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Südwester Kochbuch. Eine Sammlung original südwestafrikani...

Autorin: Barbara Boudon
Walter Hädecke Verlag
Weil der Stadt, 2009
ISBN 9783775003582
Kartoneinband, 19x24 cm, 95 Seiten, zahlreiche Farbfotos
Beschreibung:
Dies ist ein großzügiger, farben- und fotoreicher Band über das Nachkochen und Nachbacken typisch namibischer Speisen: Süßes, Boerewurs, Potjiekos, Braten, Backwaren und selbstverständlich Braaivleis.
Sie winken ab? Sie wollen nicht extra ein Lagerfeuer anlegen, Sie haben keinen Lehmofen, kein Dreibein mit Gußkesselchen? Sie werden schnell erkennen, daß großer Wert auf die Ausführbarkeit der Gerichte gelegt wurde.
Die Rezepte können daher ohne weiteres für die direkt in unseren Breiten und Küchen angewendet werden. Die Autorin erhielt viele der Rezepte von Ria von Seydlitz, Farm Immenhof, bei der sie oft zu Gast war.
Angenehm erklärt und beschreibt die begeisterte Köchin die Nahrungsmittel, ihre Zubereitung und die Entstehungsgeschichte der verschiedenen Speisen.
Wie es sich für ein richtiges Kochbuch gehört, verführt auch dieses mit appetitreizenden Motiven und einleitenden Geschichten. Bald knurrt auch schon der Magen: es funktioniert, ein tolles Kochbuch!
Die Küche Namibias:
»Der Butterfisch ist eine Offenbarung!«, schwärmt mein Mann.
Mit einem genüsslichen Seufzen belege ich die Gabel mit einem Stückchen in Butter gebratenem Butterfisch, träufle ein wenig Orangensauce darüber, kröne das Ganze mit einer Spitze grünem Spargel und lasse mir dieses kulinarische Kunstwerk auf der Zunge zergehen.
Wir sitzen in einem romantischen Restaurant in Swakopmund, dem bekanntesten und schönsten Badeort an der namibischen Küste. Es ist Anfang November und hier auf der südlichen Halbkugel der Erde beginnt gerade der Frühling.
Spargel in Namibia! Das wäre noch vor einigen Jahren undenkbar gewesen. Doch unternehmungslustige Farmer wagten in Swakopmund das Experiment - und es gelang!
Unter unserem Tisch direkt am Fenster, mit einem sensationellen Blick über die unendlichen Weiten des blau-grünen Atlantiks, rollen die Wellen schwer an den kilometerlangen Strand. Weit hinten im Meer zieht der kalte, fischreiche Benguelastrom vorüber, dem wir diesen Butterfisch-Leckerbissen verdanken.
Die maritime Einrichtung des Restaurants, in Form einer stählernen Konstruktion eines Schiffshecks direkt an der jetty, der alten Landungsbrücke, lässt vergessen, dass wir uns über neuntausend Kilometer von Deutschland entfernt befinden. Überall in Namibia, der ehemals deutschen Kolonie Südwestafrika, ist der deutsche Einfluss mit seinen Sitten, Traditionen und Gebräuchen selbst nach langer Zeit noch gegenwärtig.
Aber nicht nur die Deutschen haben Namibia, dem Land und vor allem der Küche, ihren Stempel aufgedrückt. Die Buren mit ihrem holländisch-südafrikanischen Stil und die Portugiesen haben genauso Pate gestanden.
Im Laufe des letzten Jahrhunderts hat sich aus dem traditionellen mieliepap, dem erlegten Wild, den gesammelten Beeren und Pflanzen der schwarzen Urbevölkerung eine eigenständige Küche entwickelt.
Sie kommt ohne Schnörkel aus. Ihre Grundphilosophie besteht darin, die Zutaten frisch und unverfälscht zuzubereiten. Es kommt auf den Tisch, was im Farmhausgarten gerade reif ist, und die Tiere werden erst dann erlegt und geschlachtet, wenn sie gebraucht werden.
Während wir in der Abendstimmung unseren Butterfisch genießen und die Sonne im Meer versinkt, erinnern wir uns an das Grillfest vor ein paar Tagen im Landesinneren. Dabei verzehrten wir Unmengen von köstlichen, saftigen, ganz unterschiedlichen Fleischsorten.
So ein braai bleibt einem Europäer ein Leben lang im Gedächtnis: unvergleichbare Abendstimmung, ein farbenprächtiger, spektakulärer Sonnenuntergang, ein Sternenübersätes Firmament. In Namibia sind diese Grillfeste Dreh- und Angelpunkte des gesellschaftlichen Lebens.
Von weit her kommend treffen sich die Namibier, möglichst an einem besonders schönen Ort in der endlosen Weite der Savanne. Jeder bringt etwas mit und in dieser geselligen fröhlichen Runde ist die unkomplizierte Art der Menschen, die hier leben, ihre Gastfreundschaft, ihre Herzlichkeit, die Verbundenheit mit der Natur und auch ihr Zusammenhalt ganz besonders spürbar.
Die Zeiten, in denen kein Namibier die schier endlosen Weiten dieses recht dünn besiedelten Landes ohne seinen potjie, einen gusseisernen Dreibeintopf, bereiste, gehören der Vergangenheit an. Heute tun sie es aus romantischen Erwägungen und in Erinnerung an alte Zeiten.
Am abendlichen Lagerfeuer versorgte der potjie die Reisenden mit einem köstlichen Eintopf, in dem Biltong, getrocknete Fleischstreifen, nicht fehlen durften, und morgens holten sie ein frisches Brot aus dem potjie, das während der Nacht in der verglühenden Asche gebacken worden war. [...]
