Geschichten aus Südwestafrika. Lüderitzland, von Hans Grimm

Geschichten aus Südwestafrika. Lüderitzland, von Hans Grimm. Klosterhaus-Verlag, 1973.

Geschichten aus Südwestafrika. Lüderitzland, von Hans Grimm. Klosterhaus-Verlag, 1973.

Hans Grimms Geschichten aus Südwestafrika: Lüderitzland ist die bislang jüngste Neuauflage der 1935 erstmals erschienen Sammlung von Kurzgeschichten aus der deutschen Zeit Südwestafrikas.

Hans Grimm  

Der Händler

Von Okahandja nordöstlich, das Flußtal des Swakop hinauf, lag ein Hererodorf, von deutschen Reitern gegen die raublustigen Hottentotten, von deutschen Gesetzen gegen sich selbst und gegen den freien Wettbewerb, von deutscher Polizei gegen weiße Unredlichkeit geschützt. Das Land der Dorfschaft hatte gute Weide, der Swakop floß oft; blieb das Flußbett lange trocken, war im Sande des Bettes Wasser für das Vieh leicht zu ergraben. Infolge der guten Weide und wegen des sicheren Wassers besaß die Dorfschaft viel Vieh, und das heißt, die Dorfschaft war wohlhabend und hatte Bedürfnisse nach angenehmen und auch spielerischen Dingen des Lebens, und sie zog die Händler an. Dieser und jener Händler wurde vom Dorfe versucht, ob er billiger sei oder teurer, ob er übervorteile oder sich übervorteilen lasse, ob er sorglos stunde oder bald Bezahlung fordere. Dann kam ein junger Kaufmann, mit ihm erklärten sich die Meinungsmacher des Ortes zufrieden. Sie schlugen ihm vor: „Du darfst ein Haus bei uns bauen. Du lieferst uns die Waren, die wir brauchen; wir wollen, solange du hast, wonach uns gelüstet, und solange du die Ware nicht teuer machst, von dir kaufen, denn das ist besser, als wenn nur die Feldhändler durchziehen. Wir wollen einen Kaufmann, der unser eigener Kaufmann ist und der hier wohnt und den wir kennen und der uns kennt." Der Kaufmann hatte von einer Deutschlandfahrt eine junge Frau mitgebracht. Er sagte zu seiner Frau: „Was meinst du? Handel im Herumziehen treiben heute zu viele. Das ist bald nichts mehr. Will einer dabei Geschäfte machen, muß er vier Fünftel der Ware auf Abzahlung hergeben; auf Abzahlung, die er sich doch selber immer holen muß. Wenn er aber wiederkommt, sind zehn andere dagewesen und haben ihr Zeug hergegeben auf Pump, und schließlich weiß niemand mehr, was er hat und was er schuldet." Er fügte hinzu: „Für dich ist das auch besser, daß wir an einer Stelle schon richtig zu Hause sind, wenn das Kind kommt." Die junge Frau antwortete: „Zu Hause? Hier zu Hause?" Sie sagte: „Ich habe von dem Lande noch so wenig gesehen ..." Sie dachte wohl, daß das Land, das trotz allen Erzählungen ihr von Deutschland aus märchenhaft freundlich und ganz richtig wundervoll erschienen war und das sie seit ihrer Ankunft stets von neuem erschreckte und enttäuschte, im Umherziehen leichter zu ertragen sei, sie hoffte vielleicht auch undeutlich, daß das Märchen und Wunder in irgendeiner größeren, bisher nicht berührten Ferne sich dennoch für sie verborgen halten möchte. Der Mann sagte: „Das ist doch schön und selten hier mit den vielen hohen Dornbäumen und dem sicheren Wasser. Und ich habe diese Leute hier schon früher immer als ordentlich befunden." Die Frau erklärte am dritten Tage des Aufenthaltes: „Wenn du meinst ..." Sie wurde mitbestimmt, weil der Verkauf, bei dem sie half, reichlich und gut vonstatten ging und weil die Tauschochsen gleich angebracht wurden und endlich weil die Hausstelle, die ihnen der Großmann und Evangelist des Ortes anwies, falls sie zu bleiben bereit wären, die Stelle war, die sie sich selbst ausgesucht hätte. Die Stelle befand sich jenseits des Flusses, genügend weit von den Hütten, der gewöhnliche Wind wehte keine Dünste herüber, selbst der Lärm schien durch eine Bodenerhebung und durch einen dichten Wuchs alter Giraffenakazien und Weißdornbäume verschluckt. In der Nacht, in der sie die Stelle versuchten, war hier außer dem Locken der Sandhühner nur das gelegentliche Bellen der Hunde des Dorfes zu hören. Der Mann sagte am fünften Tage: „Ich muß Ware nachholen. Ich will die Sachen mitbringen, die wir für den Bau brauchen. Ich treibe auch gleich das Vieh hinunter. Es ist schon allerhand beisammen. Ich möchte mich eilen. Das beste ist, daß du hier bleibst, damit keine Unterbrechung geschieht und das Volk hier nicht von einem zufälligen andern im letzten Augenbücke beschwatzt und umgestimmt wird." [...]

Dies ist ein Auszug aus dem Buch: Geschichten aus Südwestafrika. Lüderitzland, von Hans Grimm.

Titel: Geschichten aus Südwestafrika
Untertitel: Lüderitzland
Autor: Hans Grimm
Verlag: Klosterhaus-Verlag
Lippoldsberg, 1973
Originalbroschur, 12x19 cm, 194 Seiten

Grimm, Hans im Namibiana-Buchangebot

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