Willy Giess

Heinrich Johann Wilhelm ("Willy") Giess (1910-2000) war ein deutscher Farmer, Botaniker und erster Kurator des heutigen Nationalherbariums Namibias.

Heinrich Johann Wilhelm ("Willy") Giess (1910-2000) war ein deutscher Farmer, Botaniker und erster Kurator des heutigen Nationalherbariums Namibias.

Heinrich Johann Wilhelm ("Willy") Giess (1910-2000) war ein deutscher Farmer, Botaniker und erster Kurator des heutigen Nationalherbariums Namibias.

Willy Giess, wie er in der Literatur und von Zeitzeugen meist genannt wurde, wurde am 21.02.1910 als ältester von zwei Söhnen des Bankkaufmanns und Prokuristen Wilhelm Giess und seiner Ehefrau Lilly geb. Rückert in Frankfurt am Main geboren, wo er bis 1925 die Adlerflycht-Realschule besuchte. Als Jugendlicher wanderte er mit seinen Eltern nach Südwestafrika aus, wo die Familie am 04.02.1926 eintraf. Bis zu seiner Einschreibung als einer der ersten drei Schüler der Neudamm-Landwirtschaftsschule (1928-1929) in der Nähe von Windhoek, arbeitete Willy Giess als Farmeleve auf verschiedenen Farmen. 1931 erkrankte er an Malta-Fieber, das er, wie es zu der Zeit üblich war, durch eine Klimaveränderung in Deutschland auskurierte. Diese Zeit nutzte er, indem er sich von 1931 bis 1933 in der Herdbuch-Abteilung der Karakulschafzucht des Tierzuchtinstituts der Universität Halle einschrieb und sich als Berater für die Zucht von Karakulschafen qualifizierte. Nach seiner Rückkehr nach Südwestafrika übernahm er die Leitung einer Karakulfarm und erwarb 1939 die zwischen Dordabis und Leonardville gelegene Farm Dornfontein-Süd und heiratete dort 1940 Erna Hilde Eberhardt (1911-1965). Bei Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde Willy Giess, wie die meisten deutschen Männer in Südwestafrika, in dem südafrikanischen Gefangenenlager Andalusia interniert, wo er, u. a. mit H. J. Wiss, Rudolf Strey und H. Kinges, bei dem ebenfalls internierten deutschen Wissenschaftler Prof. Dr. Otto Heinrich Volk, Botanik studierte. Der selbstorganisierte Studienbetrieb der Deutschen in Gefangenschaft wurde später als vollwertiger akademischer Abschluß anerkannt, so auch zugunsten von Willy Giess, der vor seiner Entlassung im Jahr 1946 als botanischer Sammler von der University Stellenbosch angestellt wurde und in der Umgebung des Lagers Proben sammelte. 1952 verkaufte er die Farm Dornfontein-Süd und zog mit seiner Familie auf die von ihm gekaufte, etwa 60 km südlich von Windhoek in Richtung Rehoboth gelegene Farm Bergland. 1953 wurde er als vorläufiger Kurator des Nationalherbariums in Windhoek berufen, das zu dieser Zeit auf Grundlage einer privaten Pflanzensammlung, die ca. 2.000 Präparate enthielt und, gestiftet von Professor Heinrich Walter von der Technischen Universität Hohenheim, erst im Entstehen begriffen war. Auf Initiative des damaligen Landwirtschaftsministers in Südwestafrika, Dr. J. S. Watt, sollte diese als eigene botanische Abteilung in seinem Direktorat angesiedelt werden. In vierjähriger nebenberuflicher Arbeit, während der er im Wochentakt zwischen Windhoek und Farm Bergland hin- und herpendelte, strukturierte Heinrich Johann Wilhelm Giess das Herbarium und wurde 1957 als hauptamtlicher Kurator bestellt. Inzwischen geschieden, heiratete er 1964 Brigitte Bleissner geb. Scherz (1917-1999), die jüngste Schwester von Dr. Ernst-Rudolf Scherz. Fünf Jahre über seinen Ruhestand im Jahr 1975 hinaus, arbeitete Willy Giess mit seinem Nachfolger, M. A. N. Müller, zusammen. Auch als sich dieser von April 1985 bis Januar 1986 auf seine Promovierung vorbereitete, vertrat ihn der inzwischen 76-jährige. Heinrich Johann Wilhelm Giess werden 18.750 Präparate des namibischen National-Herbariums zugeschrieben, die er, oft zusammen mit anderen Botanikern wie H. O. Volk, D. van Vuuren, B. de Winter und Hermann Merxmüller, in allen, oft schwer zugänglichen Teilen seiner Wahlheimat gesammelt hat und von denen zahlreiche, von ihm entdeckte Arten nach ihm benannt wurden. Willy Giess war von 1968 bis 1991 Herausgeber des botanischen Journals Dinteria der S.W.A. Wissenschaftlichen Gesellschaft, erstellte 1971 die erste Vegetationskarte Namibias, die, 1978 und 1998 neu aufgelegt, bis heute als Referenzwerk gilt. Anhand seiner umfangreichen Sammlung botanischer Literatur, erarbeitete Willy Giess die erste botanische Bibliographie Südwestafrikas, die 1989 veröffentlicht wurde. Ferner schrieb er zahlreiche wissenschaftliche Beiträge. Seine Lebensleistung wurde auch international anerkannt und erfuhr bedeutende Auszeichnungen: 1964 berief ihn das Wiener Naturhistorische Museum als Korrespondenten, 1968 ehrte ihn die Königliche Akademie der Wissenschaften zu Stockholm mit der Großen Lineé-Medaille in Silber. Die Bayrische Akademie der Wissenschaften zeichnete Willy Giess für seinen Beitrag zu Hermann Merxmüllers Standardwerk 'Prodromus einer Flora von Südwestafrika' aus. Im Jahr 1979 ehrte ihn die South African Association of Botanists mit einer Auszeichnung für seine Verdienste auf dem Feld der Botanik. Im Jahr 1980 erhielt er die Goldmedaille der South African Academy of Sciences and Arts und 1998 benannte die inzwischen SWAPO-dominierte Stadtverwaltung von Windhoek eine Straße nach ihm. Im Jahr 1999 verstarb seine zweite Ehefrau Brigitte Giess (1917-1999), die ihn zwischen 1963 und 1980 bei der Arbeit am Nationalherbarium und bei zahlreichen Sammelexkursionen unterstützt hatte. Zwei Monate vor seinem Tod zog Willy Giess von Windhoek nach Swakopmund, wo er am 28.09.2000 verstarb. Er hinterließ seine Töchter Gertrud (1940-2010) und Hildegard (*1947), seinen Sohn Wilhelm (*1948) und 3 Enkel. Wie es sich Brigitte und Willy Giess gewünscht hatten, wurden ihre Aschen südlich von Windhoek in den Auasbergen (Regenstein), verstreut.


Giess, Willy im Namibiana-Buchangebot

Wissenschaftliche Forschung in Südwestafrika

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Die Festschrift 'Wissenschaftliche Forschung in Südwestafrika' wurde 1962 von der S.W.A. Wissenschaftlichen Gesellschaft herausgegeben.

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