
Untertitel: Die Aufzeichnungen des Johannes Spiecker in Deutsch-Südwestafrika zur Zeit des Herero-Nama-Aufstands
Autor: Martin Siefkes
Verlag: Königshausen & Neumann GmbH
Würzburg, 2013
ISBN 9783826051975 / ISBN 978-3-8260-5197-5
Broschur, 16 x 24 cm, 204 Seiten

Über: Sprache, Glaube und Macht. Die Aufzeichnungen des Johannes Spiecker in Deutsch-Südwestafrika zur Zeit des Herero-Nama-Aufstands

In den Jahren 1905-1907, zu Zeiten der Herero- und Nama-Aufstände, bereiste der damalige Missionsinspektor für Afrika der Rheinischen Missionsgesellschaft (RMG), Johannes Spiecker, Deutsch-Südwestafrika, um die einzelnen Missionsstationen zu besuchen und zu überprüfen. Die von der Deputation beschlossene Inspektionsreise Spieckers, der bereits im Jahre 1903 in Afrika visitiert hatte, sollte bestimmten organisatorischen Mißständen, die der großen Entfernung zum Mutterhaus und den sehr eingeschränkten Kommunikationsmitteln geschuldet waren, abhelfen.

Diese Inspektionsreise umfasste auch einen Abstecher zu den Stationen der Rheinischen Missionsgesellschaft in der britischen Kapkolonie. Gerade der Aufstandszeit wurde die Mission, die im Prozess der Kolonialisierung bereits eine erhebliche Rolle gespielt hatte, zu einer wichtigen politischen Kraft in Deutsch-Südwestafrika. Aufgrund ihrer in jahrzehntelangem Zusammenleben erworbenen Vertrauensbasis konnte sie zahlreiche Aufständische zur Aufgabe bewegen. Sie beeinflusste dadurch den Ausgang der beiden Kriege, die für die Deutschen bei eher geringen Verlusten an Menschen finanziell kaum zu bewältigen waren, nachhaltig.

Johannes Spieckers private Aufzeichnungen werden hier erstmals umfassend vor dem historischen Hintergrund ausgewertet. Wenn also der zeitgeschichtliche Hintergrund auch das besondere Interesse für dieses Tagebuch rechtfertigt (und viele interessante Details dazu liefert), ist die vorliegende Arbeit 'Sprache, Glaube und Macht: Die Aufzeichnungen des Johannes Spiecker in Deutsch-Südwestafrika zur Zeit des Herero-Nama-Aufstands' dennoch in der Hauptsache an literaturwissenschaftlichen Aspekten ausgerichtet.

Inhalt: Sprache, Glaube und Macht. Die Aufzeichnungen des Johannes Spiecker in Deutsch-Südwestafrika zur Zeit des Herero-Nama-Aufstands

Inhalt
Einleitung
Kapitel 1: Die Reise

1.1 Als Missionsinspektor in Afrika
1.1.1 Zwei Brüder im Dienste der Mission
1.1.2 Das Tagebuch
1.1.3 Reiseroute
1.2 Leben auf dem „pad"
1.2.1 Schöne und lästige Seiten des Reisens in Afrika
1.2.2 Gesundheitsgefahren
1.2.2.1 Die Krankheit in Okombahe
1.2.2.2 Wasserqualität und andere Gefahren
1.2.3 Reisen mit der Bahn
1.2.4 Reisen mit dem Ochsenwagen
1.3 Reisen und Schreiben
1.3.1 Der Reisebericht: Merkmale
1.3.2 Beschreibungen
1.3.3 Spieckers Bericht als Reisetagebuch
1.3.4 Die Erzählstruktur
1.3.5 Leseweisen des Reiseberichts
1.3.6 Spieckers Bericht als Tagebuch
1.3.7 ... und Zeitdokument
1.4 Postkolonialismus als Methode
1.4.1 Edward Said, Homi K. Bhabha und der koloniale Diskurs
1.4.2 Reiseberichte und Postkolonialismus
1.5 Der Blick auf das Land
1.5.1 Vorüberlegung: Die (Nicht-)Begegnung mit dem , Anderen'
1.5.1.1 Perspektiven, Positionen
1.5.1.2 Geographie: der vermessen(d)e Blick
1.5.1.3 Sprachbarrieren
1.5.2 Die Kultur
1.5.2.1 Lebensweise
1.5.2.2 Religion
1.5.2.3 Werften und Pontoks: die Wohnverhältnisse
1.5.2.4 Die ursprünglichen Stämme des Ambolands
1.5.3 Die Wirtschaft
1.5.3.1 Ungewöhnliche Währungen
1.5.3.2 Kommunismus gleich Schmarotzertum?
1.5.4 Die Natur
1.5.4.1 Die Steppe (mittleres Südwestafrika)
1.5.4.2 Der Wald (Amboland)
Kapitel 2: Die Mission
2.1 Aspekte des Alltags

