Wandernde Wagen. Roman aus Südafrika, von Stuart Cloete

Wandernde Wagen. Roman aus Südafrika, von Stuart Cloete. Wolfgang Krüger Verlag, 1952.

Wandernde Wagen. Roman aus Südafrika, von Stuart Cloete. Wolfgang Krüger Verlag, 1952.

Der Roman von Stuart Cloete Wandernde Wagen schildert einen der Trecks der Buren aus dem Kapland nach dem Norden, dem erhofften Gelobten Land, wo sie eine Siedlung gründen, am Ende aber vom erdrückenden Angriff der Eingeborenen zermürbt werden und in einem blutigen Massaker untergehen.

Stuart Cloete  

Hendrik van der Berg und Johannes van Reenen ritten langsam über das Veld. Das hohe Gras streifte ihre Steigbügel, bog sich unter den Bäuchen ihrer Pferde und richtete sich hinter ihnen wieder auf. Außer dem Rascheln des Grases und dem Knarren des Sattelzeuges hörte man keinen Laut. Die beiden sprachen nicht und blickten einander nicht an. Locker lagen die Zügel auf den Hälsen der Pferde. Die beiden Männer wendeten bedächtig die Köpfe hin und her, um jede Bewegung im Veld ringsum wahrzunehmen. Die Pferde tänzelten mit aufmerksam gespitzten Ohren, ihr glattes Fell zuckte vor innerer Erregung. Die Buren ritten im Schritt, um die Pferde zu schonen. Jeden Augenblick konnten sie auf eine Zebraherde stoßen, und das würde bedeuten, daß sie im Galopp hinterherjagen müßten, um die flüchtenden Tiere mit dem langen Jagdmesser niederzustechen. Pulver und Blei waren knapp, sie konnten es sich nicht leisten, auf Zebras zu schießen, brauchten aber Fett, um das Riemenzeug zu schmieren und um Seife zu machen. Links von ihnen fuhren in einiger Entfernung die Wagen, die wie Linienschiffe durch das Veld dahinschaukelten. Ihre Deichseln zeigten nach Norden: Dort war Luft zum Leben, dort gab es kein Gesetz, es sei denn das der Büchse des weißen Mannes und des Wurfspeeres der Kaffern. Im Norden lag das gelobte Land. Neben den großen rollenden Wagen ritten die Männer. Unter den Wagenplanen lagen auf ihren Betten aus Tierfellen die Frauen und sprachen mit denen da draußen, mit den Vätern ihrer Söhne, den Söhnen ihrer Männer, mit ihren Liebsten, Brüdern und Freunden. Hart und sonnenverbrannt waren die Männer und bärtig wie die Propheten. Sie ritten auf kleinen, drahtigen Hengsten, die mit den Köpfen schlugen und durch weit geöffnete rote Nüstern den heißen Staubwind einsogen. Von weither hörte man das Brüllen der Rinder, das Blöken der Schafe und Ziegen,, ein ständiges Gewirr von Lauten, das nur durch die kurzen Rufe der Ochsentreiber und den scharfen Knall ihrer Peitschen durchbrochen wurde. Wie eine Wolke von Geräuschen lag es über der Wolke von Staub. Leise zitternd hingen diese Laute einen Augenblick in der stillen Luft über dem südafrikanischen Veld, um dann langsam zu verhallen, ohne eine Erinnerung zurückzulassen in diesem Land, das Größeres gesehen hatte als diese Männer und Frauen und Viehherden, die wie eine lange Schlange mühsam durch das hohe Gras krochen. Die Spur, die sie zurückließen, nannten sie eine Straße. Wenn ein Fohlen, ein Kalb oder ein Kind zur Welt kam, priesen sie Gott ob der Vermehrung, und immer beteten sie um ein Stutfohlen und um ein Färsenkalb, denn ein einziger Hengst und ein Stier genügten für viele weibliche Tiere. Dies war einer der vielen, vielen Trecks, die nordwärts zogen in das unbekannte Land, einer der Trupps, die am Fuße unwegsamer Berge die Wagen auseinandernahmen, sie über Klippen und durch Schluchten schleppten und drüben wieder zusammensetzten. Wenn die Flüsse zu tief zum Durchwaten waren, schwammen die Männer mit ihren Tieren hinüber und holten die Karren auf Flößen hinterher. Sie gehörten zu denen, die seinerzeit den Freistaat mitbegründet hatten, waren dann von dort über den Gelben Fluß nach Transvaal gezogen und drangen weiter vor über die nördliche Grenze in die Veldniederungen bis an die Ufer des Krokodil- und Limpopoflusses. Sie waren die Vorhut eines kleinen, wackeren Volkes, das langsam in einem großen, fremden Erdteil Fuß faßte. Diese Buren lebten in der Überzeugung, das auserwählte Volk zu sein, und wurden nie wankend im Glauben an ihre unbegrenzte Ausdauer und Härte. [....]

Dies ist ein Auszug aus dem Buch: Wandernde Wagen. Roman aus Südafrika, von Stuart Cloete.

Titel: Wandernde Wagen
Autor: Stuart Cloete
Übersetzung: Margarethe von Bismarck
Originaltitel: Turning Wheels
Verlag: Wolfgang Krüger Verlag
Hamburg, 1952
Original-Leinenband, Original-Schutzumschlag, 14x21 cm, 390 Seiten

Cloete, Stuart im Namibiana-Buchangebot

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