Emily Hobhouse und der Burenkrieg. Die Konzentrationslager in Südafrika von 1899-1902, von Birgit Susanne Seibold

Emily Hobhouse und der Burenkrieg. Die Konzentrationslager in Südafrika von 1899-1902, von Birgit Susanne Seibold. ISBN 9783838204222 / ISBN 978-3-8382-0422-2

Emily Hobhouse und der Burenkrieg. Die Konzentrationslager in Südafrika von 1899-1902, von Birgit Susanne Seibold. ISBN 9783838204222 / ISBN 978-3-8382-0422-2

Dr. Birgit Seibold stellt in dieser hochinteressanten und bewegenden Studie über Emily Hobhouse die Ergebnisse des sogenannten Hobhouse-Report denen des offiziellen Untersuchungsbericht gegenüber, die zu unterschiedlichen Bewertungen der Mißstände und Tragödien in den englischen Konzentrationslagern in Südafrika während des Burenkrieges von 1899-1902 kommen.

Emily Hobhouse  

Der Hobhouse Report: Konzentrationslager Bloemfontein

Am 26. Januar 1901 berichtete Emily Hobhouse vom Lager Bloemfontein. Das Lager war zwei Meilen von der Stadt Bloemfontein entfernt auf einer Ebene gelegen. Es befanden sich dort ungefähr 2.000 Menschen, darunter 900 Kinder. Das Lager bestand aus Zelten und drei Wellblechhospitälern sowie fünf Reihen von Wellblechkammern, in denen ungefähr 100 Familien untergebracht waren. In den Zelten herrschte tagsüber eine fürchterliche Hitze und Fliegenplage. In jedem Zelt wohnten im Durchschnitt 6 Personen, in manchen Fällen sogar 9 bis 10 Personen, was bedeutete, dass es hoffnungslos überfüllt war. In den Regennächten strömte das Wasser in die Zelte. Matratzen gab es nur wenige, so dass die meisten Menschen auf dem Boden schlafen mussten. Emily forderte Stroh und Heu vom Militär, so dass sich die Lagerbewohner zumindest ihre Matratzen selbst herstellen könnten. Die Wellblechhospitäler hatten jeweils 16 Betten sowie 3 Zelte und waren immer voll. Die täglichen Rationen bestanden aus einem halben Pfund Fleisch mit Knochen und Fett, zwei Unzen Kaffee, einem dreiviertel Pfund grobem Mehl, einer zwölftel Dose kondensierter Milch, zwei Unzen Zucker, sowie einer halben Unze Salz. Früher gab es manchmal Kartoffeln, pro Person eine. Seife gab es nicht. Im Camp gab es 50 Kühe, die aber aus Ermangelung an Futter nur 4 Eimer Milch gaben. Diese Milch wurde dringend für die vielen Kinder im Lager benötigt. Das Flusswasser wurde bis zu Emilys Eintreffen nicht abgekocht, so dass viele Menschen an Typhus erkrankt waren. Emily kommentierte: "Wir haben viel Typhus. Wir befürchten einen Ausbruch, so dass ich meine Energien daran richte, das Wasser des Modder Flusses abkochen zu lassen. Trinkt man dieses Wasser, könnte man ebenso gut die Typhusbazillen ganz schlucken, sagen die Ärzte. Nicht alle konnten kochen, geschweige denn das Wasser abkochen, denn es reichte nicht für alle für Feuerholz. Auch gab es keine Gefäße, in denen das abgekochte Wasser aufbewahrt werden konnte. Emily schlug daher vor, dass pro Zelt noch wenigstens ein Eimer oder eine Kanne ausgeteilt würde, und dass eine Verordnung erlassen würde, alles Trinkwasser abzukochen. Auch schlug sie vor, dass ein Eisenbahn-Dampfkessel beschafft würde, um das Wasser für alle abzukochen. Auf Emilys Veranlassung hin wurden Kochöfen und Wasserbehälter gebaut. Durch die vielen Typhusfälle wurde eine Epidemie befürchtet. Am 27. Februar schrieb Emily über Bloemfontein, dass sie bereits 70 Typhusfälle gehabt haben, sowie eine Masernepidemie, Lungen- und Mandelentzündungen und andere Erkrankungen. Deshalb wurde das Hospital stückweise erweitert. Es gab nur eine Krankenschwester im Camp, die im Lager seit dessen Bestehen gearbeitet hatte. Sie musste noch neben ihrer üblichen Tätigkeit zwei Burenmädchen anlernen, die ihr künftig helfen könnten. Emily berichtete: "die Krankenschwester, die unterernährt und überarbeitet ist, die nur auf ihr Bett sinkt, die kaum in der Lage ist, sich aufrecht zu halten, nachdem sie mit etwa dreißig Typhus- und anderen Patienten zurechtkommen musste, nur mit der Hilfe von zwei ungelernten, burischen Mädchen, wobei sie neben der Pflege auch noch kochen musste. Nicht nur die Krankenschwester war unterernährt, besonders schlimm traf es die Kinder im Camp. Emily schrieb in ihrem Bericht, dass die Kinder am härtesten von der Grausamkeit des Lagersystems betroffen waren: "Ich nenne dieses Lagersystem eine massive Grausamkeit. Es kann nie aus den Erinnerungen der Leute ausgelöscht werden. Es lastet am schwersten auf den Kindern. Sie erschlaffen durch die schreckliche Hitze und der ungenügenden, ungeeigneten Nahrung. [...]

