Die deutsche Sprachgruppe Südwestafrikas in Politik und Recht seit 1915, von Werner Bertelsmann

Die deutsche Sprachgruppe Südwestafrikas in Politik und Recht seit 1915, von Werner Bertelsmann. ISBN 0949995290

Die deutsche Sprachgruppe Südwestafrikas in Politik und Recht seit 1915, von Werner Bertelsmann. ISBN 0949995290

Die deutsche Sprachgruppe Südwestafrikas in Politik und Recht seit 1915 war eine von Dr. jur. Werner Bertelsmann, Professor für öffentliches Recht in Südafrika verfaßte Studie.

Werner Bertelsmann  

Für Hilfe durch Rat und Tat, Hinweise, Auskünfte, mir überlassene Materialien und aufschlußreiche Gespräche, die die Fertigstellung der vorliegenden Arbeit förderten, müßte ich mich bei so vielen Menschen in Südwestafrika/Namibia, Südafrika und Deutschland bedanken, daß jeder Versuch, sie aufzuzählen, scheitern würde. Nur ganz wenige können hier genannt werden, allen voran mein väterlicher Freund (wenn ich als vielfacher Großvater so sagen darf) und Berater Prof. Dr. jur. Georg Erler in Göttingen, der vor dem zweiten Weltkrieg mein Doktorvater wurde. Schon damals war Erler als Verfasser des Standardwerkes über „Das Recht der nationalen Minderheiten" (Münster 1931) bekannt, und nach dem Krieg schrieb er die Beiträge „Minderheiten" und „Minderheitenrecht" im Wörterbuch des Völkerrechts (Strupp-Schlochauer, Berlin 1961). Ohne seine dringenden Empfehlungen hätte ich das mir unmöglich Scheinende entweder nie versucht oder bald wieder aufgegeben, nämlich auf so beschränktem Raum die gesamte politische und Rechtsgeschichte der Südwester Deutschen seit 1915 darzustellen. Bisweilen wurde die Versuchung, nur einzelne Perioden oder Gesichtspunkte, und diese viel eingehender zu behandeln, fast übermächtig, doch fügte ich mich der Einsicht, daß dem Mangel an einschlägigem Schrifttum vordringlich mit einem Überblick über den ganzen Zeitraum von fast sechs Jahrzehnten abgeholfen werden müsse. Mit dem historisch wertvollsten Material überraschte mich - lange, bevor ich an diese Arbeit auch nur dachte - der ehemalige Sekretär des Deutschen Bundes von Südwestafrika, Erich von Schauroth, dessen ich hier in Dankbarkeit gedenke. Ich kannte ihn nur aus Briefen, mit denen er auf einige meiner Leitartikel in der Windhoeker Allgemeinen Zeitung reagiert hatte. Die noch in seinem Besitz befindlichen Akten des Deutschen Bundes, die er mir kurz vor seinem Tode (1958) anvertraute, vor allem die Kopien seiner eigenen Briefe mit seinen ausführlichen Schilderungen und Stellungnahmen zu den Südwester Ereignissen in den zwanziger und dreissiger Jahren, erwiesen sich als aufschlußreichste Quellen zum Verständnis dessen, was die Südwester/Deutschen in der Zwischenkriegszeit und insbesondere ab 1933 erlebten. Auch begegnen wir in diesen Briefen einem aufrechten, charaktervollen Mann mit gesunden Gefühl und scharfem Verstand, der uns Anerkennung und Achtung abnötigt. In der Zwischenkriegszeit wünschte sich natürlich auch Schauroth die Rückkehr von Südwestafrika unter deutsche Herrschaft, und jedenfalls mußten nach seiner Auffassung die Südwester Deutschen alles vermeiden, was die Ansprüche des Reiches auf seine ehemalige Kolonie hätte schwächen können. Aber er glaubte nicht, daß Deutschland auf den tatsächlichen Besitz gerade dieses Gebietes jemals wieder Wert legen würde. Hier ist nun eine der vielen Paradoxien in der Geschichte von Südwestafrika nachzutragen. Im Gegensatz zu den meisten Nationalsozialisten in Südwest und zu hohen Parteidienststellen in Deutschland hätte Schauroth offenbar selbst dann recht behalten, wenn es Hitler möglich gewesen wäre, seine kühnsten Kriegsziele zu verwirklichen. Zwar dachte Hitler 1940/41 an ein großes Kolonialreich in Afrika, das u.a. Togo, Kamerun und Deutsch-Ostafrika umfassen sollte - nicht aber Südwest, für dessen Verwaltung das Kolonialpolitische Amt der NSDAP zur selben Zeit 790 Planstellen vorsah! Systematische Quellenforschung für diese Arbeit konnte ich vor allem während eines neunmonatigen Urlaubs in den Jahren 1967/68 betreiben. Mit aufrichtigem Dank sei vermerkt, daß zu den Kosten des Aufenthaltes in Übersee der Fregattenkapitän Johann-Bernhard-Mann-Fonds einen Zuschuß gewährte. In Hamburg, wo Prof. Dr. Herbert Krüger mir großzügig sein eigenes Büro zur Verfügung stellte, wertete ich die vom ehemaligen Kolonialinstitut übernommenen Sammlungen der Forschungsstelle für Völkerrecht aus, im Heidelberger Max-Planck-Institut für ausländisches und öffentliches Recht und Völkerrecht, von Prof. Dr. K. Doehring und Bibliotheksdirektor Dr. Steiner hilfreich betreut, das einschlägige Staats- und völkerrechtliche Schrifttum. In Windhoek hatte ich schon von 1952 bis 1962 als AZ-Schriftleiter und später im