Springe zum Hauptinhalt »

Seiten durchsuchen

0 Artikel, 0,00 €
zum Warenkorb »

Your Shopping cart is empty.

 

Wir Kinder Namibias

Wir Kinder Namibias

Eine Lebensgeschichte nach Berichten in Ndonga
Shamena, Magdalena und Erastus
05-0367
gebraucht

sofort lieferbar

9,95 €
inkl. 7% MwSt., zzgl. Versandkosten

Weitere Empfehlungen zu Wir Kinder Namibias

Evangelium und Menschenrechte

Evangelium und Menschenrechte

9,00 €
inkl. 7% MwSt., zzgl. Versandkosten
Namibische Passion

Namibische Passion

29,00 €
inkl. 7% MwSt., zzgl. Versandkosten
Haschen nach Wind

Haschen nach Wind

25,00 €
inkl. 7% MwSt., zzgl. Versandkosten
Wir Kinder Namibias

Autoren: Magdalena und Erastus Shamena
Editierung: Kirsti lhamäki
Reihe: Die Welt, die mit uns spricht
Verlagsgemeinschaft Weltmission, 1984
Broschur, 12x30 cm, 167 Seiten


Verlagsankündigung:

Magdalena, aus afrikanischem Königsgeschlecht, wird Lehrerin im Ovambo-Land. Erastus, Sohn eines Flüchtlings aus Angola, begegnet in Ongwediva der Kollegin. Sie beginnen ihren gemeinsamen Weg: in der Schule, in einer wachsenden Familie, in der Kirche und im Einsatz für die Unabhängigkeit Namibias. Als Erastus verhaftet, gefoltert und ein Jahr gefangen gehalten wird, schreibt Magdalena den "Brief der Frauen Namibias" an den Generalsekretär der UNO. Beide müssen ihre Heimat verlassen. In der Exil-SWAPO setzen sie sich für ihre Landsleute ein: in den Auffanglagern der Nachbarländer, im Studium, als Vertreter der SWAPO in Rumänien, ais Leiter einer Schule für namibische Kinder in Kuba. Gemeinsam schildern die beiden mutigen Christen ihren Lebensweg in diesem Buch.


Vorwort von Pastor Peter Sandner
Direktor der Vereinigten Evangelischen Mission Wuppertal

Mit zwei persönlichen Erinnerungen möchte ich in diesen bewegenden Lebensbericht einführen: Irgendwann im Laufe des Jahres 1967 hörte ich zum ersten Mal von den Ovambo-Christen, die im Gefängnis von Pretoria festgehalten wurden. Ich war damals Missionar in Johannesburg und fuhr oft an diesem berüchtigten Gebäudekomplex vorbei. Die Namen der Gefangenen erfuhren wir nicht. Wir durften sie auch nicht besuchen. Aber schwarze Wärter hatten schwarzen Gemeindegliedern erzählt, daß diese Männer wirkliche Christen seien. Das merke man ihnen sofort an. Die Gefangenen hatten darum gebeten, daß ihr geliebter Bischof Auala, der hin und wieder zum Besuch der Ovambo-Bergwerksarbeiter zu uns nach Johannesburg kam, sie im Gefängnis besuche. Aber er erhielt keine Erlaubnis. Wir konnten für die Gefangenen nur beten.

Sie lebten ganz in unserer Nähe und doch so fern, durch dicke Mauern von uns getrennt. Einer von ihnen, Erastus Shamena, berichtet in diesem Buch über sein Leben. Es ist, als wenn plötzlich die Mauer des Gefängnisses durchsichtig geworden wäre — oder die Wand, die uns vom Denken und Fühlen eines unbekannten schwarzen Menschen trennt. Ein Mensch gibt uns hier einen tiefen Einblick in sein Leben und Empfinden. Wir lernen seine Gedanken verstehen, seine Leiden, seine Hoffnungen. Einige Jahre später, im Juli 1975, begegnete ich in Lusaka einer Frau, die aus dem Ovamboland geflohen war wie viele ihrer Landsleute. Ich sehe sie noch vor mir sitzen, in ihrem kleinen Büro. Klug und bescheiden gibt sie Auskunft über die Frauenorganisation der Flüchtlinge. Es war Magdalena Shamena, eine Frau von großer Ausstrahlungskraft. Damals fehlte die Zeit zu einem ausführlichen Gespräch. In diesem Buch berichtet sie über ihr Leben und ihre Erfahrungen. Als Kind aus afrikanischem Königsgeschlecht aufgewachsen, wurde sie Lehrerin, Frau und Mutter von sechs Kindern und verstand ihr Leben immer von ihrem christlichen Glauben her.

Für mich stehen diese beiden Erinnerungen symbolhaft für unser Verhältnis zu den Menschen Namibias. Wir hören immer wieder von der gespannten Lage in diesem Land, vom Leben und Zeugnis der christlichen Kirche, vom Leiden der schwarzen Bevölkerung und von ihrer Sehnsucht nach Frieden, Gerechtigkeit und Freiheit. Aber oft erscheint es, als spiele sich das alles in weiter Entfernung ab. Wir sehen das aus der Distanz mit an und bleiben doch letztlich unbetroffen. Wie leicht geraten die Menschen Namibias zwischen die Mühlen der großen Politik und der ideologischen Auseinandersetzungen. Seien es wirtschaftliche Interessen, das Gerangel um strategische Einflußsphären, das politische Machtstreben von Staaten und Parteien, oder seien es tiefgreifende Meinungsverschiedenheiten über weltanschauliche Grundsatzfragen:

Die Menschen Namibias sind zum Spielball der Auseinandersetzungen geworden. Aber wie leben sie selbst und wie erleben sie ihre eigene Situation? In diesem Buch berichten zwei Kinder Namibias, was sie erlebt haben. Sie machen es uns leicht, ihnen zuzuhören und sie zu verstehen. So kann dieses Buch zum Schlüssel für das Verständnis Namibias werden, dieses Landes, mit dem wir Deutsche seit hundert Jahren schicksalhaft und schuldhaft verbunden sind. Das Buch gibt uns aber zugleich tiefe Aufschlüsse über die Wirkungen der christlichen Mission und die Kraft eines persönlichen Glaubens.