Konzentrationslager Springfontein:

Am 4. März erreichte Emily das Lager Springfontein. Springfontein sei ein merkwürdiger kleiner Ort, der höchstgelegene des Freistaats, bemerkte Emily. Das Camp befand sich auf einer kahlen Ebene mit spärlichem Pflanzenbewuchs. Es war ein kleines und neues Lager. Die Bewohner waren aber sehr arm, und es mangelte an allem. Matratzen und Betten gab es hier nicht, und so schlug Emily vor, dass man Holz besorgte und man so kleine Betten herstellen und darauf Sackleinen nageln könnte. Das Problem war das Holz, das es hier nicht gab, weder für die Betten, noch für die Feuerung. Zwar wurden einige Kohlen ausgeteilt, aber meistens waren es so wenige, dass die Menschen an manchen Tagen nicht kochen konnten. Dabei bestanden die ausgeteilten Rationen aus rohem Fleisch, Mehl und Kaffee, die allesamt gekocht hätten werden müssen. Große Not herrschte auch bei der Kleidung. Emily berichtete: "Den ganzen Tag bin ich auf einer Farmhausveranda gesessen und ließ jede Familie nacheinander von den Zelten zu mir bringen, um jeden mit Kleidung, soweit es möglich war, auszustatten, gerade so um ihre Blöße zu bedecken. Manche Frauen hatten sich aus Wolldecken Röcke genäht; die Kinder hatten bis auf ein Röckchen nichts an, Schuhe und Strümpfe gab es keine. Emily verteilte Näh- und Stecknadeln, für jeden zwei oder drei. Sie teilte auch zugemessenes Garn aus und Stoffstücke zum Ausflicken. Kämme, die sie aus Kapstadt mitgebracht hatte, wurden, wie sie berichtete, mit Jubel begrüßt. Seife, schrieb sie, war ein Luxusartikel und Wasser spärlich. [...]

Dies ist ein Auszug aus dem Buch: Emily Hobhouse und der Burenkrieg. Die Konzentrationslager in Südafrika von 1899-1902, von Birgit Susanne Seibold.

Titel: Emily Hobhouse und der Burenkrieg
Untertitel: Die Konzentrationslager in Südafrika von 1899-1902
Autorin: Birgit Susanne Seibold
Verlag: Ibidem-Verlag
Stuttgart, 2012
ISBN 9783838204222 / ISBN 978-3-8382-0422-2
Broschur, 15x21 cm, 256 Seiten, zahlreiche sw-Fotos

Seibold, Birgit Susanne im Namibiana-Buchangebot

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