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Da und dort ein junges Deutschland gründen

Da und dort ein junges Deutschland gründen

Rassismus, Kolonien und kolonialer Gedanke vom 16. bis zum 20. Jahrhundert
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Untertitel: Rassismus, Kolonien und kolonialer Gedanke vom 16. bis zum 20. Jahrhundert
Herausgeber: Horst Gründer
Deutscher Taschenbuch Verlag
München, 1999
Broschur, 12x19 cm, 386 Seiten, einige sw-Abbildungen


Verlagsankündigung:

"Nun wollen wir in Schiffen über das Meer fahren, da und dort ein junges Deutschland gründen, es mit den Ergebnissen unseres Ringens und Strebens befruchten, die edelsten, gottählichsten Kinder zeugen und erziehen ... Wir wollen es deutsch und herrlich machen“, so phantasierte 1848 Richard Wagner in einer Rede vor dem Dresdener Vaterlandsverein. Er war nicht der erste und beileibe nicht der letzte, der so dachte. Die vorliegende, reichhaltige Quellensammlung vereint aufschlußreiche, oft überraschende Fundstucke zu den imperistischen Taten und Träumen der Deutschen.

Sie beginnt mit der Statthalterschaft der Augsburger Kaufmannsfamilie Welser in Venezuela im 16. Jahrhundert und reicht bis zum Verlust der Kolonien nach dem Ersten Weltkrieg und der revisionistischen Agitation im Dritten Reich. Den Schwerpunkt bildet naturgenuß das Kaiserreich. Die Dokumente sind chronologisch geordnet und werden ausführlich kommentiert.


Aus dem Vorwort:

Ein deutsches Kolonialreich existierte nur kurzzeitig. So plötzlich, wie die deutschen Annexionen von 1884 in Afrika und in der Südsee den Grundstein für ein Imperium des Deutschen Reiches in Übersee legten, so abrupt fand dieses Kolonialreich sein definitives Ende im Ersten Weltkrieg. Dennoch ging den deutschen Bestrebungen um ein Kolonialreich, wie es andere europäische Nationen besaßen, eine mehrhundertjährige Vorgeschichte voraus; zudem schloß sich an den Verlust der Kolonien eine bis ins Dritte Reich reichende revisionistische Agitation an. Nach dem Zweiten Weltkrieg überdeckte die kritische Auseinandersetzung mit der deutschen Kolonialvergangenheit allerdings schnell die wenigen, politisch kaum noch relevanten kolonialapologetischen Töne.

Die vorliegende Quellenauswahl will diesen historischen Prozeß bis zu seinem politischen Ende 1943 dokumentieren, wobei namentlich der Traum von einem »Größeren Deutschland«, seine kurzlebige Realisierung sowie die herrschaftsideologischen und kolonialrassistischen Implikationen des deutschen Kolonialismus im Vordergrund stehen sollen. Dabei sind Kürzungen in den Texten und Kommentare des Herausgebers durch eckige Klammern kenntlich gemacht. Die originale Schreibweise ist bis 1884 konsequent beibehalten, danach gelegentlich an die moderne Diktion angepaßt worden. [...]


Aus „Das Größere Deutschland – Visionen eines erweiterten Kolonialreiches“:

Neben dem bestehenden Kolonialbesitz gab es im Kaiserreich eine Reihe von „Blütenträumen“, die nicht reiften. Der Schwerpunkt dieser Kolonialprojekte lag eindeutig in Afrika. Hier hat der Traum von einem „deutschen Indien“ am stärksten die Phantasie deutscher Kolonialenthusiasten, aber auch von Kolonialpolitikern bewegt. Bereits Adolf Lüderitz hegte die Vision eines südafrikanischen Großreiches vom Atlantik bis zum Indischen Ozean unter Einschluß der Buren-Republiken Transvaal und Oranje-Freistaat. Auch weiterhin wurden die Buren als Verbündete gesucht und ihre Gebiete als „zum deutschen Aktionsbereich“ gehörig betrachtet, wie es einer der führenden deutschen Kolonialpropagandisten, Ernst von Weber, auf dem „Allgemeinen Kongreß zur Förderung überseeischer Interessen“ im Jahre 1886 formulierte.

Zu direkten Spannungen mit England kam es in diesem Zusammenhang Mitte der 1890er Jahre, als die weiterhin burenfreundliche Politik Berlins englische Interessen in Transvaal berührte. Höhepunkt war die Krüger-Depesche vom 3. Januar 1896: Wilhelm II. beglückwünschte den Präsidenten der Südafrikanischen Republik (Transvaal), Paulus Krüger, zur erfolgreichen Abwehr des Jameson Raid, des Einfalls eines engen Vertrauten von Cecii Rhodes namens Leander Starr Jameson mit 500 rhodesischen Polizisten nach Transvaal. Die Krüger-Depesche sorgte in Großbritannien für eine starke politische Verstimmung, da Transvaal als zur vitalen Interessensphäre des Empire gehörend betrachtet wurde („Kap-Kairo-Linie“).

Schließlich ließ die Reichsregierung die ihrerseits bei Deutschland Rückhalt suchenden burischen Nationalisten fallen und gab die Ambitionen auf die umstrittene Delagoa-Bai zugunsten einer deutsch-britischen Verständigung auf. Südafrika insgesamt war nur noch ein Interessengebiet für eine deutsche ökonomische Betätigung, während Pläne einer territorial-kolonialen Abrundung auf die Randbereiche einer sentimentalen Sympathie für die „niederdeutschen Stammesbrüder“ beschränkt blieben.

