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Europas langer Schatten

Europas langer Schatten

Afrikanische Identitäten zwischen Selbst- und Fremdbestimmung
Kumpfmüller, Karl A. (Hg.)
50028
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Untertitel: Afrikanische Identitäten zwischen Selbst- und Fremdbestimmung
Herausgeber: Karl A. Kumpfmüller
Verlag: Brandes & Apsel - Südwind
Frankfurt-Wien, 2000
Broschur, 14x20 cm, 159 Seiten


Beschreibung:

Ein halbes Jahrhundert nach Beginn der Entkolonialisierung liegt Europas Schatten noch immer über Afrika. Geringe Kenntnisse der Geschichte und Kultur des Kontinents und eine paternalistische Grundhaltung auf europäischer Seite erschweren den offenen Diskurs über Dominanz, Vorurteile und Rassismus.

Viele Afrikanerinnen und Afrikaner sind zugleich in ihrer Identität verunsichert, da traditionelle Muster oft verdrängt oder zerstört sind und die neuen sich meist an den Bildern und Klischees der westlichen Kultur- und Medienindustrie orientieren.

Viele der Probleme Afrikas in Gestalt wirtschaftlicher Miseren, politischer Korruption und kriegerischer Katastrophen können nur vor dem Hintergrund jener zerrissenen Identitäten verstanden werden.

Unabdingbar sind in dieser Situation eine kontinuierliche Ablösung von europäisch-westlichen Vorbildern, ein kollektiver Widerstand gegen Ausbeutung und Dominanz sowie eine Aufwertung eigener kultureller und sozialer Werte, kurz: eine neue afrikanische Identität.


Inhaltsverzeichnis:

- Karl A. Kumpfmüller: Vorwort
- Kum'a Ndumbe III: Afrikanische Renaissance: Wegweiser afrikanischer Politik im 21. Jahrhundert
- Kwame Opoku: Die Zerstörung afrikanischer Kultur-Identitäten
- Yves Ekoue Amaizo: Eine interdependente Gesellschaft: Quelle einer interdependenten Kultur?
- Rasheed Akinyemi: Der afrikanische Sozialismus als ein visionäres Modell für die Identität und den Aulbau von Nationen in Afrika
- Tabitha Mulyampiti: Die afrikanische Frau. Zwischen Tradition und westlicher Zivilisation
- Koffi Kumelio Ambroise Afande: Die Einstellung der Afrikanerinnen gegenüber dem Rechtssystem europäischen Ursprungs: Krise oder neue Identität
- Ika Hügel-Marshall: Die Situation von Afrodeutschen nach dem Zweiten Weltkrieg (am Beispiel meiner Autobiographie Daheim unterwegs. Ein deutsches Leben) und heute
- Araba Evelyn Johnston-Arthur: Schwarze Erfahrungen der jungen afrikanischen Diaspora in Österreich


Aus „Afrikanische Renaissance: Wegweiser afrikanischer Politik im 21. Jahrhundert“:

Es wird in den nächsten zwanzig bis dreißig Jahren in den afrikanischen Ländern keine glaubwürdige und zukunftsfähige Politik geben, wenn sie nicht die Afrikanische Renaissance ernsthaft umzusetzen versucht. Es ist durchaus verständlich, daß manche eine solche Aussage als gewagt empfinden. Es werden sich eine ganze Menge Afrikaner finden, die empört den Kopf schütteln und auf die Errungenschaften der euro-amerikanischen Welt hindeuten und verzweifelt die verlorene Zeit, die nachzuholen wäre, bejammern werden.

Unsere Partner in den Ländern des Nordens und in den internationalen Organisationen werden fertige, umsetzbare Lösungen vorführen, die sie sich für Afrika ausgedacht haben und die auf handfesten Erfahrungen, wissenschaftlichen Erkenntnissen und finanzierbaren Rahmen basieren. Auch das offensichtliche Scheitern der internationalen Entwicklungspolitik wird sie nur dazu ermuntern, neue Theorien, Strategien und Instrumentarien für Afrika zu erfinden und Experten auf den Kontinent zu schicken, um diese neue Politik umzusetzen.

Die Erschütterung des afrikanischen Menschen in den letzten fünf Jahrhunderten:

Ich kann nur beteuern: kein Land vermag es, ein anderes Land zu entwickeln. Entwicklung kann nur von innen kommen. Nur wenn die innere Verfassung der Menschen und ihres Landes es erlaubt, Entwicklung voranzutreiben, nur wenn grundlegende Konzepte von innen erdacht, Strategien intern aufgestellt werden, um bestimmte Ziele nach bestimmten Stufen in einem festgesetzten Zeitrahmen zu erreichen, nur wenn passende Strukturen aufgebaut und nötige Korrekturen den gesamten Prozeß immer wieder begleiten, ja nur dann sind Voraussetzungen für eine globale Entwicklung eines Staates gegeben.

