Dr. Heinrich Vedder: Vom Ravensberger Seidenweber zum berühmten Afrika-Missionar, von Walter Moritz und Dr. Julius Baumann

Dr. Heinrich Vedder: Vom Ravensberger Seidenweber zum berühmten Afrika-Missionar, von Walter Moritz und Dr. Julius Baumann.

Dr. Heinrich Vedder: Vom Ravensberger Seidenweber zum berühmten Afrika-Missionar, von Walter Moritz und Dr. Julius Baumann.

Die beiden Missions-Kenner Walter Moritz und Dr. Julius Baumann beschreiben die Lebensgeschichte des Südwestafrika-Missionars Dr. Heinrich Vedder, der sich vom Ravensberger Seidenweber zum berühmten Afrika-Missionar entwickelte.

Walter Moritz  

Am 28. November bestieg Heinrich Vedder mit den Missionaren Schaible und Eich den Dampfer Helene Wörmann und traf am 27. Dezember 1903 in Swakopmund ein. Swakopmund zählte damals etwa 300 weiße und 800 nicht-weiße Einwohner. Da die Walfischbucht englisch war, hatte die deutsche Schutztruppe hier eine kleine Hafenstadt buchstäblich in den Sand gebaut. Bevor um die Jahrhundertwende die Eisenbahn gebaut wurde, brachte der Ochsenwagen mit neun Paar Ochsen die Fracht ins Inland. Doch galt es zunächst, sich um die Erlernung der Sprachen zu bemühen. In Scheppmannsdorf am Kuiseb, der Filiale von Walfischbucht, wo heute die hohen Palmen von der einstigen Station zeugen, erlernte Heinrich Vedder die Grundbegriffe der Namasprache. Wegen der unruhigen Kriegsjahre brach er hier den Unterricht ab und ging zu Missionar Olpp nach Otjimbingue, um sich hier weiter mit der Namasprache zu beschäftigen. In Karibib lernte er fünf Monate bei Missionar Dannert die Hererosprache und ließ sich kurz von dem finnischen Missionar Rautanen in die Ndongasprache einführen. Kurz vor dem Abschluß dieser Studien schrieb er nach Deutschland:

„Ich möchte nicht unterlassen zu sagen, daß ich mich auf die Zeit freue, wo ich wirkliche Missionsarbeit tun kann. Daß die Aussicht auf die Arbeit in Swakopmund meinem Ideal entspricht, kann ich freilich nicht sagen, und mit Bangen denke ich an all' die Schwierigkeiten, die mir dort wahrscheinlich begegnen werden. Aber es soll und muß dort gearbeitet werden, das ist auch die Überzeugung aller Missionare. Swakopmund ist ein Ort, wo viele zusammenströmen, um sich dann wieder nach allen Richtungen hin zu zerstreuen. So darf ich hoffen, daß manches gute Wort auch an solche Orte weiter getragen wird, wohin das Licht des Evangeliums vielleicht in langer Zeit noch nicht scheint. Und wenn die Sünde dort unter Gelben, Schwarzen und Weißen mächtig ist, so ist es doch das Werk der Mission, den zu verkündigen, dessen Gnade noch viel mächtiger ist."

Im Januar 1905 übernahm Heinrich Vedder seinen Missionsauftrag in Swakopmund. Ein Wohnhaus fand er nicht vor, so richtete er sich in einem Provisorium ein. Er bemerkte dazu aber bald: „Lange geht es wohl nicht, in einer Stube zu wohnen, die Küche, Wohn-Schlaf-Studierstube und Empfangszimmer für Fremde ist, in der zwei Tische, eine Kommode, vier große und vier kleine Kisten stehen, dazu einige Koffer und Mehlsäcke."
Das Zimmer, das nur aus vier Bretterwänden bestand, hatte kein Dach, und des Nachts, wenn ihn der Lärm der tanzenden und trinkenden Soldaten nicht einschlafen ließ, konnte er die Sterne am Himmel beobachten.Bald aber wurde in Fertigbauweise mit der Errichtung einer Holzkirche begonnen und dazu ein kleines Wohnhaus erstellt. Vedders Braut kam aus Deutschland, als das Haus erst halbfertig war. Als sie nun durch die Räume ging, war sie äußerst entsetzt über den breiten schwarzen Rand am Saum ihres weißen Kleides. Ein Saum aus lauter Flöhen hatte sich dort angesammelt. Am nächsten Tag fuhren sie zur kirchlichen Trauung nach Karibib, die am 1. Oktober 1905 auf Hälbichs Farm gefeiert wurde. Doch da Vedder anschließend zur Konferenz nach Okahandja reiste, mußte seine Braut, anstelle einer gemeinsamen Hochzeitsreise, eine Woche lang auf die Rückkehr ihres Mannes warten. Vedders erste Aufgabe in Swakopmund war die Sammlung der Gemeinden. Seine Arbeit galt den Bergdama und Herero, den Deutschen und den Angehörigen der Schutztruppe, dem Gefangenenlazarett und dem Zivilhospital. Die Gottesdienste für die Nichtweißen fanden zunächst im Freien statt. Heinrich Vedder predigte sehr bald frei in der Nama- und Hererosprache; denn die Kenntnis der Sprache ist für den Missionar die Brücke zum anderen Menschen. Am meisten bewegte ihn das Schicksal des Hererovolkes. In Swakopmund befanden sich etwa 1500 Gefangene aus dem Hereroaufstand. Doch das „geschenkte Leben" bedeutete für sie spartanische Härte. Das rauhe Küstenklima ertrugen die an Wärme gewöhnten Herero äußerst schwer, und die Sterblichkeitsziffer war erschreckend. Heinrich Vedder drängte beim Ortskommandanten auf humane Behandlung und trug ihm die Bitte um Bekleidung der Gefangenen vor. Als alle Bemühungen scheiterten, ging Vedder die heimatlichen Missionsgemeinden um Hilfe an. Bald trafen zahlreiche Kisten voller Kleidungsstücke ein; sie wurden verteilt und vielen Gefangenen wurde das Leben erhalten. Gouverneur Friedrich von Lindequist besuchte im November 1905 Swakopmund und wünschte auch eine Unterredung mit Missionar Heinrich Vedder. (...)

Dies ist ein Auszug aus dem Buch: Vom Ravensberger Seidenweber zum berühmten Afrika-Missionar, von Walter Moritz und Dr. Julius Baumann.

Buchtitel: Dr. Heinrich Vedder
Untertitel: Vom Ravensberger Seidenweber zum berühmten Afrika-Missionar
Autoren: Walter Moritz; Dr. Julius Baumann
Reihe: Aus alten Tagen in Südwest, Band 8
Selbstverlag
3. Auflage, Werther 1994
ISBN 3920707206
Broschur, 15x21 cm, 32 Seíten, 18 sw-Fotos, 1 Karte

Moritz, Walter und Baumann, Julius im Namibiana-Buchangebot

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