Staatsdienst die Entwicklung selbst miterlebt und umfangreiche Unterlagen gesammelt. Weitere wurden mir dort 1968 bei der Administration, im Archiv und andernorts zugänglich gemacht, dank dem Entgegenkommen des damaligen Administrators, W. C. du Plessis, sowie zahlreicher Beamter und Privatpersonen. Ihnen allen sei herzlich gedankt - posthum auch der unvergessenen Frau Klara Dresselhaus, die mich damals auf Farm Hoffnung mit ihrer Gastfreiheit verwöhnte. In den Jahren, in denen ich das Material verarbeitete, war ich wissenschaftlicher Referent (senior researcher) des Instituts für ausländisches Recht und Rechtsvergleichung an der Universität von Südafrika in Pretoria, und das Thema fiel in den Rahmen des Institutsprojektes „Menschenrechte, Minderheitsrechte und Selbstbestimmung - Vergleichende Studien im Staats- und Völkerrecht". Für dieses Projekt erhielt das Institut finanzielle Unterstützung vom südafrikanischen Rat für geisteswissenschaftliche Forschung, und deshalb konnte die Arbeit an dem Buch, obschon hauptsächlich in Urlaub und Freizeit fallend, zum Teil auch im Institut selbst getan werden. Dabei erwies sich insbesondere das Personal der Universitätsbibliothek als hilfreich. Wo deren Möglichkeiten aufhörten, sprang die Staatsbibliothek ein - besten Dank, Dr. Aschenborn! Eine bis in die Gegenwart reichende historische Arbeit ist bei ihrem Erscheinen hinsichtlich des „neuesten Standes", der sich noch während der Drucklegung ändern kann, meist schon veraltet. Auch bei einem Versuch, in Form eines Nachtrages noch den „allerneuesten Stand" darzustellen, Messe sich das im vorliegenden Falle nicht vermeiden. Wichtig ist darum nur, dem Leser zu sagen, wo der Schlußstrich gezogen wurde: im zweiten Halbjahr 1970. Von allem, was sich inzwischen verändert hat, soll hier nur weniges in ganz großen Zügen angedeutet werden. Die deutsche Privatschule in Lüderitzbucht ist verschwunden, die Privatschule Karibib führt nur noch bis Std 7, und die Deutsche Höhere Privatschule Windhoek hat ihre Tore für Angehörige aller Rassen geöffnet. Zum erstenmal seit 20 Jahren, wenn nicht seit dem Kapstädter Abkommen von 1932, ist die Gleichberechtigung der deutschen Sprache in Südwestafrika wieder Gegenstand ernsthafter politischer Erwägungen geworden. Zum erstenmal auch seit der Vorkriegszeit ist mit der „Interessengemeinschaft Deutschsprachiger Südwester" eine politisch aktive Organisation zur Vertre tung der deutschen Sprachgruppe entstanden. Staatsrechtlich zielte der Odondaal-Plan zunächst noch auf Eingliederung des „weissen" Südwestafrika in die Republik und auf die Errichtung einer ganzen Reihe von nichtweissen ,,Bantustan"-Staaten. Die VNSWP trug dem Rechnung, indem sie der Südwester Zweig der in der Republik damals noch bestehenden Vereinigten Partei wurde. Danach beschritt Südwest als ganzes den umgekehrten Weg, nämlich in Richtung auf staatliche Unabhängigkeit. In der Turnhalle berieten Vertreter aller ethnischen Gruppen - die Weissen nur von afrikaanssprachigen Nationalisten vertreten - über eine künftige Verfassung. Die VP des Gebietes verwandelte sich in die Föderale Partei. Die NP von Südwestafrika spaltete sich, indem Dirk Mudge mit viel Unterstützung aus den Reihen der Deutschsprachigen die Republikanische Partei gründete. Politische Allianzen haben sich gebildet, in denen Angehörige aller ethnischen Gruppen zusammenstehen. Die Vertretung von Südwestafrika im Senat und im Volksrat der Republik wurde abgeschafft, so auch der Posten des Administrators. Weitreichende Vollmachten für Gesetzgebung und Verwaltung wurden dem von der südafrikanischen Regierung eingesetzten Generaladministrator übertragen, und wie nie zuvor konnten sich die Vereinten Nationen in die Entwicklung einschalten. Damit hat auch, obwohl es nun in Windhoek kein deutsches Konsulat mehr gibt, das Engagement der Bundesrepublik in Südwester Angelegenheiten beträchtlich zugenommen. Überall im Lande denken Deutschsprachige darüber nach, welche Rolle ihre Sprachgruppe jetzt spielen, welche Aufgaben sie übernehmen und welche eigenen Ziele sie in dieser Zeit des Umbruchs verfolgen sollte. Möge es ihnen der Rückblick auf die eigene Geschichte erleichtern, ihren Standort in Gegenwart und Zukunft zu bestimmen.

Dies ist ein Auszug aus der Studie: Die deutsche Sprachgruppe Südwestafrikas in Politik und Recht seit 1915, von Werner Bertelsmann.

Buchtitel: Die deutsche Sprachgruppe Südwestafrikas in Politik und Recht seit 1915
Autor: Werner Bertelsmann
Herausgeber: S.W.A. Wissenschaftliche Gesellschaft
Windhoek, Südwestafrika 1979
ISBN 0949995290
Originalbroschur, 15x21 cm,172 Seiten

Bertelsmann, Werner im Namibiana-Buchangebot

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