Sandsturm über dem Großen Veld, von Jan Jakobus van der Post

Sandsturm über dem Großen Veld, von Jan Jakobus van der Post.

Sandsturm über dem Großen Veld, von Jan Jakobus van der Post.

In seinem Roman Sandsturm über dem Großen Veld beschreibt Jan Jakobus van der Post, der in seiner Jugend mit Buschleuten aufwuchs, das Kennenlernen eines weißen Farmers und eines alten Buschmannes aus der Kalahari.

Jan Jakobus van der Post  

Die Sonne brennt dem Jäger auf den Rücken, aber er fühlt es nicht. Jene große Elenantilope dort drüben darf ihm nicht entkommen! So groß ist die Trockenheit geworden, daß das Wild sich seit langem aus dem Großen Sandveld verzogen hat. Die Buschmänner konnten ihm jedoch nicht folgen, denn sie hatten vom Wasser eines sumpfigen alten Tümpels getrunken und waren davon krank geworden. Erst Tage später konnten sie sich auf den Weg machen und dem Wild nachziehen. Dadurch hatten sie jetzt schon seit mehreren Tagen nichts mehr zu essen gehabt. Vorsichtig kriecht der Jäger näher an das Wild heran. Grasbüschel, hinter denen er Deckung suchen könnte, gibt es nicht, und auch das Buschwerk hat keine Blätter mehr. Die stattliche Antilope wendet sich um und weidet jetzt auf ihn zu. Sofort erstarrt der Jäger zu einem Baumstumpf und preßt sein Gesicht gegen den sonnenwarmen Boden. Das Tier darf seine Augen nicht blitzen sehen! Er wartet... Die schweren Hufe kommen näher, verhalten, und das Tier wendet sich ahnungslos nach einer anderen Richtung. Vorsichtig hebt der Jäger den Kopf. Das Eland steht ganz dicht neben ihm. In dem Augenblick, als die Bogensehne aus seinen Fingern gleitet, weiß er instinktmäßig, daß sich sein Pfeil tief in die Weichen des Wildes eingebohrt hat. Nachdem der Bock weggesprungen ist, bleibt er noch eine Weile liegen, bis die Spannung in seinen Gliedern nachgelassen hat. Heute abend werden seine Leute neue Kräfte sammeln können, um aus dieser entsetzlichen Sandwüste wegzuziehen. Als erfahrener Buschveldbewohner und Jäger weiß er, daß es nur wenige Tage dauern wird, bis sie das Wild wieder erreicht haben. Die Wildspuren im Sand sind in der letzten Zeit frischer geworden, und dieses Eland muß ein Nachzügler eines der letzten großen Wildrudel gewesen sein. Der Jäger läuft nicht gleich hinter seiner Beute her. Er bleibt ruhig stehen und beobachtet das Tier, so lange er es sehen kann. Als er feststellt, daß die Antilope ihre Richtung beibehält und nicht seitwärts ausbricht, bevor sie vom Gift seines Pfeiles niedergezwungen wird, ist er zufrieden und setzt sich in Trab auf den Lagerplatz seiner Horde zu. Die anderen Jäger sind schon wieder zurück, und alle berichten dasselbe: auf dem Veld ist nichts Eßbares zu finden. Die Frauen kauen trockenes Gras und sammeln ihren Speichel im Munde zusammen, um den Brei den Kleinkindern einzugeben. Alle wissen genau, es kann nur noch ein paar Tage dauern, bis sie gezwungen sind, die alten Leute und die Kleinkinder zu töten, damit sie sich selbst aus dem Großen Sandveld retten können. Als die Menschen die gute Nachricht vernehmen, der Jäger habe eine Elenantilope erbeutet, versuchen die Stärksten schwach, den tüchtigen Jäger zu preisen, aber sie sind alle viel zu begierig nach Essen und haben nur wenig Zeit für die gewohnten Lobpreisungen übrig. Bald ziehen sie, so schnell es ihnen möglich ist, in die Richtung, die der Jäger ihnen angegeben hat. Der Jäger selber läuft mit einem anderen voraus. Nach einiger Zeit haben sie die Lichtung erreicht, von wo aus er den Bock zuletzt beobachten konnte. An den Fußabdrücken des Tieres im sandigen Boden erkennen sie, wie breit der Spalt zwischen den Klauen des Fußes schon geworden ist. Das Pfeilgift tut also seine Wirkung. Mit neuer Kraft setzen sie ihren Lauf fort; das Eland kann nicht mehr weit gekommen sein. Endlich sehen sie den Bock liegen, und der Gefährte des Jägers verlangsamt seine Schritte, damit der große Jäger als erster seine Beute erreichen kann. [...]

Dies ist ein Auszug aus dem Roman: Sandsturm über dem Großen Veld, von Jan Jakobus van der Post.

Titel: Sandsturm über dem Großen Veld
Autor: Jan Jakobus van der Post
Übersetzung: Georg Dühlmeier
Verlag: K. Thienemanns Verlag
Erstauflage. Stuttgart, 1969
Original-Halbleinen, Original-Schutzumschlag, 13x19 cm, 191 Seiten

van der Post, Jan Jakobus im Namibiana-Buchangebot

Sandsturm über dem Großen Veld

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In dem Roman Sandsturm über dem Großen Veld verarbeitete Jan Jakobus van der Post eigene Erfahrungen mit den Buschleuten der Kalahari.

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