Fritz Gaerdes

Fritz Gaerdes (1892-1975) war ein deutscher Lehrer, Autor naturkundlicher Bücher und Förderer des Denkmal- und Naturschutzes in Südwestafrika.

Fritz Gaerdes (1892-1975) war ein deutscher Lehrer, Autor naturkundlicher Bücher und Förderer des Denkmal- und Naturschutzes in Südwestafrika.

Fritz Gaerdes als alter Herr in Okahandja, Südwestafrika. Das Bild zeigt ihn von einem Schlaganfall gezeichnet.

Fritz Gaerdes als alter Herr in Okahandja, Südwestafrika. Das Bild zeigt ihn von einem Schlaganfall gezeichnet.

Fritz Gaerdes (1892-1975) war ein deutscher Lehrer, Autor naturkundlicher Bücher und Förderer des Denkmal- und Naturschutzes in Südwestafrika.

Fritz Gaerdes wurde am 17.10.1892 in Vegesack, nördlich von Bremen geboren. Er war von 1913 bis 1914 als Grundschullehrer tätig, im Ersten Weltkrieg Freiwilliger in Rußland, Frankreich und Belgien und kehrte 1918 in den Schuldienst zurück. Im Jahr 1921 besuchte der Grundschullehrer seinen älterern Bruder Jan Gaerdes in Südwestafrika, wo dieser bereits seit 1913 lebte. Die ehemalige deutsche Kolonie faszinierte ihn so, daß er dem Drängen des Schulvereins nachgab und die Lehrerstelle an der deutschen Privatschule in Okahandja übernahm und im Lande blieb. Ab 1921 war er Mitglied, später Vorstandsmitglied, Sekretär und Leiter der öffentlichen Bibliothek in Okahandja. Am 21.01.1926 heiratete er die älteste Tochter des angesehenen Farmers und Politikers Carl Schlettwein in Otjitambi, Anna Marie Schlettwein. Aus der Ehe gingen zwei Söhne und die Tocher Annemarie, verheiratete Annemarie Heywood, die eine bekannte Universitätsdozentin und Autorin wurde, hervor. Fritz Gaerdes ging seiner naturkundlichen Leidenschaft und der Erforschung und dem Sammeln von Insekten in der Gegend von Okahandja, auf der Farm seines Bruders und im Kaokoveld, nach. Seine Leistungen und Kenntnisse in diesem Fach sprachen sich bald in seiner neuen Heimat herum und machten ihm einen Namen in wissenschaftlichen Kreisen. Fritz Gaerdes, der inzwischen zum stellvertretenden Schulleiter aufgestiegen war, schrieb erfolgreiche Bücher und Artikel zu naturkundlichen Themen. In der Zeit des Zweiten Weltkrieges, als die meisten deutschen Männer in südafrikanischen Gefangenenlagern eingesperrt waren, wurde er von der Internierung verschont. Als jedoch 1945 die deutschen Abteilungen der Regierungsschulen geschlossen werden, wurde Fritz Gaerdes vorübergehend aus dem Schuldienst entlassen. Hatte er sich bereits in seinen frühen Schriften mit den neuen Rahmenbedingungen des "Südwester Deutschtums" nach dem Ende der deutschen Kolonialherrschaft auseinandergesetzt, motivierten ihn seine Überzeugung für ein aktives Eintreten für die Aufhebung des Verbots von Deutsch als Unterrichtssprache (1946-1950) und die allgemeine Wiederherstellung der deutschen Sprachrechte. Der Denkmalschutz in Südwestafrika war ein weiteres Anliegen, für das er sich einsetzte. 1950 wurde Fritz Gaerdes in die Kommision des Nationalen Denkmalrat berufen und von 1961-1969 zum Vorsitzenden der Kommission und des S.A. National Monuments Council  gewählt. In dieser Funktion übersetzte er das ortsgeschichtliche Werk von D. W. Krynauw über das Kreuzkap ins Deutsche. Fritz Gaerdes war ferner als korrespondierendes Mitglied der S.W.A. Wissenschaftlichen Gesellschaft tätig und im Jahr 1951, berufen durch die Administration, Mitglied des Hunting and Nature Conservation Council. In dieser Position erwirkte er die Einrichtung eines Naturschutzgebiets bei Okahandja, das, nach ihm Fritz Gaerdes Naturpark genannt, später in die militärische Nutzung durch die South African Defence Force (SADF) gelangte. Die ebenfalls nach ihm benannte Bibliothek von Okahandja hatte er aufgebaut und betreute diese von 1954-1972 als ehrenamtlicher Sekretär. 1970 überreichte ihm der Konsul der Bundesrepublik Deutschland in Windhoek, Lewalter, eine Reihe entomologischer Geschenkbücher in Anerkennung seiner Verdienste. 1972, anläßlich seines 80. Geburtstages, wurde in der Reihe Mitteilungen der Basler Afrika Bibliographien, die Beitragssammlung Impulse eines Landes extremer Bedingungen für die Wissenschaft als Festschrift zu seinen Ehren herausgegeben. Im Jahr 1975 verstarb der hochgeachtete Fritz Gaerdes, der an den Folgen eines vorangegangenen Schlaganfalls litt, in Okahandja. Sein Haus war ein geistiges Zentrum in dem Persönlichkeiten, Gäste aus Südwest- und Südafrika und aller Welt oft zu Besuch waren. Fritz Gaerdes' Sammelstücke, vor allem Insekten, darunter viele nach ihm benannte, wurden weltweit an Museen und an Institute versandt. Fritz Gaerdes hat den Basler Afrika Bibliographien noch zu Lebzeiten eine Korrespondenz-, Manuskripten-, Foto- und Pressesammlung zukommen lassen, neben einer Sammlung von amtlichem Schriftgut. Weitere Teilnachlässe von ihm befinden sich in verschiedenen Archiven Namibias. Die archivarische Sicherheit in Südwestafrika bezweifelnd, ließ Gaerdes den Basler Afrika Bibliographien die vollständigste Sammlung seiner Manuskripte und Publikationen zukommen. Auch den eher persönlichen Schriftwechsel vertraute er dem Leiter der Basler Afrika Bibliographien, Carl Schlettwein, an, während die Korrespondenz mit Entomologen aus dem In- und Ausland zusammen mit den Insektensammlungen den Museen und Bibliotheken in Windhoek und Swakopmund übergeben wurden. Die berufliche Korrespondenz 1921-1962 befindet sich im Staatsarchiv in Windhoek.


Gaerdes, Fritz im Namibiana-Buchangebot

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