Siegfried Groth

Der deutsche Pastor Siegfried Groth (1926-2011) war Afrika-Referent der Rheinischen Mission und deckte 1989 die Verbrechen der SWAPO an Dissidenten auf.

Der deutsche Pastor Siegfried Groth (1926-2011) war Afrika-Referent der Rheinischen Mission und deckte 1989 die Verbrechen der SWAPO an Dissidenten auf.

Der deutsche Pastor Siegfried Groth (1926-2011) war Afrika-Referent der Rheinischen Mission und deckte 1989 die Verbrechen der SWAPO an Dissidenten auf.

Siegfried Groth wurde am 26. 05.1926 in Gotendorf, Pommern geboren. Er wuchs in einer frommen evangelischen Familie auf und entschied sich als junger Erwachsener, für eine kirchliche Ausbildung. Er wurde 1955 ordiniert und als Pfarrer in Schalksmühle eingesetzt. 1961 trat er als Afrika-Referent in den Dienst der Rheinischen Missionsgesellschaft in Wuppertal. Siegfried Groth wurde 1963 nach Südwestafrika entsandt und war dort eineinhalb Jahre in einem Missionsumfeld tätig, daß in einer damals 120-jährigen Tradition stand und für ihn und andere junge Missionare seiner Generation, überkommen und nicht mehr zeitgemäß erschien. Groth war Verbindungsmann der Rheinischen Missionsgesellschaft und betreute auf seinen Dienstreisen die deutschen Missionare der seit 1957 selbständigen lutherischen Kirchen in Südwestafrika. Die politische und soziale Situation in Südwestafrika machten ihn jedoch bald zu einem Kritiker der südafrikanischen Administration und führte, als er sich im Jahr 1971 mit der im selben Jahr in Vereinigten Evangelischen Mission VEM umbenannten Rheinischen Missionsgesellschaft auf die Seite der schwarzen Kirchen mit ihrem offenen Beschwerdebrief an Staatsminister Vorster stellte, zu einem bis 1987 währenden Einreiseverbot. Die VEM ernannte Siegfried Groth daraufhin zu ihrem Missionsbeauftragten für Menschenrechte im südlichen Afrika und setzte ihn, unter erheblichen Reiseaufwand und in einem schwierigen Arbeitsumfeld, in Botswana, Sambia und Angola ein sowie zur seelsorgerischen Betreuung von Exilanten ein. Für den in London ansässigen Christian Communications Trust berichtete er über die politische und soziale Lage sowie über die Ereignisse und Folgen, die der bewaffnete Machtkampf zwischen der SWAPO und den militärischen und polizeilichen Organen der Südafrikaner hervorrief. In dieser Zeit lernte er die politischen Gruppierungen SWAPO, SWANU, NNF und UDF gründlich kennen, erkannte bald den zunehmenden politischen Mißbrauch der Netzwerke zwischen den Kirchen, Hilfsorganisationen und einflußreichen Persönlichkeiten, der von allen am Machtkampf beteiligten Seiten betrieben wurde. Zahlreiche namibische Flüchtlinge und Exilanten, die Siegfried Groth in Sambia und Angola betreute, berichteten ihm ab 1985 von Folterlagern, Greueltaten und Morde der SWAPO an tausenden politischen Gegnern und Abweichlern. Zunächst schwieg er darüber um die öffentliche Akzeptanz für die SWAPO nicht zu gefährden und Belege für die Vorwürfe zu sammeln. Erst 1989 veranlaßten die sich verdichtenden Eindrücke ihn dazu, diese Sachverhalte öffentlich anzusprechen und sich, nach seinen Worten, von den Zwängen einer Solidarität zu befreien, die ihn gefangen halte und zu einem Mitwisser von SWAPO-Verbrechen gemacht hätten. Seine Offenheit brachte ihm in Folge Kritik und Schmähungen ein, besonders von Seiten der SWAPO-unterstützenden, internationalen politischen und kirchlichen Lager. Auch seine Arbeitgeberin, die Vereinigte Evangelischen Mission VEM, tat sich schwer mit dem Umgang mit den Menschenrechtsverletzungen der SWAPO, versuchte diese zu auszusitzen und schickte Siegfried Groth 1990 in Pension. Die systematischen Menschenrechtsverletzungen der SWAPO beschrieb er 1995 in seinem vielbeachteten Buch Namibische Passion, das 1996 auch unter dem Titel Namibia: The Wall of Silence und 2001 in Afrikaans und in Oshiwambo erschien. Als Reaktion auf die darin enthaltenen, gut dokumentierten Vorwürfe, starteten die derweil neuen Machthaber in Namibia eine Diffamierungskampagne gegen Siegfried Groth und versuchten ihn, ähnlich wie zuvor ihre südafrikanischen Vorgänger, zu einer unerwünschten Person zu erklären. Er lebte, von vielen Menschen hochgeachtet, bis zu seinem Tode am 18.08.2011, mit seiner Frau Hildegard Groth in Wuppertal. 2008 nahm erstmals Dr. Justine Hunter in ihrem Buch Die Politik der Erinnerung und des Vergessens in Namibia das Thema der Morde, Folterungen und Menschenrechtsverletzungen und das solidarische Schweigen im Namen des Freiheitskampfes wieder auf.


Groth, Siegfried im Namibiana-Buchangebot

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