Veteranen des Ersten Weltkrieges: Der Kyffhäuserbund von 1918 bis 1933

Die Veteranen des Ersten Weltkrieges: Konstruktionsprozesse und Entwicklungslinien anhand des Kyffhäuserbundes von 1918 bis 1933.
Schulte, Benjamin
50028
978-3-8376-5089-1
ab 19.08.22 (Ende Betriebsurlaub)
neu
55,00 € *

Titel: Veteranen des Ersten Weltkrieges
Untertitel: Der Kyffhäuserbund von 1918 bis 1933
Autor: Benjamin Schulte
Verlag: transcript Verlag
Bielefeld, 2020
ISBN 9783837650891 / ISBN 978-3-8376-5089-1
Broschur, 15 x 23 cm, 304 Seiten, 25 sw-Abbildungen

Über: Veteranen des Ersten Weltkrieges. Der Kyffhäuserbund von 1918 bis 1933

»Wer Deutschlands Söhne kämpfen sah, der kann den Glauben an Deutschlands Zukunft nicht verlieren. Wir müssen zusammenstehen, Mann zu Mann, wie einst draußen an der Front; wir müssen uns als einziges und einiges Volk fühlen und danach handeln. So nur kann unser Vaterland noch gerettet werden. Die deutschen Kriegervereine gehen diesen Weg, sie stehen über den Parteien und wollen nichts, als nur ein lebensfähiges Deutschland behalten.«

Diese Worte Josias von Heeringens aus dem Jahr 1918 zeugen von einem tief verwurzelten Glauben an die soldatische Kameradschaft und an den Zusammenhalt der Frontsoldaten des Ersten Weltkrieges. Es war ein Glaube, der auch durch den Zusammenbruch des kaiserlichen Heeres und trotz der revolutionären Unruhen sowie des Verschwindens des alten politischen Systems nicht zu erschüttern war. Allerdings lag den Worten des Präsidenten des Kyffhäuserbundes der Deutschen Landeskriegerverbände (Kyffhäuserbund) eine implizite Skepsis zugrunde.

Denn die Ereignisse, die sich seit dem November 1918 auf deutschem Boden abspielten, mussten die Leitung des größten Veteranenverbandes des vergangenen Deutschen Kaiserreiches und der neuen Republik von Weimar tief verunsichern. Das Land, für das die Soldaten in den Krieg gezogen waren, für das sie vier Jahre lang gekämpft und ihr Leben riskiert hatten, gab es bei ihrer Rückkehr aus dem Feld nicht mehr. Der Krieg in den Schützengräben mochte zwar beendet sein, doch hatten die Ereignisse der unmittelbaren Nachkriegszeit in der Sicht vieler Zeitgenossen den Frontverlauf lediglich in die Mitte der deutschen Gesellschaft verlagert. Da auch der Waffenstillstand die Menge der zu bewältigenden Aufgaben und Herausforderungen nicht verringert hatte, wurde der Veteran in dieser Notsituation durch den Kyffhäuserbund zum gesellschaftlichen Leitbild erhoben.

Sich an seinen Merkmalen und Tugenden zu orientieren hieß aus der Sicht des Verbandes, vormals ursoldatische Eigenschaften auf das alltägliche Leben zu übertragen. Zumindest was die Präsenz der Veteranen in den 1920er Jahre angeht, war dieses offensiv propagierte Programm nicht so unrealistisch, wie es auf den ersten Blick erscheinen mochte. Denn nach der Beendigung der offiziellen Kampfhandlungen im Anschluss an das Waffenstillstandsabkommen von Compiègne waren die Millionen von demobilisierten und heimkehrenden Soldaten eine der augenfälligsten und problematischsten Hinterlassenschaften des Ersten Weltkrieges. Eine bis dahin unbekannte Zahl an Veteranen und Kriegsversehrten erinnerte die deutsche Gesellschaft unentwegt an die Jahre von 1914 bis 1918 und stellte als neue soziale Gruppe den Wohlfahrtsstaat vor große humanitäre Herausforderungen.