2.1.1 Leben auf den Stationen
2.1.2 Gottesdienst
2.1.2.1 Exkurs: Ein etwas anderer Missionsinspektor
2.1.3 Die Gemeinden
2.1.3.1 Exkurs: Die Sonderstellung von Rehoboth
2.1.4 Bautätigkeit
2.1.5 Krankenpflege
2.2 Die Macht des Glaubens
2.2.1 Vorüberlegung: Der christliche Dünkel
2.2.2 Kontrolle und Norm
2.2.2.1 Kirchenzucht
2.2.2.2 Kontrolle durch die Bibel
2.2.2.3 Unter fremdem Namen
2.2.3 Erziehung
2.2.3.1 Die Missionsschulen
2.2.3.2 Die Reform der Lehrerausbildung
2.2.4 Mission und Ideologie
2.2.4.1 Die Religion der Sesshaften
2.2.4.2 Erziehung zur Arbeit
2.2.5 Juristische Aspekte
2.2.5.1 Vor Gericht
2.2.5.2 Die gezinkte Waage
2.2.5.3 Schlecht beraten
2.2.6 Die Mission als Vertrauensinstanz
2.3 Mission und Konflikt
2.3.1 Vorüberlegung: Eine ,Hierarchie der Abstoßung'?
2.3.1.1 Grade der Distanz
2.3.1.2 Ein Fall von „Othering"?
2.3.1.3 Der selbstverständliche Feind
2.3.2 Zwei Reiche
2.3.3 Regierung und Siedler
2.3.3.1 Presse, Bücher und die Öffentlichkeit
2.3.3.2 Der Streit ums Land: die Missionsfarmen
2.3.3.3 Die Frage der Tierhaltung
2.3.4 Evangelische Kirche und andere evangelische Missionen
2.3.4.1 Liberale Pastoren oder: Der Teufel ist noch im Spiel
2.3.4.2 Die anderen evangelischen Missionsgesellschaften
2.3.4.2.1 Die deutschen evangelischen Missionsgesellschaften
2.3.4.2.2 Die Finnischen Brüder im Amboland
2.3.5 Andere Konfessionen und Religionen
2.3.5.1 Katholiken
2.3.5.2 Juden
2.3.5.2.1 Juden als Bankiers
2.3.5.2.2 Juden als Händler
2.3.5.2.3 Juden als Anwälte
2.3.5.3 Muslime
2.4 Mission und Politik
2.4.1 Hintergründe
2.4.1.1 Mission und Kolonisation
2.4.1.2 Friedrich Fabri und die nationale Mission
2.4.1.3 Der ,Drang nach Norden'
2.4.2 Die Mission als politische Kraft
2.4.2.1 Entscheidungen im Kolonialstaat
2.4.2.2 ,Double bind'
2.4.3 Die „Eingeborenenfrage"
2.4.4 Friedensvermittlung
2.4.5 Die Pazifizierung der Herero durch die Mission
2.5 Das importierte Patriarchat
2.5.1 Vorüberlegung: Eine Männersache
2.5.2 „... schicken wir eine Frau weg": der Zynismus der Moral
2.5.3 Die Entmachtung der Frauen
Kapitel 3: Die Kolonisation
3.1 Begegnungen mit dem System

3.1.1 Gouverneur von Lindequist
3.1.2 Generalkonsul von Jacobs
3.1.3 Die koloniale Gesellschaft
3.1.4 Spannungen
3.1.4.1 Die Verachteten ... (Buren)
3.1.4.2 ... und die Bewunderten (Engländer)
3.2 Kolonisation und Begehren
3.2.1 Vorüberlegung: Rassismus und sexuelle Phantasie
3.2.1.1 Zweideutige Theorien
3.2.1.2 Spuren des Verlangens
3.2.1.3 Gruppenphantasie und kolonialer Diskurs
3.2.2 Zwischen Angst und Anziehung: Kontakte zwischen schwarz und weiß
3.2.2.1 Der gemeinsame Alltag
3.2.2.2 Asymmetrische Verhältnisse
3.2.2.3 Rassentrennung
3.2.3 Sexuelle Beherrschung
3.3 Kolonisation und Beherrschung
3.3.1 Zwangsarbeit
3.3.2 Verbot von Mischehen
3.3.3 Unterricht auf Deutsch
3.3.4 Paternalismus
3.3.5 Demütigungen
3.3.6 Die Enteignung
3.4 Kolonisation und Krieg
3.4.1 Vorüberlegung: Reicht Mitleid aus
3.4.2 Horrorgeschichten
3.4.3 Ein zerstörtes Land
3.4.4 Medizinische Versorgung
3.4.5 Die Konzentrationslager
3.4.6 Militärische Phantasien
3.4.7 Ins koloniale ,Heart of Darkness'
Fazit
Literatur
Abbildungen
Index