Verwehte Spuren in der Namibwüste: Alte Ansiedlungen am Kuiseb, von Walter Moritz

Verwehte Spuren in der Namibwüste: Alte Ansiedlungen am Kuiseb, von Walter Moritz.

Verwehte Spuren in der Namibwüste: Alte Ansiedlungen am Kuiseb, von Walter Moritz.

In seinem Buch Verwehte Spuren in der Namibwüste, untersucht und beschreibt Walter Moritz alte Ansiedlungen am Kuiseb-Rivier aus der vorkolonialen und kolonialen Zeit.

Walter Moritz  

Sandwich Harbour, auch Sandfischhafen genannt, wo wahrscheinlich der Kusieb früher mündete, soll hier erwähnt werden. Nach Admiral Sandwich wurde dieser Platz so genannt. Dieser soll als leidenschaftlicher Kartenspieler keine Zeit zum Essen gehabt haben. Er befahl daher, ihm die Brote griffbereit zu servieren, wie sie heute noch als Sandwiches bekannt sind. C. Wandres dagegen meinte, daß es Sandfischhafen und nicht Sandwichhafen sein müßte, da Sandwich doch Butterbrot hiesse. Der Nama-Name ist Anichab, das ist der Platz, wo viele Vögel sind. Noch vor 1854 betrieb der Jude Aaron de Pass dort Fischfang. Nach der Chronik soll er sich 1852 mit dreizehn Leuten dort niedergelassen haben, um eine Fischerei zu beginnen. Diese wurde mit bedeutendem Erfolg betrieben. Die Fische wurden eingesalzen, getrocknet und nach Mauritius ausgeführt. Die Chronik meldet: "Dort auf dem engen Räume lagen die Fischköpfe, die an der Sonne gedörrt stanken, die aber zur Feuerung benutzt nochmals stanken. Die Fliegenplage war arg. Beim Essen mußte einer sie ständig abwehren.“

Missionar Böhm ging alle zwei Monate nach Sandwichhafen und hielt dort Gottesdienste. Er wohnte dann bei einem Herrn Kemp. 1884 fand er etwa 100 Leute dort. Die Topnaar waren grösstenteils in der Naraernte. 1887 waren 200 Einwohner zugegen; für 40 Kinder hielt Böhm Schule. Doch 1891 gab es keine Weissen mehr in Sandwichhafen. Die Deutsch-Südwestafrikanische Companie hatte die Arbeit eingestellt. Seit etwa 1910 wohnte ein Hans von Broen dort, den ich am 12. Dezember 1968 besuchte. Sein Vater war A.E. von Broen, der mit der deutschen Marine nach Südwest kam. Er fand noch Reste von den Fabriken und Gerätschaften.

E. von Broen schrieb 1923 einen Brief aus Ururas, worin er erwähnte, daß er schon 1887 ein Segelschiff von Walfisch Hafen nach Sandfisch Hafen gesteuert hätte zum Löschen der Fracht. Eine Kurze Geschichte von Sandwich Harbour schrieb Frau L. Gebhardt. Die Portugiesische Bezeichnung ist Port d'Ilheo. Wahrscheinlich wurde 1486 von dem Portugiesen Jacobus Camus der Hafen so genannt. In neuerer Zeit steht die Diskussion um den Namen Sandwich Harbour und Sandfisch Hafen wieder im Vordergrund. Als ich 1991 zwei Fotos an das Museum in Swakopmund schickte mit der Beschriftung Sandwich Harbour schrieb Herr H. Mayer mir zurück. "Es ist doch erstaunlich, wie der Name Sandwich Harbour sich inzwischen eingebürgert hat.

Als Beleg zitiert er den Autoren I.J. Demhardt: "Sandfischhafen liegt auf dem Gebiet der ehemaligen deutschen Kolonie. Der Name ist in deutscher Zeit enstanden und wurde später von den Engländern 'verballhornt'. Dieser Teil der Küste ist heute nur noch über das seit 1878 englische Walvis Bay zu erreichen. So ist aus der Übersetzung 'Sandvis' später Sandwich-Harbour geworden."