Und nur in dieser Konstellation hat eine internationale Zusammenarbeit und eine vernünftige, auf Interessenausgleich ausgerichtete Entwicklungszusammenarbeit überhaupt eine Chance, zur Entwicklung eines gegebenen Landes beizutragen.

Angesichts der voranschreitenden wirtschaftlichen Rückwärtsentwicklung und der Marginalisierung eines ganzen Kontinents im Zeitalter der Globalisierung ist die gegenwärtige Verzweiflung vieler Experten der Entwicklungspolitik offensichtlich, aber verständlich. Der gesunde Menschenverstand wurde zur Seite geschoben, Politiker und Experten im Norden überredeten sich selbst, sie wären dazu berufen und befugt, Konzepte, Instrumentarien, Strukturen und Finanzmittel für die Entwicklung der ehemaligen Kolonien oder der Länder des Südens aufzustellen und umzusetzen.

Die Einheimischen dieser Länder in den verschiedenen Etagen der Politik, Wirtschaft, Verwaltung und des Militärs hatten in diesem Konzept vorwiegend die Rolle von Helfern bei der Ausführung der Umsetzungsmaßnahmen. Und dann wundert man sich heute immer noch, daß man von Mißerfolg zu Mißerfolg eilt.

Stellen wir uns vor, die Entwicklung Österreichs wäre von der k.k. Monarchie angefangen bis zur heutigen Republik von den Chinesen konzipiert worden, diese hätten auch die Strukturen, die Instrumentarien und die finanziellen Mittel bereitgestellt, und die Elite Österreichs, von den Intellektuellen bis zu den Politikern, wäre dann wohlwollend dazu bewogen worden, partnerschaftlich mit den Chinesen für die Umsetzung der Entwicklung des Alpenlandes zusammenzuarbeiten.

Wie würde das Ergebnis aussehen? Würden die Österreicher denn einen solchen Zustand überhaupt hinnehmen? Es ist anzunehmen, daß sie einen solchen Gedanken mit aller Entschiedenheit abweisen würden. Sie würden vielmehr selbst versuchen, unter diesen Gegebenheiten den Menschen des Landes zu mehr Erfolg und Glück zu verhelfen, ihre internationalen Partner sehr sorgfältig auszuwählen, und in einem ausgewogenen Interessenausgleich sich bemühen, Brücken zu schlagen.

Gerade das ist Afrikanern und Afrika seit nahezu fünf Jahrhunderten nicht vergönnt worden. Und man wundert sich, daß die erwartete Entwicklung die versprochenen Früchte nicht trägt. Alle Experten sind sich darüber einig, und die Politiker wiederholen es mit Überzeugung: der Mensch muß im Mittelpunkt jeder Entwicklungspolitik stehen. Was bedeutet dies auf die Afrikaner übertragen?

Ich kann hier nur eine pauschale Antwort geben und begebe mich dabei auf ein sehr heikles Feld, das nachhaltige Vorurteile produzieren kann. Aber wir Afrikaner des 21. Jahrhunderts stehen vor einer gigantischen Herausforderung und müssen uns selbst grundlegend in Frage stellen, um aus der Sackgasse einer widersprüchlichen und unsicheren Identität zu gelangen. Ich möchte diesen Sprung dennoch wagen.

In den letzten fünf Jahrhunderten - ja, es sind Jahrhunderte, nicht Jahrzehnte - wurde die afrikanische Persönlichkeit vom blinden Terror der Sklaverei gebrandmarkt, von tiefer Demütigung und Entmenschlichung geprägt, und das Wesentliche eines Menschen wurde ihr abgesprochen: die Menschlichkeit und die Zugehörigkeit zur Menschheit überhaupt. Der afrikanische Mensch geriet in eine erschütternde Verunsicherung sich selbst gegenüber. [...]


Der Autor:

Kum'a Ndumbe III: geb. 1946 in Duala/ Kamerun, Studium der Geschichte, Politik, Wirtschaft und Germanistik, langjähriger Präsident des Schriftstellerverbandes Kameruns und Vizepräsident des Schriftstellerverbandes zentralafrikanischer Staaten, Gründer und Präsident des entwicklungspolitischen Zentrums »AfricAvenir« in Duala, Leiter des Forschungsschwerpunkts „Entwicklungseffizienz der internationalen Zusammenarbeit mit afrikanischen Ländern“ im Fachbereich Politische Wissenschaften der Freien Universität Berlin.