Völkermord in Deutsch-Südwestafrika, von Jürgen Zimmerer und Joachim Zeller.

Völkermord in Deutsch-Südwestafrika, von Jürgen Zimmerer und Joachim Zeller.

Völkermord in Deutsch-Südwestafrika, von Jürgen Zimmerer und Joachim Zeller.

Die Beitragssammlung Völkermord in Deutsch-Südwestafrika stellt die Ansichten von Jürgen Zimmerer, Joachim Zeller und weiterer Beitraggeber zum Herero- und Namaaufstand in dar.

Vorwort der Herausgeber Jürgen Zimmerer und Joachim Zeller: Im Januar 2004 jährt sich zum 100. Mal der Ausbruch des großen Kolonialkrieges in Deutsch - Südwestafrika (heute Namibia), in dessen Verlauf es zum ersten von Deutschen verübten Völkermord kam. In vielerlei Hinsicht ist dieser Konflikt beispielhaft für die Barbareien, die im 20. Jahrhundert noch folgen sollten, lernte doch der europäische „Gewaltmensch“ in den Kolonien das Handwerk der „Ausrottung“. Dennoch ist dieser Vernichtungskrieg in Deutschland weitgehend in Vergessenheit geraten, in den Hintergrund gedrängt durch die Katastrophen der beiden Weltkriege und des Holocaust. Dabei verweisen Konzentrationslager und Völkermord in der deutschen Kolonie auf die später im Dritten Reich begangenen Verbrechen. In dem seit 1990 unabhängigen Namibia stellt sich der Umgang mit dem Krieg widersprüchlich dar. Einerseits werden die afrikanischen Opfer des Krieges als frühe antikoloniale Widerstandskämpfer geehrt, etwa durch den im Jahr 2002 in Windhoek eingeweihten „Heroes Acre“, dem neuen Nationaldenkmal des Landes. Andererseits wird der Krieg mehrheitlich verdrängt, ist jedenfalls nicht Gegenstand öffentlicher Debatten, obwohl er bei der Mehrheit der Bevölkerung noch immer ein nationales Trauma bildet. Die Erinnerung an eines der dunkelsten Kapitel der Vergangenheit scheint nicht so recht in das Bild des neuen Namibia der Nach-Apartheid-Ära zu passen. Es sind vor allem Herero, die für eine Aufarbeitung des Krieges eintreten, denn gerade sie hatten am stärksten unter den Folgen des Völkermordes zu leiden.

Dies zeigt auch die im September 2001 durch Vertreter der Herero in den USA eingereichte Sammelklage gegen zwei deutsche bzw. multinationale Unternehmen (Deutsche Afrika-Linien als Nachfolger des Woermann-Linie und Deutsche Bank). Nach dem Vorbild der Entschädigung für NS-Zwangsarbeiter fordern sie von den Unternehmen zwei Milliarden US-Dollar als Wiedergutmachung für Völkermord und Zwangsarbeit. Inzwischen wurde die Klage in gleicher Höhe auch auf die Bundesrepublik Deutschland als Rechtsnachfolgerin des Deutschen Reichs erweitert. Obwohl Ende Juni 2003 das Bezirksgericht Columbia in einer ersten Entscheidung die Reparationsklage gegen die Woermann-Linie zurückwies, wird der Streit darüber sich noch Jahre hinziehen. Fundierte historische Aufklärung tut also Not.

Wenn man heute diese Geschichte von Kolonialismus und Krieg, von Entrechtung und Erniedrigung angemessen darstellen will, sollen dann die Kolonisierenden oder die Kolonisierten, der militärische Konflikt oder der kulturelle Austausch in den Mittelpunkt gestellt werden? Geschichte schreiben, heißt immer eine Auswahl treffen. Wir haben uns dafür entschieden, den Krieg aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten: Die afrikanische Perspektive tritt dabei neben die deutsche; die Herero und Nama werden nicht als passive Opfer der deutschen Schutztruppen dargestellt, sondern als ebenbürtige Gegner, die ihre Möglichkeiten nutzten und anhaltenden Widerstand leisteten, auch wenn sie letztendlich der militärischen Macht und der Brutalität des Deutschen Reiches unterlagen. Was die Damara und San („Buschmänner“) betrifft, so wird deren Schicksal während der Kriegsjahre nicht eingehender behandelt, da sich die Forschung hierzu noch ganz in den Anfängen befindet.

Da Völkermord und Konzentrationslager Kennzeichen dieses Krieges sind, wird in mehreren Beiträgen gezielt darauf eingegangen und auch das Verhältnis zum späteren Holocaust untersucht. Wir haben uns dafür entschieden, die Jahre 1904 bis 1908 als zeitlichen Rahmen zu setzen - und nicht wie üblich 1904 bis 1907 -, um zu betonen, dass die Kriegsgefangenschaft ein Teil des Vernichtungskrieges war; erst 1908 wurde diese aufgehoben, einzelne Nama-Gruppen blieben sogar noch länger interniert. Das historische Geschehen ist nicht identisch mit dem, was offiziell erinnert wird oder sich im kollektiven Bewusstsein festsetzt. Daher wird die Verarbeitung des Kolonialkrieges sowohl in Deutschland als auch in Namibia gesondert thematisiert, wobei die Entwicklung dieser Erinnerungskultur bis in die Gegenwart verfolgt wird. (...)

Dies ist ein Auszug aus dem Buch: Völkermord in Deutsch-Südwestafrika, von Jürgen Zimmerer und Joachim Zeller.

Buchtitel: Völkermord in Deutsch-Südwestafrika
Untertitel: Der Kolonialkrieg (1904-1908) in Namibia und seine Folgen
Herausgeber: Jürgen Zimmerer; Joachim Zeller
Verlag: Ch. Links Verlag
Berlin, 2003
ISBN-10: 3861533030
ISBN-13: 9783861533030
Broschur, 17x23 cm, 276 Seiten, viele sw-Abb./Fotos, 2 Karten

Zimmerer, Jürgen und Zeller, Joachim im Namibiana-Buchangebot

Völkermord in Deutsch-Südwestafrika

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