Helmut Lewin

Helmut Lewin (1899-1963) war ein deutscher Landschafts- und Porträtmaler in Südwestafrika. Hier 1936 in Omaruru. Foto: Ottilie Reiter

Helmut Lewin (1899-1963) war ein deutscher Landschafts- und Porträtmaler in Südwestafrika. Hier 1936 in Omaruru. Foto: Ottilie Reiter

Der Maler Helmut Lewin im Veld bei Grootfontein in den 1950er Jahren.

Der Maler Helmut Lewin im Veld bei Grootfontein in den 1950er Jahren.

Helmut Lewin in Windhoek, 1957.

Helmut Lewin in Windhoek, 1957.

Helmut Lewin (1899-1963) war ein deutscher Landschafts- und Porträtmaler in Südwestafrika.

Helmut Lewin wurde am 10.10.1899 in Schneidemühl (Westpreußen) als Ältester von neun Geschwistern geboren. Der frühe Tod des Vaters bewog Helmut Lewin zeitig die Schule zu verlassen, den Beruf des Maurers zu erlernen und zum Lebensunterhalt seiner Familie beizutragen. Im Alter von achtzehn Jahren fand er eine Anstellung als Technischer Zeichner in einer Flugzeugwerft und arbeitete dort bis 1918. Sein ungewöhnliches zeichnerisches und gestalterisches Talent wurde dort schnell erkannt und gefördert. Die Inhaberin des Betriebes gewährte ihm ein Stipendium und ließ ihn bei Professor Walter Gropius in Weimar Architektur studieren. Mit ihrer Zustimmung wechselte Helmut Lewin in das Kunstfach zu den Weimarer Professoren Thedy und Schwormstedt. Seine Frau Eva lernte er an der Akademie kennen, heiratete sie im November 1923 und zog mit ihr in ihrer Heimatstadt Schwerin. Dort war er Lehrer an einer Gewerbeoberschule und stellte im August 1924 erstmals seine Gemälde aus. Im Oktober 1924 wurde seine Tochter Eva-Maria Lewin geboren. Unter dem Eindruck der Weltwirtschaftskrise trug er sich mit dem Gedanken Deutschland zu verlassen und wie seine Schwägerin nach Südwestafrika auszuwandern. 1926 entschloß er sich dazu und reiste, zunächst ohne seine Familie, in die ehemalige deutsche Kolonie, fristete dort ein bescheidenes Dasein als Gelegenheitsarbeiter auf den Diamantfeldern und bei Baufirmen. Im November 1927 holte er seine Frau und die Tochter nach und fand mit diesen Aufnahme auf der Farm seiner Schwägerin bei Otjiwarongo. Dort arbeitete er als Maurer und Kunstmaler bei der Baufirma Krefft und widmete sich in seiner Freizeit weiterhin der Malerei. Im August 1933 stellte er in Otjiwarongo erstmalig seine Kunst einem breiteren Publikum vor und fand danach rasch Anerkennung als Künstler, insbesondere als Tier- und Portätmaler. Auch viele seiner rein kunsthandwerklichen Arbeiten an privaten und öffentlichen Gebäuden waren in Südwestafrika bekannt und beliebt. 1934 zog Helmut Lewin nach Omaruru, fand dort jedoch kein ausreichendes wirtschaftliches Auskommen und übernahm bald darauf, untstützt durch Frau und Tochter, ein Hotel in Otavi auf Pacht. Das Unternehmen florierte, mußte jedoch 1939 abgegeben werden, als die chronisch kranke Eva Lewin, nach einem einjährigen Erholungsurlaub in Deutschland, wiederum zur medizinischen Behandlung in die Heimat zurückkehren mußte. Die Tochter Eva-Maria begleitete sie. Helmut Lewin wollte bald nachkommen, wurde jedoch durch den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges daran gehindert. Versuche, Südwestafrika auf dem Landweg über Angola und nach dem Vorbild von Wilhelm Mattenklodt, Georg Voswinckel und Karl Alfred Feuerstein zu verlassen, gelangen ihm nicht. Untergetaucht und polizeilich gesucht, stellte er sich 1940, als sich ein schmerzhaftes Krebsgeschwulst in der Schulter bildete, den südafrikanischen Verwaltungsbehörden. Er wurde wie die meisten deutschen Männer Südwestafrikas interniert und verbrachte die nächsten Jahre im Internierungslager Andalusia. 1944 wurde er, auf seinen Wunsch hin und in Erwartung seines baldigen Todes, im Rahmen eines Gefangenenaustausches nach Deutschland repatriiert, stieß in Pommern zu seiner Frau und der in Deutschland geborenen jüngeren Tochter Brigitte, um von dort vor der anrücken Roten Armee nach Schwerin zu fliehen. Nach einigen Wochen der Sorge über den Verbleib der dienstverpflichteten Tochter Eva-Maria fand die Familie schließlich zusammen und siedelte sich im Raum Pinneberg an. Helmut Lewin sorgte mit allmählich zunehmenden Erfolg und voller Optimismus für den Lebensunterhalt, indem er Portätaufträge für Besatzungssoldaten ausführte und von 1946 bis 1949 an der Universität zu Hamburg Vorlesungen hielt. Seine Tochter Eva-Maria arbeitete gegen Naturalentgelte in einer Baumschule und die jüngste Tochter pflegte die schwerkranke Mutter. 1949 wanderte die Familie, bis auf Eva-Maria Lewin, die in München heiratete, nach Südwestafrika zurück. Dort heiratete Brigitte Lewin Peter Kayssler, Farmer auf Bitterwasser. Eva und Helmut Lewin lebten in Folge in Omaruru, Karibib, Windhoek und Swakopmund, malten und stellten gemeinsam erfolgreich aus. Für nur kurze Zeit war Helmut Lewin in Windhoek als Stadtbaumeister tätig, entwarf das Wappen der Stadt Windhoek und plante die Umgestaltung des alten Zoo-Park in den damaligen Verwoerd-Park. Verwitwet und zermürbt von seinem anhaltenden Krebsleiden mußte er in den Ruhestand treten und auch das Malen aufgeben. Helmut Lewin verstarb am 06.03.1963 und ist auf Farm Bitterwasser bestattet. Zahlreiche seiner Werke befinden sich in Besitz von Sammlern, der National Art Gallery of Namibia (NAGN), der Kunstvereinigung Swakopmund und in einigen noch erhaltenen historischen Gebäuden seiner Wahlheimat, wie die humorvollen Wandmalereien im Kölling-Saal in Omaruru.


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