Sklave im eigenen Land. Unterdrückung und Widerstand im südlichen Afrika, von Kay-Michael Schreiner et al.

Sklave im eigenen Land. Unterdrückung und Widerstand im südlichen Afrika, von Kay-Michael Schreiner et al. Peter Hammer Verlag. Wuppertal, 1974. ISBN 3-87294-072-4 / ISBN 3872940724

Sklave im eigenen Land. Unterdrückung und Widerstand im südlichen Afrika, von Kay-Michael Schreiner et al. Peter Hammer Verlag. Wuppertal, 1974. ISBN 3-87294-072-4 / ISBN 3872940724

Neben eingenen Beiträgen hat Autor und Herausgeber Kay-Michael Schreiner etliche der Texte schwarzer Autoren aus dem südlichen Afrika, insbesondere die in portugiesischer Sprache aus Mosamibik, für das hier beschriebene Buch 'Sklave im eigenen Land. Unterdrückung und Widerstand im südlichen Afrika' ins Deutsche übersetzt.

Lewis Nkosi  Alfred Hutchinson  Kay-Michael Schreiner  

Lewis Nkosi: Potgierers Besitz

In der unendlichen Hitze des Sommers, der gegen einen nackten blauen, unerforschlichen Himmel stieß, davongetragen auf der Ladefläche eines Lastwagens, der ihnen unbekannt war, voller Ungewißheit über ihren Bestimmungsort und über ihr Schicksal drängten sie sich aneinander und beobachteten, wie das Land rasch in der entgegengesetzten Richtung zurückflog. Ein finster aussehender Schwarzer in zerrissenem Khakihemd und -hose ragte über ihnen und bewachte sie. Bewaffnet war er mit einem Schlagstock - dem kirri - und einem Wurfspieß - dem assegai. Er war ein ungewöhnlich kräftiger Mann. Seine nackten Füße waren breit und gespreizt, häßlich und voll von Löchern und Schwären. Seine Augen waren blutunterlaufen und unendlich traurig - in der grausam gefühllosen Art von Männern, die zu viele Morde gesehen haben und denen alles gleichgültig ist. Er machte eher den Eindruck eines Teufels, der sich seine Kraft für einen bevorstehenden Kriegstanz aufspart. Seine Methode sich mitzuteilen bestand darin, einem der Halbwüchsigen oder der Männer brutal seinen kerrie zwischen die Rippen zu rammen, etwas völlig Unverständliches zu grunzen, das Ganze zu wiederholen und dann, ohne eine Antwort oder eine logische Entgegnung überhaupt zu erwarten, zurückzuweichen, sich irgendwo am hinteren Ende des Lastwagens niederzulassen und sie aus stupiden, glasigen Augen weiter zu beobachten. Der andere Wachmann, der. die Männer beim Paß-Büro gesehen hatten, saß im Führerhaus bei dem weißen Farmer. Der Laster fuhr den ganzen Tag lang und hielt immer nur kurz an Tankstellen und Straßengasthäusern. Jedesmal, wenn sie an einer Raststätte hielten, kletterte der weiße Farmer aus dem Führerhaus heraus, ging nach hinten, überzeugte sich dort höchst oberflächlich von dem körperlichen Zustand seiner Gefangenen, grunzte dann Zuma, dem teuflischen Schwarzen, der hinten bei ihnen saß, etwas zu und schob in die Gaststube ab, aus der er nach einigen Minuten mit Essenspaketen für die beiden Wächter wieder hervorkam. Sodann kehrte er in die Gaststube zurück und ließ sich nie vor einer halben Stunde blicken, man sah ihm dann jedesmal an, daß er gesättigt war; denn sein Gesicht war gerötet von dem Blut, das ihm nach dem Essen zu Kopfe stieg. Die beiden Wachmänner schlangen ihr Essen vor den Augen der Gefangenen hinunter, die mittlerweile dermaßen ausgehungert und durstig waren, daß sie einen ganzen Walfisch hätten aufessen können. Nach dem Essen erhoben die Wächter sich, sahen häßlich und wohlgenährt aus, knüpften sich umständlich die Hosenklappe auf, fischten ihr Glied heraus und pinkelten auf die Straße. Die Jungen und die Männer bekamen überhaupt nichts zu essen. Die ganze Fahrt über, die fast den ganzen Tag dauerte, blieben sie in dem Drahtkäfig auf dem Lastwagen eingesperrt, und wenn sie baten, daß man ihnen erlauben möchte, ihre Notdurft zu verrichten, schrie der Bewacher, führte er sich auf wie ein Wahnsinniger und fuchtelte mit seinem kerrie herum. »Stellt euch doch an die Seitenwand und pißt raus!« schrie er. »Für wen haltet ihr euch eigentlich? Für die Herren der Welt?« Und so erhob sich einer der Jungen nach dem anderen, steckte sein Glied durch den Draht und pinkelte auf das leere veld. Nach einer Weile fuhr der Lastwagen weiter, in Bewegung gesetzt von dem dicken weißen Farmer mit den mächtigen behaarten Armen, dem roten Gesicht und den stahlblauen Augen. Der Laster rumpelte dahin, wirbelte eine Staubwolke auf und ließ eine Lache von Wasser und Öl zurück. Die Jungen, unter ihnen Sipo, wußten nicht mehr, in welche Richtung es eigentlich ging oder wie weit sie jetzt schon von zu Hause fort waren. Angst hatten sie inzwischen keine mehr.  [...]

Dies ist ein Auszug aus dem Buch: Sklave im eigenen Land. Unterdrückung und Widerstand im südlichen Afrika, von Kay-Michael Schreiner et al.

Titel: Sklave im eigenen Land
Untertitel: Unterdrückung und Widerstand im südlichen Afrika
Herausgeber: Kay-Michael Schreiner
Verlag: Peter Hammer Verlag
Wuppertal, 1974
ISBN 3-87294-072-4 / ISBN 3872940724
Originalbroschur, 13 x 20 cm, 193 Seiten

Schreiner, Kay-Michael und Nkosi, Lewis und Hutchinson, Alfred im Namibiana-Buchangebot

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