Wenn es Krieg gibt, gehen wir in die Wüste (Erstauflage 1956), von Henno Martin

Wenn es Krieg gibt, gehen wir in die Wüste, von Henno Martin. Union Deutsche Verlagsgesellschaft. Erstauflage, Stuttgart 1956.

Wenn es Krieg gibt, gehen wir in die Wüste, von Henno Martin. Union Deutsche Verlagsgesellschaft. Erstauflage, Stuttgart 1956.

Ansicht des Leineneinbandes ohne Schutzumschlag: Wenn es Krieg gibt, gehen wir in die Wüste, von Henno Martin. Union Deutsche Verlagsgesellschaft. Erstauflage, 1956.

Ansicht des Leineneinbandes ohne Schutzumschlag: Wenn es Krieg gibt, gehen wir in die Wüste, von Henno Martin. Union Deutsche Verlagsgesellschaft. Erstauflage, 1956.

Wenn es Krieg gibt, gehen wir in die Wüste ist ein Südwestafrika-Klassiker: Zwei deutsche Geologen, Henno Martin und Hermann Korn, entziehen sich während des Zweiten Weltkrieges der Internierung durch die südafrikanische Mandatsverwaltung. Eine wahre Geschichte.

Henno Martin  

Die Flucht

Es war im ersten Jahr des Zweiten Weltkrieges. Die deutschen Armeen hatten Holland besetzt und brachen gerade die ersten Festungen der Maginot-Linie. Windhoek war aufgewühlt von der Propaganda der kriegführenden Mächte. Begeisterung, Furcht und bange Sorge beherrschten alle Gespräche. In dieser von Hysterie erfüllten Kriegsatmosphäre konnte auch ein Wissenschaftler kaum hoffen, sidi einen klaren Kopf zu bewahren. Aber wir, mein Freund Hermann Korn und ich, waren der Meinung, dies sei nicht unser Krieg. Wir hatten ihn lange vorher herankommen sehen und hatten aus diesem Grunde Europa verlassen. Wir wollten keinen Teil haben an dem Selbstmord zivilisierter Völker. Nun aber schien der Krieg selbst uns einzuholen. Immer mehr Deutsche verschwanden hinter dem Stacheldraht der Internierungslager. Jeden Tag konnte uns das gleiche Schicksal ereilen. Das war ein mehr als grausiger Gedanke für zwei Männer, die gewohnt waren, forschend die Einsamkeit von Wüsten und Steppen zu durchstreifen. Wir waren entschlossen, uns unsere persönliche Neutralität und unsere Selbständigkeit zu bewahren. Eines Abends besprachen wir, auf der Steintreppe vor unserer Wohnung sitzend, die Situation. Was konnten wir tun? Und dann war da plötzlich ein Gedanke, den einer von uns früher einmal im Scherz geäußert hatte: »Wenn es Krieg gibt, gehen wir in die Wüste!« Der Gedanke war da, er faszinierte uns. Erregt begannen wir die Möglichkeiten zu besprechen, das Für und Wider abzuwägen. Und als der Silberschein des Tierkreislichtes über den westlichen Bergen stand, wurde der Gedanke zum festen Entschluß: Wir würden zusammen in die Wüste gehen und dort irgendwo in völliger Einsamkeit das Ende des Krieges abwarten. Nur unseren Hund wollten wir mitnehmen, und ihn brauchten wir nicht um seine Meinung zu fragen; er war immer bereit, und wenn er sah, daß gepackt wurde, wedelte er vor Freude mit dem Schwanz. Er hieß Otto. Diesen Namen hatten wir ihm gegeben, als er noch ganz klein war und vorn und hinten beinahe gleich aussah wie die Buchstaben dieses Namens. Das hatte sich längst verwachsen, jetzt konnte man Ottos Vorder- und Hinterteil schon lange nicht mehr verwechseln. Vier Tage vergingen unter unseren Reisevorbereitungen, dann brachen wir mit unserem hochbepackten Lastkraftwagen auf. Unser Ziel war der schwer zugängliche Canyon des Kuiseb Rivieres. Für südwestafrikanische Verhältnisse war das gar nicht sehr weit, etwa zweihundert Kilometer von Windhoek entfernt. Am einfachsten wäre der Weg über die Pad gewesen, die durch das Kuiseb-Tal vom Hochland hinunter in die Namib führte, aber wir durften die Pad nicht benützen. Auf den abgelegenen Farmen wäre unser Fahrzeug zweifellos aufgefallen und der Polizei sicher schon bei der ersten Umfrage gemeldet worden. Wir beschlossen deshalb, den weiten Umweg über Okahandja und Karibib zu nehmen. Nach Karibib hatten wir uns übrigens legal abgemeldet. Sobald wir den Ort hinter uns ließen, begann für uns das Abenteuer, und wir waren nur noch dem harten Gesetz der Wüste Untertan. Wir passierten Karibib und rasteten in den Bergen, bis die Dunkelheit einbrach, wollten wir doch vermeiden, daß wir von den weiter abgelegenen Farmen aus gesehen werden konnten. Während der Nacht fuhren wir am Rande der Chuosberge entlang, die ausgedehnte Sphinx-Fläche hinunter. Einmal gewahrten wir im Licht unserer Scheinwerfer mehrere Gemsböcke. Ein paar Stunden schliefen wir in einer sandigen Kuhle. Schließlich verblaßten die Sterne, und unser Wagen glitt in eine kahle graue Wüstenschlucht, die in den tiefen Canyon des Swakop Rivieres hinunterführte. (...)

Dies ist ein Auszug aus dem Buch: Wenn es Krieg gibt, gehen wir in die Wüste (Erstauflage 1956), von Henno Martin.

Titel: Wenn es Krieg gibt, gehen wir in die Wüste
Untertitel: Eine Robinsonade in der Namib
Autor: Henno Martin
Gestaltung: Oul Este
Verlag: Union Deutsche Verlagsgesellschaft
Erstauflage, Stuttgart 1956
Original-Leineneinband, Original-Schutzumschlag, 16 x 24 cm, 246 Seiten, 33 sw-Fotos, 1 Karte

Martin, Henno und Korn, Hermann im Namibiana-Buchangebot

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