Heinrich Lotz

Bergrat Professor Dr. Heinrich Ludwig Lotz war ein deutscher Geologe und Geschäftsführer der Deutschen Diamanten-Gesellschaft in Lüderitzbucht.

Bergrat Professor Dr. Heinrich Ludwig Lotz war ein deutscher Geologe und Geschäftsführer der Deutschen Diamanten-Gesellschaft in Lüderitzbucht.

Staatssekretär Bernhard Dernburg (links) und Dr. Heinrich Lotz (rechts) auf der Fahrt von der Station Kolmanskop zu den Diamantenfeldern, 25.08.1908.

Staatssekretär Bernhard Dernburg (links) und Dr. Heinrich Lotz (rechts) auf der Fahrt von der Station Kolmanskop zu den Diamantenfeldern, 25.08.1908.

Dr. Heinrich Lotz mit seiner Ehefrau auf einer Schiffspassage von oder nach Südwestafrika, Datum unbekannt.

Dr. Heinrich Lotz mit seiner Ehefrau auf einer Schiffspassage von oder nach Südwestafrika, Datum unbekannt.

Bergrat Professor Dr. Heinrich Ludwig Lotz (1873-1943) war ein deutscher Geologe und Geschäftsführer der Deutschen Diamanten-Gesellschaft in Lüderitzbucht, Südwestafrika.