Doch wäre es zu kurz gegriffen, die Veteranen des Ersten Weltkrieges ausschließlich als Objekte sozialstaatlicher und bürokratischer Verwaltungsakte oder als eine amorphe Gruppe zu beschreiben, die sich lediglich durch die Gemeinsamkeit ähnlicher sozioökonomischer Lagemerkmale oder des geleisteten Militärdienstes auszeichnete. Denn was die ehemaligen Kriegsteilnehmer darüber hinaus verband, waren ihre Erlebnisse und Erfahrungen aus der Kriegszeit, welche die Sozialfigur des Veteranen überhaupt erst konstituierten, profilierten und fest in der Gesellschaft der 1920er und 1930er Jahre verankerten. Der Veteran und die an seine Figur geknüpften, spezifischen Diskurse fanden vielerorts Eingang in das öffentliche Bild sowie die Populär- und Erinnerungskultur der Weimarer Republik.

Inhalt: Veteranen des Ersten Weltkrieges. Der Kyffhäuserbund von 1918 bis 1933

Vorwort
Einleitung
I. Soldat von gestern, Veteran von morgen: der Kyffhäuserbund an der Schwelle einer neuen Zeit 1918/19
1. Denkmalsbewegung und Gründungsphase im ausgehenden 19. Jahrhundert
2. Der Kyffhäuserbund während des Ersten Weltkrieges und in der Novemberrevolution
3. Konsolidierung und inhaltliche Neuausrichtung in der frühen Weimarer Republik
II. Veteranenbilder im Übergang - die Veteranen des Ersten Weltkrieges im Spiegel der Vergangenheit
1. Die Wirkungskraft weltkriegsimmanenter Narrative und Mythen
1.1 Versailles, die Kriegsschuldlüge und die Liquidierung des Krieges
1.2 Kameradschaft - Lernen am Vorbild des Veteranen
2. Stellungskrieg der Denkmäler
2.1 Vom Kaiserreich zur Republik: Kyffhäuser-Denkmal und die Erinnerungskultur der 1920er Jahre
2.2 Gemeinsame Kriegserfahrungen? Die Kontroverse um das Reichsehrenmal
2.3 Avantgardistischer Heroismus und >steinernes Unglück«: das >39-Denkmal< in Düsseldorf
3. Veteranenbilder im Deutungskampf: die mediale Verarbeitung des Ersten Weltkrieges
3.1 Der Krieg und die Schriftsteller - der Veteran in der Populärliteratur
3.2 Krieg auf der Leinwand - der Weltkriegssoldat im Spielfilm
III. Der Veteran in Zivil - privater und öffentlicher Alltag in der Weimar Republik
1. Zur politischen Agenda eines unpolitischen Verbandes: der Kyffhäuserbund und die Tagespolitik der 1920er Jahre
1.1 Kameradschaft in der Kontroverse - Kriegervereine und Tagespolitik
1.2 Der Veteran als Wähler
1.2.1 Vom Sonderfall zum Streitfall - der Ehrenpräsident und die Reichspräsidentenwahlen der Jahre 1925 und 1932
1.2.2 Schadensbegrenzung und Fehleranalyse statt Siegestaumel
1.3 Internationale Beziehungen und Pazifistische Bewegung
2. Der Körper des Veteranen als (sozial-)politisches Objekt
3. Ein Verband für alle - das organisatorische Potential der Kyffhäuser-Veteranenfamilie
3.1 Frauen im Kyffhäuserbund
3.2 »Wer die Jugend hat dem gehört die Zukunft« - Jugend- und Erziehungskonzepte
3.2.1 Gedanken über die >Wege< der deutschen Nachkriegsjugend
3.2.2 Der Kyffhäuser-Jugendbund - militärische Erziehung und ideologische Indoktrinierung
IV. Von der Veteranenorganisation zum Soldatenbund - Zukunftsplanungen und Zukunftserwartung
1. Der Kyffhäuserbund und der Krieg der Zukunft
1.1 Innovationen in der Kriegstechnik und das Gesicht des modernen Krieges
1.2 Ziviler Luftschutz und Internationale Äbrüstungsbestrebungen
2. Volkskameradschaft als Gesellschaftsmodell - die Bedeutung der Veteranen und des Kriegervereinswesens für die deutsche Post-war-society
3. Im Gleichschritt in eine neue Zeit
3.1 Der Kyffhäuserbund und die nationalsozialistische Machtübernahme: politischer Umbruch und gesellschaftlicher Aufbruch
3.2 Rückkehr zur Monopolstellung und Ausblick
Schlussbetrachtung
Abbildungsverzeichnis
Quellen- und Literaturverzeichnis
Ungedruckte Quelle
Periodika
Gedruckte Quellen
Darstellungen