H.P.A.H. Gerhard

Hermann P. A. H. Gerhardt (1905-1985) war ein in Südwestafrika lebender deutscher Farmer, Dichter und Satiriker mit dem Pseudonym 'Der Dampfschuster'.

Hermann P. A. H. Gerhardt (1905-1985) war ein in Südwestafrika lebender deutscher Farmer, Dichter und Satiriker mit dem Pseudonym 'Der Dampfschuster'.

H.P.A.H. Gerhard im Jahr 1911 in der dritten Vorschulklasse des Reform-Realgymnasium an der an der Kaiserin-Augusta-Straße in Tempelhof. (Ausschnitt aus Gruppenfoto).

H.P.A.H. Gerhard im Jahr 1911 in der dritten Vorschulklasse des Reform-Realgymnasium an der an der Kaiserin-Augusta-Straße in Tempelhof. (Ausschnitt aus Gruppenfoto).

Grabstelle von Hermann Gerhardt 'Der Dampfschuster' (1905-1985) in Swakopmund.

Grabstelle von Hermann Gerhardt 'Der Dampfschuster' (1905-1985) in Swakopmund.

Hermann P.A.H. Gerhardt (1905-1985) war ein in Südwestafrika lebender deutscher Farmer, Dichter und Satiriker, der unter dem Pseudonym 'Der Dampfschuster' bekannt war.

H.P.A.H. Gerhardt wurde am 16.02.1905 in der Dorfstraße Nr. 3 des Berliner Stadtteils Alt-Tempelhof geboren und besuchte dort das Askanische Reform-Realgymnasium an der Kaiserin-Augusta-Straße, wo er 1925 das Abitur ablegte. Sein Vater (????-1957) war Inhaber der Firma 'Carl Lerm & Gebrüder Ludewig' in der Ringbahnstraße Nr. 16-20 in Tempelhof, die nach dessem Ableben von einem Schwiegersohn weitergeführt wurde und an der H.P.A.H. Gerhardt Beteiligungen hielt. 1932, inmitten der Weltwirtschaftskrise, entschloß sich der arbeitslose Hermann Gerhardt nach Südwestafrika auszuwandern. Er schlug sich dort viele Jahre als Schuster und Farmverwalter durch (um 1955 auf Farm Otjiwarayo), kam 1955 zu Besuch nach Berlin und war um 1960 Eigentümer der Farm Claussen-Bosvlakte bei Otjiwarongo, auf der er Rinderzucht und Milchwirtschaft betrieb. Zu einem uns unbekannten Zeitpunkt, jedoch sehr wahrscheinlich vor der Geburt seines Sohnes im Jahr 1936, heiratete er seine Ehefrau (Marianne?), eine gebürtige Südwesterin. Von 1939 bis 1947 wurde er mit der großen Mehrheit der deutschen Männer durch die südafrikanische Administration im Gefangenenlager Andalusia interniert. Hermann P.A.H. Gerhardt war von bemerkenswerter Persönlichkeit und schrieb seit den 1970er Jahren häufig Leserbriefe und Artikel an die Allgemeine Zeitung in Windhoek, in denen er, in Versen oder in Glossen, seine Gedanken zum Zeitgeschehen, zu gesellschaftlichen Themen oder über sich und Mitmenschen ausdrückte, stets humorvoll, satirisch und mit einem Schuß "Berliner Schnauze". Sein Pseudonym 'Der Dampfschuster' war landesweit bekannt. Geschichtlich interessiert, gilt er als Entdecker des Grabes des im März 1905 an Malaria verstorbenen Herero Theobat Kambowika, der als sogenannter 'Eingeborenensoldat' mit der Gebirgsbatterie der Abteilung Heyde auf Seiten der Kaiserlichen Schutztruppe im Herero-Aufstand mitgekämpft hatte. Bis 1982 war Gerhardt aktiv an der Ausrichtung und Durchführung der jährlichen Gedenkfeiern am Friedhof Waterberg beteiligt und Korrespondent der Askanischen Blätter, einer periodisch erscheinenden Zeitschrift ehemaliger Lehrer und Schüler der Askanischen Oberschule in Berlin-Tempelhof, an die er über viele Jahre regelmäßige Berichte von seinem Farm- und Familienleben sowie der Landespolitik schickte. 1972 übertrug er die Farm an seinen Sohn, der bereits verheiratet war und Kinder hatte, und zog mit seiner Frau nach Henties Bay, wo er ein kleines Häuschen erworben hatte und sich wohl fühlte. Seine in früheren Jahren geäußerte Vorstellung, zwischen einem Alterssitz in Kapstadt und der Farm Claussen zu pendeln, setzte er, möglicherweise wegen der angegriffenen Gesundheit seiner Frau, nicht um. Daß er, womöglich verwitwet, seine letzten drei, vier Lebensjahre in Swakopmund zubrachte, belegt ein Brief des damals in Margate (Südafrika) lebenden Askaniers, Dr. O.G.H. Fiedler, der ihn im Oktober 1984 besuchte. Auch sein im Selbstverlag erschienene Gedicht- und Glossensammlung, die 'Der Dampfschuster' etwa 1980/81 im Selbstverlag in Swakopmund herausgegeben hatte, legt diese Vermutung nahe. Nach Überlieferung Dr. O. G. H. Fiedlers an die Redaktion der Askanischen Blätter, ist H.P.A.H. Gerhardt am 10.12.1985 in Swakopmund verstorben und ist dort bestattet.

Autor: Ulrich Ender

Diese Kurzbiographie weist Lücken und vermutlich kleinere Fehler und Ungenauigkeiten auf, wird aber zugunsten der Möglichkeit, von Lesern weitere Informationen zur vita H.P.A.H. Gerhardts zu erhalten, in diesem Stand veröffentlicht. Wir suchen den Kontakt zu seinem Sohn bzw. Enkeln und sind für Hinweise auf diese und von Zeitzeugen sehr dankbar.


Gerhardt, H.P.A.H. im Namibiana-Buchangebot

Mach es wie die Sonnenuhr

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"Mach es wie die Sonnenuhr" ist eine humorvolle Sammlung von Versen und Glossen zum das Zeitgeschehen in Südwestafrika.