Heinrich Lotz: Heimkehr, Heirat und erneute Ausreise und Karriere in Lüderitzbucht

1908: Dr. Heinrich Lotz zeigt Staatssekretär Bernhard Dernburg die Diamantenfelder bei Lüderitzbucht.

1908: Dr. Heinrich Lotz zeigt Staatssekretär Bernhard Dernburg die Diamantenfelder bei Lüderitzbucht.

1908: Dr. Heinrich Lotz wird Direktor der Deutschen Diamanten-Gesellschaft m.b.H.

1908: Dr. Heinrich Lotz wird Direktor der Deutschen Diamanten-Gesellschaft m.b.H.

Nach seiner Heirat im Jahr 1907, reiste Dr. Heinrich Lotz ein zweites Mal als Geologe nach Südwestafrika aus. In Lüderitzbuch wurde er Direktor der Deutschen Diamanten-Gesellschaft m.b.H.

Diesen Lebenslauf verfaßte Dr. Heinrich Lotz bald nach seiner Rückkehr aus Südwestafrika im Jahr 1923. Dies ist Teil 3 von 4.

Ich heiratete im Frühjahr 1907, meine Frau ist Marburgerin, wir waren schon verlobt, als ich zum ersten Mal nach Südwestafrika ausreiste und folgte bald danach einem Rufe der Metallgesellschaft in Frankfurt, die auf Veranlassung des neuernannten Staatssekretärs Dernburg ein Südwestafrikanisches Minensyndikat gegründet hatte, daß sich der bergwirtschaftlichen Erschließung des Schutzgebietes widmen sollte. Die Führung dieses Minensyndikats, das über mehr als 3 Millionen Kapital verfügte, sollte ich übernehmen, ich ließ mich also aus dem Staatsdienst zunächst beurlauben, nach einem Jahr trat ich aus. In Südwest richteten wir ein bergmännisches Laboratorium in Swakopmund ein, ich fuhr zu der eben in Tätigkeit getretenen Grube der Otavigesellschaft, um sie kennen zu lernen; auf der Rückreise kam ich Kontakt mit den ersten Zinnerzschürfern, zwei Österreichern. Mit dem einem gelang es mir, einen Vertrag abzuschließen, der ihn an das Minensyndikat band. Das Syndikat hat sich dann erfolgreich beim Prospektieren im Zinn rings um das Erongogebirge betätigt. Ich reiste mit einer Eselskarre und zwei Reitpferden von Windhuk nach dem Süden nach Keetmanshoop, um dort die von mir schon (1905) entdeckte Karrooformation auf Kohlen zu untersuchen, wozu sich das Minensyndikat vertraglich verpflichtet hatte: inzwischen waren die ersten Diamantfunde bei Lüderitzbucht durch den Bahnmeister Stauch bestätigt worden. Es zog mich mächtig dort hin, kannte ich doch die Gegend von Lüderitzbucht wie mein Hosentasche, ich hatte zwar meinen Vertreter Bergassessor () dorthin geschickt, mit 10 Schürfschienen [sic] bewaffnet, aber ich hörte wenig von ihm. Der Staatssekretär Dernburg führte in dieser Zeit seinen Besuch von Südafrika aus und meldete seine Ankunft über Land mit Auto und zu Pferde in Keetmanshoop an, er bat mich telegrafisch um meine Begleitung ins neue Diamantengebiet. Ich reiste zunächst einmal allein nach Lüderitzbucht, um ich flüchtig zu orientieren und empfing dann Exzellenz Dernburg unter den Spitzen der Behörden bei Seeheim am Fischfluß, wir geleiteten ihn zunächst nach Keetmanshoop, dann brachte ein Extrazug ihn und seine Begleitung: die im Gouverneur von Schuckmann, den Truppenkommandeur samt einer Mitzahl von Beamten und Offizieren hinunter nach Lüderitzbucht mit einem zwischengeschoben Ausflug nach Bethanien. In Lüderitzbucht wurden die bis dahin entdeckten Diamantfelder von Kolmanskuppe besichtigt, die Fundumstände und das Herkommen besprochen, und auf der Rückfahrt des Zuges durfte ich Sr. Exzellenz und dem Gouverneur meine Ansichten über die Aussichten der Diamantfunde und ihre voraussichtliche weitere Entwicklung darlegen. Als Ergebnis dieser Unterhaltung konnte man die spätere Schaffung der Diamantregie und die Sperre für weiteres Nachsuchen und Belegen von neuen Diamantfeldern ansehen, die nach Rückkehr Dernburgs nach Berlin verordnet wurden. Der Staat behielt sich weitere () auf Diamanten für sich selbst vor und übertrug diese Arbeit auf die neu gegründete Deutsche Diamanten-Gesellschaft m.b.H. im Frühjahr 1908; nach Hause zurückgekehrt übertrug man mir die Leitung dieser Gesellschaft, an der das Minensyndikat mit 1/5, die Kolonialgesellschaft für Südwestafrika, die Nachfolgerin des verstorbenen Lüderitz, der den ersten Land- und Bergrechtsbesitz in Südwest 1883 erworben und damit den Erwerb des Schutzgebietes veranlaßt hatte. Die nachfolgenden Ereignisse, den Streit der Diamantfelderbesitzer mit der Regierung, der Diamantregie und der Deutschen Diamantengesellschaft hier zu schildern, würde zu weit führen. Dazu kam noch das Auftreten neuer Interessenten von London her, (de Paas & Co), die ältere, und zum Teil anerkannte Rechte besaßen, um das sehr reiche Pomonagebiet, es kam langen gerichtlichen und außergerichtlichen in Kämpfen um das Pomonagebiet zu einem Vergleich und zur Gründung der Pomona-Diamantengesellschaft. Inzwischen war ich für die deutsche Diamantengesellschaft (D.D.G.) alljährlich draußen und wenige Monate in Berlin tätig, wir suchten und belegten neue Diamantfelder, nahmen das ganze Diamantengebiet von Lüderitzbucht bis zum Oranjefluß topographisch aus, schufen Wegeverbindungen, Süßwasserkondensatoren (aus Meerwasser), verbesserten die Diamantengewinnung durch Schaffung von Aufbereitungsanstalten usw. Kurz, es war eine lebhafte Tätigkeit, die sich mir in den Jahren bis zum Weltkrieg bot, sie waren mit Betätigung auf allen möglichen Gebieten verknüpft. Wie bei uns, der D.D.G. war es natürlich auch bei den anderen Diamantengesellschaften, 1914 schien ein Höhepunkt erreicht, wo wir unsere auf einer Landesausstellung in Windhuk Mai 1914 die deutsche Diamantenindustrie im glänzenden Rahmen entsprechend zur Darstellung bringen. Der Weltkrieg überraschte uns zwar, wir hatten in aber seit dem Mord in Sarajewo bestimmt erwartet.

(Wird fortgesetzt...)


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