Ich habe versucht, der Schreibweise nachzugehen und fand bei Captain B. Morrell, der am 18. Nov. 1828 dort hin kam, den Namen Sandwich Harbour. Auf der Karte von Theodor Hahn 1879 steht ebenfalls die englische Bezeichnung. Auf der Karte im Rheinischen Missionsatlas von 1891 steht Sandwich B., während beim "Neuer Missionsatlas" von 1896 Sandfisch Hn. steht. Auf der Karte von 1894 stehen dagegen beide Bezeichnungen und der Portugiesische Name. Welcher Name älter ist, dürfte damit deutlich sein. In der Namib Times wird von Jacquie Tarr aus der Flamingo, Jan. 93 berichtet, die erklärt, daß Sandwich Harbour von Sandfisch komme und die engl. Form Sandwich Bay später sei. Die Afrikaanse Version ist Sandvis-hawe.

Dabei gab es schon in der Zeitschrift Flamingo vom 3. Sept. 1989 einen sehr aufschlußreichen Artikel von Jill Kinahan Hoe Sandwich Hawe sy naam gekry het . Sie sagt, daß der Name zuerst 1791 auf einer Karte von Alexander Darymple als Sandwich Harbour vorkommmt. Eine Skizze, die dort abgebildet ist, nennt in der Beschreibung, daß die Bucht am 1. April 1789 entdeckt wurde. Die Frage ist dann, woher der Name Sandwich kommt. Folgende Möglichkeiten bieten sich an:

War es wie bei den Hawai-Inseln, die vormals auch als Sandwich-Inseln bekannt waren? Nach Lord Sandwich wurden sie benannt. Doch für Kinahan ist das unwahrscheinlich. Vielleicht könnte der Hafen nach dem Schiff von Kapitän Shields genannt sein, dieses hieß auch Sandwich. Oder es waren Amerikanische Walfischfänger, die schon 1770 vor der Küste jagten, daß ihnen Sandwich-Harbour bekannt war, und daß Kapitän Shields den Plan der Bucht zeichnete.

Interessant ist auch, daß es einmal einen John Montagu Sandwich, erster Lord der Admiralität, gab, der viele Reisen unternahm, und dann den Edward Montagu Sandwich, der 1622 als stellvertretender Oberbefehlshaber bei der gegen die Holländer kämpfenden britischen Flotte gefallen ist. Herr Haase erzählt mir im Anschluß an den Vortrag über Alte Plätze am unteren Kuiseb, daß er in Kapstadt Militärakten eingesehen habe und zu Ehren von Admiral Sandwich der Platz Sandwich Harbour genannt wurde.. Es bliebe dann noch die Deutung übrig, daß eben nach dem Sandhai der 80-100 cm lang und 20-30 kg. schwer, der Hafen so genannt sein könnte.

Doch dürfte es sich wohl um den Admiral handeln, wenn auch vielleicht nach seinem Schiff der Platz so genannt wurde. Die Sandfisch-Deutung ist erst eine spätere Version wie auch die daß der Hafen wie ein Sandwich eingeklemmt ist. Eine sekundäre Deutung wäre noch, daß es eben ein Sand-Ort war, was im Englischen mit -wich gebildet wird. Bekannt ist z.B. Ipswich und Harwich. Wich wird von dem Lateinischen vicus, was Dorf bedeutet abgeleitet. Dann hätte man den Hafen eben Sandwich genannt und könnte es später dem Admiral zugeschrieben haben. [...]

Dies ist ein Auszug aus dem Buch: Verwehte Spuren in der Namibwüste: Alte Ansiedlungen am Kuiseb, von Walter Moritz.

Buchtitel: Verwehte Spuren in der Namibwüste
Untertitel: Alte Ansiedlungen am Kuiseb
Autor: Walter Moritz
Reihe: Aus alten Tagen in Südwest, Band 13
Selbstverlag
Werther, 1997
ISBN 9991675000
Broschur, 15x21 cm, 43 Seiten, 24 sw-Fotos, 4 Lageskizzen

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