Inhaltsverzeichnis:
• Afrikanischer Weihnachtsstollen
• Bayerische Creme auf namibisch mit Kapstachelbeeren
• Gefüllte Perlhuhnbrüstchen in Weißwein-Sahnesauce
• Heidelbeermuffins aus dem Swakopmunder Cafe »Out of Africa«
• Hackfleischauflauf mit Trockenfrüchten
• Bratwurst nach Art der Siedler
• Butterfisch mit grünem Spargel. Hansa Hotel, Swakopmund
• Suppe aus Butternusskürbis
• Bananen-Karottentorte
• Tarte mit Porree und Cheddar
• Salat mit Ziegenkäse, Kaktusfeigen und geräuchertem Wildfleisch
• Straußenragout mit Pilzen
• Leckere Karamellen
• Gelber Reis mit Rosinen
• Steaks, mit Cheddarkäse gefüllt
• Gemüseeintopf quer durch den Garten
• Haferflockenplätzchen
• Landbrot mit Sonnenblumenkernen und Sesam
• Konfitüre aus Orangen, Bananen und Ananas
• Langusten mit Zitronen-Knoblauchbutter
• Lammrücken mit Kalahari-Trüffeln von Kiripotib
• Lammleberterrine mit Apfel und Sherry
• Milchtorte, mit Zimt und Zucker bestreut
• Maismehlbrei mit Biss
• Geschnetzeltes in pikanter Sauce
• Wildgulasch mit Kartoffeln und Karotten
• Straußengulasch auf namibische Art
• Ausgebackene Küchlein
• Spieße mit Hammelfleisch und Aprikosen
• Chutney von Tomaten
• Saftiger Früchtekuchen
• Karotten-Ananassalat
Beispiele:
• Spieße mit Hammelfleisch und Aprikosen
Es gibt sie überall auf der Welt: Fleischspieße. Im Segelflugzentrum "Bitterwasser" sind sie nach einem langen erfolgreichen Flug besonders beliebt. Mit einem kalten Bier und dem Trinkspruch "laat waai, laat waai!" wird auf den nächsten Flugtag angestoßen.
Zutaten für 8 Spieße: 1 fette Hammelkeule, 1 kg Fleisch Salz, Pfeffer, 4 Zwiebeln, 2 EL Speiseöl, 1 EL Currypulver, 1 Knoblauchzehe, gehackt, etwas abgeriebene Zitronenschale, 1 EL Salz getrocknete Aprikosen.
Zubereitung: Das Fleisch aus der Hammelkeule lösen und in etwas größere Würfel schneiden. Salz und Pfeffer darüber streuen und in das Fleisch einklopfen. Für die Marinade die Zwiebeln achteln und mit Öl, Curry, der Knoblauchzehe, der Zitronenschale und Salz in einer tiefen Schale vermengen. Die Fleischwürfel in der Marinade wälzen und anschließend mit einem Tuch bedeckt zwei Tage zum Durchziehen kühl stellen; öfter in der Marinade wenden.
Holzspieße vor Gebrauch gut wässern. Die Fleischstücke abwechselnd mit Zwiebeln und Aprikosen auf die Spieße schieben. Die fetteren Fleischstücke gleichmäßig verteilen. Anschließend möglichst auf einem Holzkohlengrill zubereiten.
Getränkeempfehlung: Bier, Hansa-Brauerei Swakopmund, nach deutschem Reinheitsgebot gebraut.
• Wildgulasch mit Kartoffeln und Karotten
Ein Potjie-Essen ist ein geselliges Essen. Eine Person übernimmt die Aufsicht über den Potjie, alle anderen sitzen oder stehen darum herum, unterhalten sich und trinken schon einmal ein Schlückchen, gemäß dem Motto: Ein Gläschen für den Koch - ein Gläschen in den Topf.
Zutaten für 6 Portionen: 2 kg Elandantilope, alternativ Reh- oder Rindfleisch, 200 g Mehl, 60 ml Sonnenblumenöl, 15 g Butter, 1 Zwiebel, 1 Knoblauchzehe, Salz und Pfeffer, 250 ml Wasser, 250 ml Rotwein, 15 ml Tomaten-Chutney, 3 EL Johannisbeergelee, 1 Päckchen Pilzsuppe, 100 ml Sahne, 250 ml saure Sahne, 2 Karotten, 10 kleine Kartoffeln
Zubereitung: Das Fleisch in mundgerechte Stücke schneiden, mit Mehl bestäuben, anschließend gut einarbeiten. Sonnenblumenöl und Butter im Dreibeintopf oder einem (evtl. gusseisernen) Topf erhitzen und das Fleisch darin von allen Seiten kräftig anbraten. Die Zwiebel schälen und mit der Knoblauchzehe kleinhacken und dazugeben. Mit Salz und Pfeffer würzen und mit dem Wasser und Rotwein ablöschen. Johannisbeergelee leicht verrühren, mit dem Tomaten-Chutney zugeben und alles gut miteinander vermischen.
Zugedeckt 1 Stunde sachte köcheln lassen. Die Karotten und Kartoffeln schälen. Die Karotten in Scheiben schneiden und die Kartoffeln halbieren. Beides auf der Oberfläche des Eintopfs verteilen, nicht unterrühren. Weitere 30 Minuten köcheln lassen.
Die Pilzsuppe in der Sahne auflösen und langsam über den Topfinhalt gießen. Weitere 20 Minuten sanft garen lassen. Dann die saure Sahne zugeben und ab und an vorsichtig mit einem Holzlöffel am Topfrand entlangfahren, damit nichts ansetzt, nicht umrühren. Nach weiteren 10 Minuten sollte alles gar sein.
Getränkeempfehlung: Rotwein Ruby von der Kristallkellerei Omaruru,
Namibia.