Zentraler Aspekt für den Verzicht einer Intervention in der Burenfrage war die Hoffnung auf eine Kompensation in Form einer englischen Unterstützung beim Erwerb portugiesischer Kolonien. Den tatsächlichen afrikanischen Kolonialbesitz zu erweitern, dienten ja immer wieder Pläne, anderen, macht- oder wirtschaftspolitisch schwächeren Nationen ihren „Anteil an Afrika“ abzukaufen. Das galt vor allem hinsichtlich der portugiesischen Kolonien. 1898 kam es, angesichts notorischer Finanznot Portugals, zu kolonialen Verhandlungen zwischen Lissabon und London. Berlin hatte am 6. Juni 1898 von den englisch-portugiesischen Verhandlungen erfahren und in Lissabon über den deutschen Botschafter, Christian Graf von Tattenbach, interveniert: Friedliche Beziehungen seien nur aufrechtzuerhalten, wenn die deutschen Interessen angemessen berücksichtigt würden. Konkret wurden diese am 8.Juni 1898 dem deutschen Botschafter in London, Paul Graf von Hatzfeldt, genannt.

Der Vertrag vom 30.August 1898, der durch eine anschließende »geheime Konvention« und eine »geheime Note« ergänzt wurde, markierte die jeweiligen Interessensphären bei einem Zusammenbruch des portugiesischen Kolonialreiches. Er erhielt indessen nie politische Wirksamkeit, da England nicht auf seinen alten Juniorpartner verzichten wollte, das Deutsche Reich zu exorbitante Forderungen stellte und Portugal auf eine Anleihe bei Deutschland verzichtete, womit die Ausgangsbestimmung des Vertrags außer Kraft blieb. Da der Vertrag überdies nicht veröffentlicht wurde, herrschte bei den kolonialen Propagandisten in Deutschland einmal mehr der Eindruck, vom „perfiden Albion“ übervorteilt worden zu sein, wohingegen in England die koloniale Mißstimmung als Folge der Transvaalfrage beseitigt schien.

Eine antideutsche Position nahm England dagegen wieder in der Marokkofrage ein. Marokko als „Absatzmarkt“ war durch deutsche Kaufleute bereits in den 1860er Jahren entdeckt worden. Neben den systematischen Anstrengungen interessierter Kreise des deutschen Handels-, Schiffahrts- und Industriekapitals seit den achtziger Jahren, in Marokko handelspolitisch Fuß zu fassen - was 1890 zum deutsch-marokkanischen Handelsvertrag führte -, betrachteten die Alldeutschen seit den neunziger Jahren vor allem das südliche und westliche Marokko als ein bevorzugtes Objekt ihrer Siedlungspropaganda. Auftrieb erhielten diese Erwartungen im Zusammenhang mit den Marokkokrisen von 1905 und 1911, in deren Gefolge die alldeutschen Blätter in lärmenden Kampagnen für eine Aufteilung des Scherifischen Reiches eintraten, wobei Deutschland seinen Anspruch auf Westmarokko richten sollte. [...]


Aus dem Text:

August Lüderitz, Bruder und kaufmännischer Beauftragter des Begründers von Deutsch-Südwestafrika, Adolf E. Lüderitz
[...] Mein Bestreben geht dahin, deutsche Waren, unter deutschem Etikett von meiner Faktorei aus einzuführen.
Wollte ich diese nun in einem, von den Engländern bereits besetzten Hafen (z. B.Walfish Bay, Spencer Bay, Angra Pequena), landen, so hätte ich an Importzöllen zu bezahlen:

Für Gewehre per Lauf l £
für Revolver p Stück 10 sh
für Spirituosen, Bier usw. 9 sh per Gallon
für Zigarren p Pfd. 3 sh 6 d
für Tabak p Pfd. l sh 6 d
für Pulver p Pfd. 2 sh 6 d
für Manufakturwaren 5 % vom Werte

und 10% Aufschlag darauf.

Da bei dem großen Wildreichtume Gewehre und Munition sehr gesuchte Artikel sind, so nimmt mein Schiff davon z. B. mit:

2000 früher hannoversche Gewehre
1000 früher österreichische Hinterlader
1000 preußische Zündnadelgewehre
300 Revolver

Allein für diesen kleinen Teil der Ladung hätte ich also 4.150 Pfund sterl. oder ungefähr 83.000 Mark Zoll in barem Gelde bei Landung in einem, von den Engländern besetzten, Hafen zu bezahlen. Außerdem müßte ich dann noch einen Erlaubnisschein zum Waffenhandel kaufen, dessen Erlangung für Ausländer schwierig ist. Daß ich daher vorziehe mir einen eigenen Hafen in freiem Lande auszusuchen, wo ich ohne englische Importzölle und Erlaubnisscheine meine Waren verkaufen kann, ist wohl erklärlich.

Würde ich mich nun, ohne den Schutz der deutschen Flagge, an der Küste niederlassen, so würden mir die benachbarten Engländer bald genug das Handwerk legen. Sie würden einfach das Land für England in Besitz nehmen, wie sie es an der Goldküste, wo ich in Lagos ebenfalls eine Faktorei habe, getan haben, und ein wahrscheinlich bedeutendes Absatzgebiet für deutsche Industrie ginge wieder verloren.

Mit welchem Vertrauen ich dieses Geschäft anfasse, wolle Ein hohes Amt daraus ersehen, daß ich ungefähr 150.000 Mark zum Beginne daran wende, welche zum weitaus größten Teile, den deutschen Industriellen zu Gute kommen, da ich, wie schon erwähnt, fast ausschließlich deutsche Waren gekauft habe. Außerdem habe ich den betreffenden Fabrikanten Order erteilt, keine englischen, sondern deutsche Etiketten auf ihre Waren zu setzen, um von vornherein dieselben als deutsches Fabrikat einzuführen. [...]