Widerstand und Gottesfurcht

Widerstand und Gottesfurcht prägten das Weltbild von Hendrik Witbooi. Dies ist seine Biographie aus zeitgenössischen Quellen.
Menzel, Gustav
13813
978-3-89645-059-3
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Titel: Widerstand und Gottesfurcht
Untertitel: Hendrik Witbooi - eine Biographie in zeitgenössischen Quellen
Autor: Gustav Menzel
Reihe: History, Cultural Traditions and Innovations in Southern Africa, Vol. 10
Rüdiger Köppe Verlag
Köln, 2000
ISBN 9783896450593 / ISBN 978-3-89645-059-3
Broschur, 16 x 24 cm, 259 Seiten, 3 Karten, 17 sw-Fotos, Personen- und Ortsregister

Über: Widerstand und Gottesfurcht

In der Person Hendrik Witboois vereinigten sich gleich mehrere Eigenschaften, die zum Ende des 19. Jahrhunderts die Völker des Südens und der Mitte Namibias in Unruhe und Schrecken versetzten. An erster Stelle ist seine ständige „Suche nach dem gelobten Land" zu nennen. Er hat diese Sehnsucht wahrscheinlich schon von seinem Großvater Kido Witbooi in früher Jugend übernommen. Dieser vermittelte ihm allerdings nur eine Geisteshaltung, die letzlich alle Orlam-Völker teilten. Anders läßt sich die schnelle Bereitschaft, mit der diese immer wieder alte gegen neue Siedlungsplätze eintauschten, nicht erklären. Gefordert wurde diese Haltung sicherlich durch die Ungunst des Lebensraums. Das Land bot den von Viehhaltung lebenden Gruppen nur kärgliche Weide und war überdies häufig von Dürren bedroht. Auch drängten sich allzu viele Völker, alteingesessene Nama, Orlam und Baster, in diesem Raum.

Aus dem Norden übten zudem verschiedene Herero-Gruppen mit ihren großen Rinderherden einen starken Expansionsdruck auf die ökologischen Nischen im Süden Namibias aus. Damit nicht genug: Ihnen allen standen reichlich Feuerwaffen zur Verfügung. Diese dienten ihnen nicht nur zur Selbstverteidigung, sondern waren vor allem geeignete Werkzeuge für den Viehraub. Vieh wiederum bildete das bevorzugte Handelsgut, mit dem man im Kapland Waffen, Munition, Branntwein und andere europäische Zivilisationsgüter eintauschen konnte. Diese Mischung aus ökologischen, ökonomischen und demographischen Faktoren führte im südlichen und zentralen Namibia zu einer permanenten Gewaltbereitschaft aller Volksgruppen. Daran konnten auch die intensiven Friedensbemühungen der Sendboten der Rheinischen Mission, die das Gebiet im 19. Jahrhundert mit einem mehr oder minder dichten Netz an Stationen überzogen hatten, nichts ändern.

Das Ereignis, das aber schließlich das Pulverfaß zur Explosion brachte, war eine Serie von göttlichen Eingebungen, die Hendrik Witbooi von 1880 an dazu bestimmten, auf Kosten der Herero neuen Lebensraum im Norden zu erobern sowie alle Nama und Orlam unter seinem Oberbefehl zu vereinen. Sein unerschütterliches Sendungsbewußtsein verlieh ihm eine so gewalttätige Durchsetzungskraft und Dynamik, daß dadurch viele Menschen bis in seine eigene Familie hinein in Tod und Verderben gerissen wurden. Aus heutiger Sicht ist zu sagen, daß er nicht der Räuberhauptmann oder Schwarmgeist war, als der er von Zeitzeugen, die unmittelbar seinen Gewaltaktionen ausgesetzt waren, öfters bezeichnet wurde. Auch wird man seiner Person nicht gerecht, wenn man ihn wie die deutsche Kolonialregierung als Rebell ansieht. Der Schlüssel zu allem war seine Überzeugung, von Gott zu seinen Taten beauftragt zu sein. Hendrik Witbooi war in allem ein Überzeugungstäter von zugleich großer menschlicher Integrität.

Inhalt: Widerstand und Gottesfurcht

Vorwort
Anmerkungen zur Editionspraxis
Die ursprüngliche Heimat der Witboois in Pella und ihre Landnahme in Gibeon
Hendrik Witbooi und Missionar Johannes Olpp
Hendrik Witbooi und Missionar Friedrich Rust
Die göttliche Weisung von 1880
Der erste Zug von Gibeon nach Norden im Jahre 1884
Rückkehr nach Gibeon
Hendrik Witbooi plant einen zweiten Zug nach Norden
Zweiter Zug nach Norden - Die Schlacht von Osona am 14. Oktober 1885
Hendrik Witbooi gibt nicht auf: Sein dritter Zug nach Norden im Jahre 1886
Auflösung der Station Gibeon
Hendrik Witbooi erringt bis 1892 die Vorherrschaft über die nördlichen Nama
Hendrik Witboois Friedensschluß
Die Friedensjahre 1894 bis 1904
Wiedersehen zwischen Johannes Olpp jun. und Hendrik Witbooi
Neubesetzung Gibeons - Missionar Friedrich Schröder
Missionar Otto Simon in Gibeon
Missionar Christian Spellmeyer in Gibeon
Der Aufstand im Oktober 1904
Hendrik Witboois Tod
Epilog von Wilhelm J.G. Möhlig
Anhang l: Krieg und Frieden: Jahresberichte der Rheinischen Mission 1887 bis 1894
Anhang 2: Zwei Briefe Hendrik Witboois
Anhang 3: Äußerungen von Missionaren zum Aufstand
Quellen
Zitierte Literatur