Hochadel und Kolonialismus im 20. Jahrhundert

Hochadel und Kolonialismus im 20. Jahrhundert: Die imperiale Biographie des »Afrika-Herzogs« Adolf Friedrich zu Mecklenburg.
Diebold, Jan
50047
978-3-412-50081-8
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Titel: Hochadel und Kolonialismus im 20. Jahrhundert
Untertitel: Die imperiale Biographie des »Afrika-Herzogs« Adolf Friedrich zu Mecklenburg
Autor: Jan Diebold
Reihe: Quellen und Studien aus den Landesarchiven Mecklenburg-Vorpommerns, Band 21
Reihenherausgeber: Kathleen Jandausch, Matthias Manke, Martin Schoebel, Rene Wiese
Verlag: Böhlau-Verlag Gmbh
Wien Köln Weimar, 2019
ISBN 9783412500818 / ISBN 978-3-412-50081-8
Broschur, 17 x 24 cm, 342 Seiten

Über: Hochadel und Kolonialismus im 20. Jahrhundert

Welche Machtdynamiken entstehen, wenn zwei historisch gewachsene Herrschaftsprinzipien wie Adel und Kolonialismus sich kreuzen? Anhand der Biographie Adolf Friedrichs zu Mecklenburg beleuchtet die Studie einen Zusammenhang, der weder von der Adels- noch der Kolonialforschung bislang behandelt wurde. Adolf Friedrich zu Mecklenburg (1873–1969) konnte über alle politischen Umbrüche des 20. Jahrhunderts hinweg vom Kaiserreich bis zur Bundesrepublik Deutschland seine elitäre gesellschaftliche Position bewahren. Durch seine privilegierte Position konnte der Mecklenburger Herzog einen einflussreichen Status als »Afrika-Experte« für sich beanspruchen. Als Forschungsreisender, Gouverneur von Togo oder später als Vertreter der entstehenden Entwicklungszusammenarbeit passte er seine »Expertise« immer wieder den sich wandelnden Umständen an. Die Studie gibt Einblicke in Transformationsprozesse von Eliten im 20. Jahrhundert und legt den Blick frei für historische Kontinuitäten.

