Reiseberichte: Landschaften, Menschen, Politik, von Hans Grimm

Reiseberichte: Landschaften, Menschen, Politik, von Hans Grimm. ISBN 3874180417 / ISBN 3-87418-041-7

Reiseberichte: Landschaften, Menschen, Politik, von Hans Grimm. ISBN 3874180417 / ISBN 3-87418-041-7

Reiseberichte: Landschaften, Menschen, Politik ist eine interessante Auswahl von Schriften Hans Grimms.

Hans Grimm  

Was gehen Meinungen mich an in Dingen, die nicht Meinung sind, sondern Sache; fragt man auch den Nachbarn, ob die Sonne scheint? Matthias Claudius

Die dreizehn Briefe aus Deutsch-Südwest-Afrika 1927

Erster Brief: Wie es kam und anders kam

Erschienen: In verschiedenen Tageszeitungen 1927/28 und als Buch 1928 bei Albert Langen, München. Auflage 8000.

Es ist Ende Oktober und geht gegen Mittag auf einer großen deutschen Farm des Südens, ich würde sagen der Mitte, von Deutsch-Südwestafrika. Im Schatten draußen steht bei leichtem Westwinde das Thermometer auf dreißig Grad Reaumur; im ungewöhnlichen, aus Quadern und Bruchsteinen gebauten Gutshofe, darin zum großen, hellen Gastzimmer gar ein besonderer Baderaum gehört, ist bei geschlossenen Fenstern die Wärme erträglich. Nach siebzehnjähriger Abwesenheit vom südlichen Afrika bin ich im Mai ins Land gekommen und war von Mai bis heute entweder auf Pad, wie es in Südwest heißt, mit Kraftwagen, mit Bahn, mit Karre, mit Ochsenwagen, zu Pferde, über sechstausend Kilometer Weg, oder ich habe in Windhuk gesessen, arbeitend am Wiederverstehen des Landes, das seit Versailles zum Mandatsgebiete Südwestafrika geworden ist. Ich war von 1896-1910 in Südafrika ansässig, vier Jahre als Angestellter, zehn Jahre, wenn man die Europabesuche nicht abzieht, als selbständiger Kaufmann. Nach Südwest kam ich in jener Zeit dann und wann als „Vorüberfahrer" und gegen Ende der Kaufmännerei, da ich schon hinübergewechselt war zum Schriftsteller und schon das staatswissenschaftliche Studium begonnen hatte, eine Reihe von Wochen als Berichterstatter. Beim Abschiede meinte ich, Afrika sei nun für mich vorüber; vierzehn Jahre und dazu die besten Lernjahre des Manneslebens, vom zweiundzwanzigsten bis fünfunddreißigsten Geburtstage, seien Zoll genug, und den Schriftsteller gehe das nach der langen und zum Teil schweren Auslandszeit um so leidenschaftlicher geliebte europäische Deutschland mit seiner Ordnung, seiner Anständigkeit, seiner Kunst, seiner Wissenschaft, seiner Kultur und seiner sozialen Frage in Zukunft allein an. Der Wunsch hinaus stellte sich wieder ein in den sechs Jahren, als ich an dem Buche „Volk ohne Raum" schrieb. Es war Inflation, und kaum daß der Hunger der letzten Kriegshälfte in Deutschland vorbei schien, hungerte ein Viertel der deutschen Menschen von neuem, wenigstens nach Butter, wenigstens nach Fleisch und Zukost, wenigstens nach Zucker, wenigstens nach allem, das über wassergekochtes Gemüse, Kartoffeln und Brot und letzte Nüchternheit und letzte erdrückende Einfachheit hinausging. Ich gehörte als freier Schriftsteller zu diesem Viertel. Wir hatten, Mann und Frau, wie andere, unser bares Vermögen durch den Krieg und den neuen großen Staatsbetrug verloren; ich mühte mich an einem Werke, daß hoch wie ein Gebirge sich vor mir auftürmte, das Ende des Dienstes war nicht abzusehen, und auch nicht abzusehen war, ob der lange Aufstieg jemals bezahlt werden würde. Ich hatte eins manchen andern voraus, ich saß in eigenem, großem Hause auf dem Lande, wir waren im kleinen Sinne, was so von Garten, Hühnern und Ziegen stammte, Selbstversorger, und meine Frau konnte mit Gottes Natur auskommen und arbeiten. Aber auf dem Lande, fünfzehn Monate lang wurde der Preis einer Fahrkarte vierter Klasse in das nur sechsunddreißig Kilometer entfernte Güttingen, von Kassel und Berlin zu schweigen, nicht gewagt, war die geistige Eingeschränktheit um so härter fühlbar: Kein Konzert, kein Theater, kein Zeitschriftensaal, kein Schaufenster, keine Auslage einer Buchhandlung, keine Gelegenheit zu irgendeiner Ablenkung, zum Ausruhen des Auges nach der geistigen Arbeit an Mensch oder Umwelt, die es nicht alltäglich sah; ein schönes Flußtal mit Nebel und Feuchtigkeit, mit nassen Dorfstraßen und nassen Feldwegen und Holzschleifen des Forstes in den langen Herbst- und Wintermonaten, das war alles. Damals fiel mir abends vor dem Einschlafen und hinter dem verzehrenden deutschen politischen Grame so oft ein: „Ach, wenn du dich einmal wieder satt und rund essen könntest! Satt und rund, wie du dich als junger Mensch zum Beispiel auf den Dampfern der Deutschen Ost-Afrika-Linie essen konntest. [...]

Dies ist ein Auszug aus dem Buch: Reiseberichte: Landschaften, Menschen, Politik, von Hans Grimm.

Buchtitel: Reiseberichte. Landschaften, Menschen, Politik
Autor: Hans Grimm
Verlag: Klosterhaus-Verlag
Lippoldsberg, 1971
ISBN 3874180417 / ISBN 3-87418-041-7
Originalbroschur, 13x20 cm, 264 Seiten

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