Erastus: Ich hütete das Vieh

Ich saß auf den Schultern meines Vaters. Außer mir trug er eine zusammengerollte Decke, allerlei Krimskrams und einen Topf mit gekochten Bohnen. Im Gehen sagte Vater: "Iß, mein Junge!" Ich aß die Bohnen auf seinen Schultern. Vater hatte es eilig weiterzukommen. In der Hitze des Mittags machten wir eine Rast. Meine Eltern schliefen im Schatten eines Baumes ein, und ich lief in den Busch, um Reisig zu suchen für die Kühe meines Spieles. Mir wurde erzählt, ich hätte mein Spiel unterbrochen und meine Eltern geweckt:

"Warum schlaft ihr? Wir fliehen doch. Was ist, wenn die Portugiesen kommen?"

Mutter und Vater wunderten sich über meine Worte, denn ich war damals ein kleiner Junge. Sie standen sofort auf und eilten weiter. Vielleicht hat ein Engel dem Kind gesagt, daß uns jemand folgt, dachten sie bei sich. — "Beeilen wir uns!" Wir flohen. Mein Vater hatte einen Portugiesen, einen Pili, geschlagen. Damals regierten die Portugiesen in Angola, dem Land, wo ich geboren wurde. Schwarze Leute durften sie nicht einmal berühren, geschweige denn schlagen. Vater hatte sich wegen der Steuer mit dem Verwalter des Ortes gestritten. Der Verwalter hatte behauptet, er habe nicht bezahlt; Vater erwiderte, er habe alles bezahlt. Es wurde beschlossen, daß er seine Strafe in Peitschenhieben bekommt. Mein Vater war ein starker Mann und gewohnt, während seiner Arbeit im Süden seine Angelegenheiten mit den Weißen selbst zu regeln. Damals gab es noch keine gesetzliche Rassenpolitik, und alle waren gleichwertig.

Die Buren hatten nicht mehr Schulen besucht als die Schwarzen. Wenn sich zwei stritten, dann kämpften sie. Wenn einer eine Lüge erzählte, wurde er geschlagen, ob weiß oder schwarz. Aber Portugiesen durfte man nicht anfassen. Wenn man einen geschlagen hatte, mußte man noch in derselben Nacht fliehen. So erging es jetzt uns. Von der ganzen Flucht blieb mir nur in Erinnerung, daß ich Bohnen aus dem Topf auf den Schultern meines Vaters aß. In Angola hatten wir in einem Dorf an der namibischen Grenze gewohnt. Unsere Nachbardörfer waren Kaiyomo im Norden, Mfoko im Westen, Shapwa in Richtung Ondonga — heute würde man sagen: Richtung Namibia.

Ich kann mich nicht mehr auf vieles besinnen, nur an die Namen von einigen Kühen. Eine wurde Ondjala — Hunger — genannt. Ich hatte fünf Schwestern. Ich hütete das Vieh mit meinen älteren Schwestern Rakel, Evangelina und Martha. Ich war noch recht klein, als das nächste Kind geboren wurde. Es erhielt den Namen Mwetufayo nach der Mutter meines Vaters, und bei der Taufe wurde Auguste hinzugefügt. Als ich das Baby zum ersten Mal sah, soll ich gesagt haben: "Das ist mein Schätzchen." — Seitdem wurde sie Oshingolisha Erastus genannt. Ich selbst wurde am 24. November 1933 geboren. Als ich getauft werden sollte, hat man mich nicht in die nächstliegende Kirche nach Ondobe gebracht, sondern in das weiter auf der anderen Seite der Grenze liegende Engela. Den Grund dafür weiß ich nicht.

Die Reise war lang; ich wurde den ganzen Tag im Rückenbeutel von Uukuagali nach Engela getragen. Mutter, Vater und Evangelina wechselten sich ab. Es war Regenzeit; das Wasser bedeckte weite Gebiete. Mutter soll einmal beim Tragen fast hingefallen sein. Wir kamen glücklich in Engela an; der Missionar August Hänninen taufte mich. Nach der Taufe sind wir wieder nach Angola zurückgekehrt. In unserem Dorf war eine kleine Kapelle. Eine meiner frühesten Erinnerungen ist ein Besuch dort mit meiner Mutter. Wir gingen in ein Haus, wo viele Leute waren, die viele Augen hatten, weiße Augen. Als ich sie sah, bekam ich Angst und war nahe daran zu weinen. Auf dem Schoß meiner Mutter fühlte ich mich jedoch geborgen und konnte mich beherrschen. Meine Augen waren aber so voll Tränen, das alles verschwommen aussah. Später erfuhr ich, daß die Kapelle von Christen gebaut wurde, die von Namibia, aus der Gemeinde Ondobe, kamen und sich in unserem Dorf niederließen. [...]