Karl Ferdinand Lempp

Karl Ferdinand Lempp (1913-1986) war ein deutscher Farmer, Lehrer, Herausgeber und Verleger in Südwestafrika und in der Bundesrepublik Deutschland. © Ingrid Lempp

Karl Ferdinand Lempp (1913-1986) war ein deutscher Farmer, Lehrer, Herausgeber und Verleger in Südwestafrika und in der Bundesrepublik Deutschland. © Ingrid Lempp

Karl Ferdinand Lempp (1913-1986) war ein deutscher Farmer, Lehrer, Herausgeber und Verleger in Südwestafrika und in der Bundesrepublik Deutschland.

Karl Ferdinand Lempp wurde am 14.10.1913 als Sohn des Rechtsanwalts Alfred Lempp und dessen Ehefrau Gertrud, geborene Deßecker in Schwäbisch-Gmünd geboren. Nach dem Abitur am Realgymnasium Schwäbisch Gmünd wanderte er im Jahr 1932 nach Südwestafrika aus, wo er zunächst als Farmvolontär und später als Farmer seinen Lebensunterhalt verdiente. Aus seiner Ehe mit Magdalena Johanna Frieda Olga Fliedner (1912-1996) stammen die Kinder Hellmut (*1938), Horst (*1940) und Dietlind (*1951). Wie die meisten deutschen und deutschstämmigen Männer in Südwestafrika, wurde Karl Ferdinand Lempp durch die südafrikanische Administration in der ehemaligen deutschen Kolonie, als 'feindlicher Ausländer' interniert und im Lager Andalusia im südafrikanischen Transvaal gefangengehalten, seine Familie unter Hausarrest gestellt. Im Jahr 1944 wurde er und seine Angehörigen ins Deutsche Reich repatriiert, wo Lempp zunächst als Zivilist beim Bau von Luftschutzbunkern in seiner Heimatstadt eingesetzt und in den letzten Kriegsmonaten noch zum Waffendienst einberufen wurde. Von 1946 bis 1949 war er als Lehrer und Schulleiter sowohl für behelfsmäßige Einklassen-Volksschulen als auch für gymnasiale Einrichtungen verantwortlich, unterzog sich 1948 mehreren Dienstprüfungen durch das Kultusministerium in Stuttgart, um fehlende Qualifikationsnachweise zu erlangen, und war ab 1949 für kurze Zeit Dozent für Literatur und Leiter der Volkshochschul-Zweigstelle Heubach Baden-Württemberg, um im selben Jahr mit Frau und Kindern nach Südwestafrika zurückzukehren. Für die deutschsprachige Allgemeine Zeitung in Windhoek war Karl Ferdinand Lempp als Chefredakteur von 1950 bis 1955 und von 1957 bis 1960 unter dem damaligen Eigentümer John Meinert tätig. Eine urgeschichtlich-naturwissenschaftliche Brandberg-Expedition im Jahr 1955 fand unter seiner organisatorischen Leitung und Teilnahme statt. Im Jahr 1957 gründete Lempp den Buch- und Zeitschriftenverlag Afrika-Verlag Der Kreis mit Sitz in Windhoek und gab von 1957 bis 1969 die Kulturzeitschrift „Der Kreis" heraus. In den folgenden Jahren arbeitete er mit Autoren wie Fritz Gaerdes, Hans von Balluseck, Wolf von Loeben, Heide und Eberhard von Koenen, Gerda Wilhelm, Tatiana Boehm, dem Botaniker Willy Giess, dem Denkmalpfleger Dawid Wilhelm Krynauw, den Wasserbauingenieuren Otto Wipplinger und Heinz Walter Stengel, Helmut zur Strassen und Pastor Walter Moritz zusammen. Im Jahr 1958 heiratete der inzwischen geschiedene Karl Ferdinand Lempp die in Südwestafrika geborene Ingrid Becker. Aus dieser zweiten Ehe stammen die Kinder Sabine (*1960) und Peter Lempp (*1964). Lempp, der die von der südafrikanischen Administration implementierten Apartheid-Verordnungen offen in Frage stellte und daher des öfteren in seiner Funktion als Schriftleiter angegriffen wurde, war im Jahr 1960, zusammen mit Japie Basson, Gründer der kurzlebigen Südwest Partei (South West Party/Suidwes Party), die sich unter den Vorzeichen der Dekolonialisierung Afrikas zum Ziel setzte, gesellschaftlichen und politischen Konsens zwischen den Bevölkerungsgruppen Südwestafrikas herbeizuführen. Das dreisprachige Parteiorgan ‚S. W. Bulletin‘, für das Karl Ferdinand Lempp als Redakteur tätig war, erlebte nur 26 Wochenausgaben bevor es wieder eingestellt wurde. Vor der gesellschaftlichen Unbeweglichkeit der Wählermehrheit in Südwestafrika zunehmend resignierend, zog sich Karl Ferdinand Lempp ab 1964 ins Farmleben zurück. 1969 verließ er mit seiner Familie das Land und ließ sich in Schwäbisch Gmünd nieder. Dort gründete er 1970 die Lempp-Verlag GmbH, arbeitete als Redakteur der Heimatzeitschrift „Einhorn" und richtete sich einen Zweitwohnsitz in Südfrankreich ein. Darüber hinaus ging er von 1971 bis 1982 Lehraufträgen an der Fachhochschule für Gestaltung in Schwäbisch Gmünd und an der Fachhochschule Aalen nach. Angeregt durch seine Kulturlehre und das Interesse seiner Schüler übertrug Karl Ferdinand Lempp Homers Odyssee in Prosa, die erstmals im Verlag Langen Müller in München erschien. Seine Frau hatte inzwischen ein Grafik-Designstudium absolviert und erhielt nach mehreren Jahren Berufstätigkeit ein Arbeitsangebot von einem Designbüro in Hamburg. Für das Ehepaar gab dies den Anlaß, 1983 dorthin überzusiedeln. In Hamburg vollendete der an Krebs erkrankte Karl Ferdinand Lempp seine Übertragung von Homers Ilias in deutsche Prosa, vier Wochen vor seinem Tod am 14.11.1986. Von ihm existieren über 1000 politische, kulturpolitische und heimatkundliche Veröffentlichungen in Form von Leitartikeln, Vorträgen, Aufsätzen, Gedichten die in Zeitungen, Zeitschriften und Anthologien erschienen. Zahlreiche seiner Gedichte, Kurzgeschichten und sein Roman „Karl-August Ramsberg, Jahrgang 1913" blieben unveröffentlicht. Ein Teil seines Schriftnachlasses befindet sich im Personenarchiv (PA.5) der Basler Afrika-Bibliographien. Ingrid Lempp, gelang es den Insel-Verlag (Suhrkamp) von der Herausgabe der Prosaübertragungen ihres verstorbenen Mannes von Homers Odyssee und Ilias zu überzeugen. Diese erschienen im Jahr 2009 als Prachtausgabe im Schuber. 2012 folgte eine Taschenbuchausgabe beider Werke.

Autor: Ulrich Ender

Diese Kurzbiographie entstand unter der Mitwirkung von Karl Ferdinand Lempps zweiter Ehefrau, Ingrid Lempp. Ihr verdanken wir auch das hier abgebildete Foto des Verlegers.

Literatur von Karl Ferdinand Lempp:

  • Windhoek (1963)
  • Quintessenz (Pseudonym „Tramontanus", 1973)
  • Homer: Die Odyssee (Prosa, 1985; 2010; 2012)
  • Homer: Ilias (Prosa, 2010; 2012)

Lempp, Karl Ferdinand im Namibiana-Buchangebot

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