Inhalt: Hochadel und Kolonialismus im 20. Jahrhundert

1 Einleitung
1.1 Methodisches Vorgehen und theoretische Grundannahmen
1.2 Historiographische Verortung zwischen Adels- und Kolonialgeschichte
1.3 Archivrecherchen und Quellenarbeit
1.4 Aufbau der Arbeit
1.5 Chronologische Kurzbiographie Adolf Friedrichs
2 Hofkultur, >Exotik< und Kolonialismus
2.1 Die globalen Bezüge der mecklenburgischen Dynastie
2.1.1 Die koloniale Tradition der großherzoglichen Familie
2.1.2 Die dynastische Rolle Adolf Friedrichs zu Mecklenburg
2.2 >Exotik< als integraler Bestandteil der Hofkultur
2.2.1 Sammeln und Ausstellen
2.2.2 >Exotik< als hochadliges Distinktionsmittel
2.3 Menschen aus den Kolonien als Teil der europäischen Hofgesellschaf
2.3.1 Formen von Elitensolidarität mit Adligen aus den Kolonien
2.3.2 Aushandlungsprozesse zwischen Rassismus und dem Glauben an afrikanischen Adel
2.4 Zwischenfazit
3 Reisen, Wissen und Macht
3.1 Die Großwildjagd als Praxis sozialer Distinktion
3.1.1 Funktionen der Kolonialjagd
3.1.2 Koloniale Mensch-Tier-Beziehungen
3.1.3 Jagd und Wissenschaft
3.2 Wissenschaftliche Kolonialexpeditionen und die Konstruktion von Adeligkeit
3.2.1 Die Wahrnehmung der natürlichen und der sozialen Umwelt
3.2.2 Die Expedition als Herrschaftsverhältnis
3.3 Die Rolle wissenschaftlicher Institutionen bei der Inszenierung Adolf Friedrichs als »reisender Fürst«
3.3.1 Die Vorbereitung und Durchführung der Expeditionen
3.3.2 Die nachträgliche Inszenierung der Reiseerfahrung
3.3.3 Strategien eines hochadligen Wissensmanagements
3.4 Wissenschaftliche Expeditionen und Kolonialpolitik.
3.4.1 Reisen und die Produktion von kolonialem Wissen
3.4.2 Die kolonialpropagandistische Bedeutung von Forschungsreisenden
4 Die Kolonialherrschaft als Ausweichmöglichkeit für adlige Machtansprüche
4.1 Die wechselseitigen Bezüge kolonialer und adliger Herrschaftskonzepte
4.1.1 Vom >blauen Blut< zur >Rassereinheit<. Schnittpunkte zwischen Rassismus und adliger Identität
4.1.2 Der >Charakter< der Herrschaft
4.1.3 Dynamiken des Widerstands zwischen Adels- und Kolonialkritik
4.2 Zivile Kolonialherrschaft als standesgemäßer Ausweichraum
4.2.1 Berufliche Möglichkeiten im Kolonialdienst
4.2.2 Hochadlige Repräsentation im kolonialen Raum
4.2.3 Technik, >Moderne<, >Zivilisierung<. Politische Ziele eines herzoglichen Kolonialgouverneurs
4.3 Der Militärdienst an der imperialen Peripherie als adliges Tätigkeitsfeld
4.3.1 Militär und Kolonialherrschaft
4.3.2 Krieg als globaler Handlungsrahmen
4.4 Zwischenfazit
5 Die Kolonialbewegung als statussicherndes Tätigkeitsfeld in Zeiten des Umbruchs
5.1 >Adel verpflichtete Hochadliges Kolonialengagement im Deutschen Kaiserreich
5.1.1 Hochadel und Kolonialbewegung
5.1.2 Die Kolonialwirtschaft als Möglichkeit standesgemäßen ökonomischen Handelns
5.2 »Wohlan denn, Herzog, führen Sie uns! Wir wollen Ihnen folgen«- Die Kolonialbewegung in der Weimarer Republik
5.2.1 Adel, Kolonialrevisionismus und neue Rechte
5.2.2 Außenpolitische Handlungsspielräume und die versuchte Rückkehr in die Kolonien
5.3 Rückkehr zu >alter Stärke< oder Anfang vom Ende? Die Zeit des Nationalsozialismus
5.3.1 Gleichschaltung und >Volksgemeinschaft. Der Nationalsozialismus als Zäsur für den Adel und die Kolonialbewegung
5.3.2 Der >Wiederaufstieg< zum staatlich geförderten Kolonialreisenden. Adolf Friedrich und die NS-Auslandspropaganda
5.4 Zwischenfazit
6 Postkoloniale Diplomatie und der Neuanfang nach dem Zweiten Weltkrieg
6.1 Die innenpolitische Rolle Adolf Friedrichs nach 1945
6.1.1 Der >Afrika-Herzog< als nationale Identifikationsfigur in der frühen BRD
6.1.2 Adolf Friedrich als politischer Akteur nach 1945
6.2 Ein hochadliger deutscher Diplomat im Zeitalter der Dekolonisation
6.2.1 Die außenpolitischen Interessen der Bundesrepublik Deutschland und die Reisen Adolf Friedrichs
6.2.2 Die politischen Strategien der togoischen Unabhängigkeitsbewegung
6.3 Die abschließende Arbeit an der eigenen Biographie. Die letzten Lebensjahre des >Afrika-Herzogs<
6.3.1 Der letzte deutsche >Kolonialheld<
6.3.2 Ein »demokratischer Herzog«? Die Rezeption von Adeligkeit in der BRD
6.4 Zwischenfazit
7 Fazit
8 Quellen- und Literaturverzeichnis
8.1 Unveröffentlichte Quellen
8.2 Veröffentlichte Quellen
8.3 Forschungsliteratur
9 Personen- und Ortsverzeichnis
9.1 Personenverzeichnis
9.2 Ortsverzeichnis
10 Danksagung