Südafrika. Ein Stück deutscher Geschichte, von Hans Grimm

Südafrika. Ein Stück deutscher Geschichte. Berichte aus den Jahren 1908-1922, von Hans Grimm. Klosterhaus-Verlag; Lippoldsberg, 1978. ISBN 3874180344 / ISBN 3-87418-034-4

Südafrika. Ein Stück deutscher Geschichte. Berichte aus den Jahren 1908-1922, von Hans Grimm. Klosterhaus-Verlag; Lippoldsberg, 1978. ISBN 3874180344 / ISBN 3-87418-034-4

Hans Grimm leitete sein Buch, Südafrika: Ein Stück deutscher Geschichte, mit folgenden Worten ein: Wenn man zusieht, wie sich der Europäer im allgemeinen mit dem schwarzen und braunen Manne aus Afrika abfindet, der in den letzten Jahrzehnten in Bild, in Zeitung und Person jedem eine vertraute Erscheinung geworden ist, begegnet man fast nur der Überschätzung und der Unterschätzung.

Hans Grimm  

Dem einen ist er „auch ein Mensch, der letzten Endes nicht viel anders denken und hoffen und lieben und hassen wird als wir", dem andern ist er „halb Kind, halb Affe mit seichtem Kopfe und seichtem Herzen". Die Wahrheit liegt nicht in der Mitte. Wenn das „wie wir" ganz gewiß nicht diskutiert zu werden braucht, lehrt ein geduldiges Eindringen in den Gedanken- und Gefühlskreis jener, daß die Seichtigkeit eher bei den vorschnellen Beobachtern, als in den schwarzen Köpfen zu finden ist, in denen sich neben ärgerlicher Flachheit plötzliche und seltsame Tiefen auftun. Daß wir später und schwerer an die fremden Tiefen gelangen als an die Seichtigkeit, ist leicht verständlich. Die ersten Zivilisatoren, die ersten Missionare mußten einseitig sein, um selbst mit ihrer Art bestehen zu können. Das ist nicht anders gewesen, als in das alte Germanien das Christentum hineingebracht wurde. Die Götter unserer Vorfahren wurden zu Teufeln gestempelt, die Kunde von ihnen möglichst ausgerottet. Bei den südafrikanischen Bantu erklärte man die verschiedenen Priesterkasten schlankweg als Zauberer und stritt den verschiedenen Völkerschaften ein religiöses System ab und bekämpfte das, was man mit Stumpf und Stiel Hexenwahn nannte. Dadurch ist besonders in Südafrika viel an folkloristischen Denkmälern verloren gegangen. Was eine Generation aufgegeben hat beim Wandel der Dinge, läßt sich aus der nächsten, wo eigene Aufzeichnungen fehlen, schon nicht mehr herausholen. Das Volksgedächtnis ist trotz gegenteiligem Schein in der ganzen Welt überraschend kurz. Aber wie einst bei uns das missionierende Mönchstum, während es austilgte, doch wieder allein Zeugnisse hinterließ, sind es in Afrika nicht weniger die Missionare gewesen, die nach innigem Vertrautsein mit Stamm und Sprache ein unschätzbares Material zusammentrugen und retteten. Für unser Südwestafrika stehen die Namen Hahn und Bleek mit ihren Hottentotten- und Buschmannfabeln, für das britische Südafrika Casalis, Callaway, Theal (Historiker) mit ihren Märchen der Sesuto-, Zulu- und Xosakaffern obenan. Später als die Fabeln und Märchen fielen den Europäern, die in ganz Südafrika vorhandenen, hier schwächer, dort stärker bewegungslustigen geflügelten Worte auf. Ihr Erkennen und Einfangen setzte nicht nur ein völliges Hineinwachsen in die Sprache, sondern auch in die Gedanken hinter der Sprache voraus, und zu dieser zweiten Seltenheit ein philologisch geübtes Auge. Deshalb flattern fortwährend eigentümliche Sentenzen und afrikanische Maximen über das Bambusenfeuer, bei den Transportwagen, in den Eingeborenenhütten, in den Kralen, in den „Compounds" der Gold- und Diamantenminen hin und her, die uralt sind oder neu wurden, die lange unterwegs oder bald verschollen sein werden, und die noch nie in ein Sammlernetz gerieten. Bei den Hereros z. B. scheint kein Mensch gesessen zu haben, der einen Blick für diese Schmetterlinge aus dem Tempelchen der Volkserfahrung gehabt hätte. Am meisten Stoff liegt vor von dem östlichen Südafrika, wo die Berührung zwischen Bantu und Europäern in den letzten 90 Jahren sich am gründlichsten vollzog. „Geflügelte Worte" sollen Ausdrücke, Aussprüche oder Namen sein, deren historische Urheber oder deren literarischer Ursprung nachweisbar sind. Redensarten, die gleichsam keinen Geburtsschein vorweisen können, gehören eigentlich nicht unter den Titel. Aber bei diesen „geflügelten Worten" der Kaffern ist oft nur uns die Suche nach dem Geburtsschein nicht recht gelungen. Einigen hängt er freilich als Zettelchen am Flügel. „Ich freue mich, daß Kolombas Mutter gestorben ist", sagen die Kaffern im östlichen Kaplande, wenn etwas Unangenehmes oder Drohendes verschwunden ist. Die Mutter Kolombas, eines Häuptlings, war eine besonders schwierige Dame. [...]

Dies ist ein Auszug aus dem Buch: Südafrika. Ein Stück deutscher Geschichte, von Hans Grimm.

Titel: Südafrika: Ein Stück deutscher Geschichte
Untertitel: Berichte aus den Jahren 1908-1922
Autor: Hans Grimm
Verlag: Klosterhaus-Verlag
Lippoldsberg, 1978
ISBN 3874180344 / ISBN 3-87418-034-4
Broschur, 12x19 cm, 237 Seiten

Grimm, Hans im Namibiana-Buchangebot

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