Heinrich Lotz wurde am 22.02.1873 als Sohn des Kaufmanns Ludwig Lotz in Hersfeld und seiner Frau Maria Elise, geb. Nöll, aus Treysa, in Hersfeld geboren. Sein Vater starb bereits vier Jahre später, seine Mutter verlor Heinrich Lotz als er achtzehn Jahre alt war. Er besuchte die Volksschule und daraufhin das humanistische Gymnasium in Hersfeld. Schon früh entwickelte der Schüler ein großes Interesse an Naturwissenschaften und den zeitgenössischen Afrikareisen und schrieb sich im Frühjahr 1891 für ein naturwissenschaftliches Studium an der Universität zu Marburg ein. Die ersten drei Semester absolvierte er an der Universität in Tübingen und kehrte zur Vorbereitung auf die preußische philologische Staatsprüfung nach Marburg zurück. Dort fesselten ihn bald geographische und metereologische Studien unter Professor Theobald Fischer und bewogen ihn später Assistent des Marburger Geologen Prof. Emanuel Kayser zu werden und 1899 über Vergleichende Regenmessungen zu Marburg an der Lahn zu promovieren. Am 01.04.1900 wurde Heinrich Lotz als Hilfsgeologe an der Geologischen Landesanstalt in Berlin angestellt, ab 1902 mit festem Vertrag. Ende 1903 trat er in die Dienste der Kolonialverwaltung ein und ging als Erster Geologe nach Deutsch-Südwestafrika. Noch vor seiner Ausreise verlobte er sich mit Christiane Friederike Marianne Külz (24.02.1884-1965), der Tochter des Geheimrats Külz in Marburg und Cousine des Verwaltungsrechtlers Dr. Wilhelm Külz (1875-1948). Noch bevor Heinrich Lotz in der deutschen Kolonie eintraf, brach der Hereroaufstand aus und verzögerte seinen Auftrag, Bodenschätze und Wasservorkommen zu erkunden. Stattdessen beschäftigte er sich ab September 1904 sehr erfolgreich mit der Wasserversorgung der Schutztruppe.  Als er 1906, nach zweieinhalb Jahren, nach Deutschland zurückkehrte, hatte er eine solide Wasserversorgung für die Etappenlinie der Schutztruppe geschaffen und wesentliche Grundlagen über den geologischen Aufbau der Kolonie erforscht. Für seine Leistung wurde er mit dem Kronenorden IV. Klasse mit Schwertern am weißschwarzen Bande ausgezeichnet und zum Bezirksgeologen ernannt. Bis zu seiner Heirat am 08.04.1907 in Marburg und erneuten Ausreise nach Deutsch-Südwestafrika im selben Jahr, diesmal vermutlich in Begleitung seiner Ehefrau, erkundete Heinrich Lotz Eisensteinlager im hessischen Lahnrevier und war auf zahlreichen Vortragsreisen im Reich unterwegs. In Swakopmund richtete er als Generalbevollmächtigter des Südwestafrikalischen Minensyndikats ein bergmännisches Laboratorium ein und setzte die Erkundung von Lagerstätten fort 1908 begleitete er den anläßlich der Diamantenfunde aus Deutschland angereisten Kolonial-Staatssekretär Bernhard Dernburg und überzeugte diesen mit seinen Ansichten über die Notwendigkeit eines staatlichen Regulativs und eines Sperrgebietes im Diamantenwesen. In der Folge wurde die Diamantenregie geschaffen und die Sperre für weiteres Nachsuchen und Belegen von neuen Diamantfeldern verordnet. Der Staat behielt sich die Schürftätigkeit auf Diamanten vor und übertrug diese Arbeit auf die neugegründete Deutsche Diamanten-Gesellschaft, deren Leitung der vorausschauende Geologe erhielt. Bis zum Jahr 1914 pendelte Heinrich Lotz jährlich zwischen Deutschland und Südwestafrika, baute die Stellung und Aktivitäten der Deutschen Diamanten-Gesellschaft aus und wurde Aufsichtsratmitglied in zahlreichen der dortigen Bergbaugesellschaften. Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges war er mit dem letzten auslaufenden Passagierschiff, der "Gertrud Woermann", nach Deutschland unterwegs, als diese  während der Überfahrt Order erhielt, Brasilien anzulaufen. Dort musste sich Heinrich Lotz bis zum Kriegsende aufhalten, lernte weite Teile seines Gastlandes kennen und bereiste auch Argentinien, Bolivien, Uruguay und Paraguay. In Südwestafrika, wo der Krieg bereits 1915 verloren war, verhandelten die neuen Landesherren Übernahmeverträge mit den Deutschen Diamanten-Gesellschaften, die, gegen Entschädigungsleistungen, mit Inventar und Personal von der von Sir Ernest Oppenheimer gegründeten Consolidated Diamond Mines of South West Africa Ldt. (CDM) übernommen wurden. Im September 1919 trafen Lotz' Frau und seine neunjährige Tochter Cleo in Brasilien ein und reisten, nach über fünf Jahren wieder vereint, im Feberuar 1920 gemeinsam nach Lüderitzbucht, wo Heinrich Lotz bis zur Übergabe der Deutsche Diamantengesellschaft an die Südafrikaner, die Geschäftsführung inne hatte. 1922 siedelte er nach Swakopmund über, wo die Deutsche Kolonialgesellschaft, deren Vorsitzender Heinrich Lotz war, mit ihrem weitverzweigten Waren- und Bankgeschäften, liquidiert werden mußte. Als Vater der schulpflichtigen Cleo wurde er mit den Bestrebungen der südafrikanischen Administration konfrontiert, die deutschen Schulen mit unwillkommenen Vorgaben zu dominieren, und engagierte sich mit einer großen Mehrheit der deutschen Bevölkerung Südwestafrikas recht erfolgreich dagegen. Anfang 1923 waren seine Abwicklungstätigkeiten beendet und er kehrte mit seiner Familie nach Berlin zurück. Nach einem Jahr Arbeitslosigkeit fand Heinrich Lotz 1924 Anstellung als beratender Geologe bei der Otavi-Minen- und Eisenbahngesellschaft OMEG und widmete sich fortan vorwiegend der Erschließung von Bauxit-Lagerstätten, dem Rohstoff für die Herstellung von Aluminium, in Ungarn, Italien, Griechenland und im Balkan. Südafrika bereiste er 1926 anläßlich der Untersuchung eines Kohlevorkommens zur Ölgewinnung und 1929 zur Teilnahme an einem internationalen Geologenkongreß in Pretoria. Im selben Jahr unternahm er eine Forschungsreise nach Angola. Zum Ende seiner beruflichen Laufbahn unternahm Heinrich Lotz im Jahr 1938 eine Weltreise, in deren Verlauf er noch einmal Südafrika und Südwestafrika besuchte, um, nach eigenem Bekunden, die zahlreichen Freunde, die dort noch tätig waren, ein letztes Mal wiederzusehen. Mit dem Eintritt in den Ruhestand verließ er Berlin und ließ sich in Marburg (Renthof 20) nieder, wo er am Abend des 05.01.1943 verstarb und auf dem Hauptfriedhof bestattet wurde. Unter Geologen erfreute sich Heinrich Lotz hohen Ansehens und wurde in zeitgenössischen geologischen Journalen und Werken häufig erwähnt und wegen seiner uneigennützigen Förderung der deutschen Forschungsarbeit, insbesondere auf internationaler Ebene, und des wissenschaftlichen Nachwuches gewürdigt. In den späten 1920er Jahren, er trug bereits die Titel  Bergrat und Professor, wurde er mit der silbernen Medaille Bene merenti der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und 1936 mit der goldenen Leibniz-Medaille der Preußischen Akademie der Wissenschaften ausgezeichnet. Neben Prof. Hans Cloos waren es insbesondere Prof. Schneiderhöhn, Prof. Range und Prof. Reck die die Bedeutung seiner freundlichen Förderung und Kollegialität für ihre Forschungsarbeiten in Südwestafrika betont haben. Heinrich Lotz, der der Akademischen Turnverbindung Marburg (ATV) zum Sommersemester 1891 als Fux beitrat, hat auch aus dieser Verbindung lebenslange Freundschaften und berufliche Verbindungen gepflegt. Sein einziges Kind, Cleo Lotz, am 23.11.1909 in Berlin geboren und am (?) verstorben, hatte vier Kinder und neun Enkel. Die verschiedenen Familienmitglieder sind kosmopolititsch in verschiedene Himmelsrichtungen orientiert. Der Kontakt ins südliche Afrika besteht fort.

 

 

 


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