Joseph Bendix: Regierungsbaumeister, Ingenieur und Offizier in Deutsch-Südwestafrika, von Hartmut Bartmuß

Joseph Bendix: Regierungsbaumeister, Ingenieur und Offizier in Deutsch-Südwestafrika, von Hartmut Bartmuß. Jüdische Miniaturen, Band 168. Verlag: Hentrich & Hentrich. Berlin, 2015. ISBN 9783955650940 / ISBN 978-3-95565-094-0

Joseph Bendix: Regierungsbaumeister, Ingenieur und Offizier in Deutsch-Südwestafrika, von Hartmut Bartmuß. Jüdische Miniaturen, Band 168. Verlag: Hentrich & Hentrich. Berlin, 2015. ISBN 9783955650940 / ISBN 978-3-95565-094-0

Hartmut Bartmuß verdanken wir diese Biographie des Leutnants der Kaiserlichen Schutztruppe, Joseph Bendix (1874–1904), der als deutscher Regierungsbaumeister und Ingenieur jüdischen Glaubens, dem Ruf der Otavi-Minen-und-Eisenbahngesellschaft nach Deutsch-Südwestafrika gefolgt war, bei Ausbruch des Herero-Aufstands eingezogen wurde und bei dem Gefecht von Owikokorero am 13.03.1904 mit 25 weiteren Schutztrupplern fiel.

Hartmut Bartmuß  

Kindheit, Jugend und Ausbildung (Die Juden in Dülmen)

Joseph Bendix, dessen Vorname auch in der Schreibweise mit »f« überliefert ist, entstammt einer traditionsreichen jüdischen Familie, die bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Dülmen ansässig war, »nachdem der Kaufmann und Metzger Levi Falke aus Telgte zugezogen war (Antrag auf Zuzug von 1804; verheiratet mit Eva Leeser)«. Dieser Hinweis ist deshalb wichtig, weil - wie später zu sehen sein wird - an den Nachnamen des Vaters von Joseph Bendix das »gent. Falk« angefügt worden ist. Joseph Bendix war zudem ein Vetter 2. Grades von Paul Bendix. Der später zum Christentum konvertierte Unternehmer Paul Bendix (1878-1932) gehörte zu den prägenden Persönlichkeiten der kleinen Stadt Dülmen bei Münster. In dieser Stadt wurde Joseph Bendix am 1. September 1874 geboren. Bemerkenswert ist, dass die jüdischen Gemeinden Dülmen und Haltern vom »liberalen Bezirksrabbinat Münster« geistlich versorgt worden sind. Seine Eltern waren der Kaufmann Pins Bendix1 (1835-1915) aus Dülmen und Friederike Bendix, geb. Koppel (1847-1894), aus Letmathe Kreis Iserlohn, die ebenfalls einer jüdischen Kaufmannsfamilie entstammte - leider blieben weitere Recherchen über die Mutter bislang ohne Erfolg. Die Ehe der Eltern ist am 27. November 1873 in Dülmen geschlossen worden. Acht Kinder sind den Eheleuten geschenkt worden, wobei zwei, nämlich Isaac und Otto bereits im Jahr ihrer Geburt gestorben sind. Die Familie wohnte zunächst in der Münsterstraße 63, später Markt 7. In Dülmen gab es bereits im 17. Jahrhundert einen privaten Betraum, jüdische Kinder wurden seit 1801 von einem jüdischen Lehrer unterrichtet. Seit 1804 wurde der Unterricht in dem angekauften Haus in der »Kötteröde« erteilt, das zur Synagoge und Schule »eingerichtet« worden ist. Diese war zunächst eine Privatschule und unterlag der Dienstaufsicht des Landesrabbiners in Münster. Joseph Bendix wird diese 1864 neu eingeweihte Schule in der gleichzeitig eingeweihten Synagoge an der Münsterstraße bis zum Eintritt in die Rektoratsschule mit Sicherheit besucht haben, denn »Vorsteher der Gemeinde sind seit langen Jahren der Fabrikbesitzer J. Leeser I und der Kaufmann P. Bendix, genannt Falk«. So schreiben dazu auch »Der Vorstand und die Repräsentanten der Synagogengemeinde« im Nachruf für den am 14. Juni 1915 verstorbenen Vater: »... der Kaufmann Herr P. Bendix gent. Falk derselbe war annähernd 30 Jahre Mitglied des hiesigen Synagogen- und jüdischen Schulvorstandes und hat es in diesem Zeitraum verstanden, mit rührigem Eifer, klug im Rat und mit selbstloser Hingabe an das ihm anvertraute Amt das Wohl von Gemeinde und Schule zu fördern. Wir betrauern herzlich den Heimgang dieses edlen Mannes und werden sein Andenken dauernd in Ehren halten.« Mit dem genannten Jacob Leeser I wurde 1905 erstmals ein Jude Mitglied der Stadtverordnetenversammlung zu Dülmen. Aus der jüdischen Privatschule wurde auf Antrag des Vorstandes per Ministerialerlass vom 10. Mai 1862 eine öffentliche. In den entsprechenden Akten der Stadt Dülmen finden sich interessante Unterlagen über die Stellung etwa der jüdischen Kinder in der »katholischen Elementarschule«, die diese lt. Notiz vom 20. Juli 1877 bis auf Ausnahmen zu verlassen hatten. Begründet wurde dies mit der Größe der dortigen Klassen. Dabei sprach man laut Protokoll von der »Ausweisung der jüdischen Kinder«. Sie hatten die jüdische Schule zu besuchen. Dem Vorstand der jüdischen Schule gehörte Pins Bendix seit vielen Jahren an. Mehr und mehr ging jedoch später die Zahl der Schüler zurück, sodass diese dann 1915/16 aufgelöst worden ist. Joseph Bendix wechselte nach dem Besuch der jüdischen Schule auf die 1868 neu erbaute Dülmener Rektoratsschule Auf dem Bült. Erst 1911 wurde der Ausbau der Rektoratsschule zu einem Gymnasium genehmigt. Er war ein ausgezeichneter Schüler dieser Einrichtung, die er von 1885 an besucht hat. [...]

Dies ist ein Auszug aus der Biographie: Joseph Bendix: Regierungsbaumeister, Ingenieur und Offizier in Deutsch-Südwestafrika, von Hartmut Bartmuß.

Titel: Joseph Bendix
Untertitel: Regierungsbaumeister, Ingenieur und Offizier in Deutsch-Südwestafrika
Autor: Hartmut Bartmuß
Genre: Biographie
Reihe: Jüdische Miniaturen, Band 168
Verlag: Hentrich & Hentrich
Berlin, 2015
ISBN 9783955650940 / ISBN 978-3-95565-094-0
Broschur, 12 x 16 cm, 95 Seiten, 15 sw-Abbildungen

Bartmuß, Hartmut im Namibiana-Buchangebot

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Der deutsche Jude Joseph Bendix war Regierungsbaumeister, Ingenieur und Schutztruppen-Offizier in Deutsch-Südwestafrika und fiel 1904 bei Owikokorero.

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