Die Olewagen-Saga, von Hans Grimm

Die Olewagen-Saga, von Hans Grimm. Albert Langen Verlag.

Die Olewagen-Saga, von Hans Grimm. Albert Langen Verlag.

Hans Grimm schildert, anhand des Lebensweges des Buren Hermanus Olewagen in Süd- und Südwestafrika, wie unmittelbar und willkürlich Wünschen, Hoffen, Glück und Untergang in einem europäerfeindlichen Erdteil beieinander lagen. Die Olewagen-Saga kennt keine Sentimentalität und kein glückliches Ende.

Hans Grimm  

[...] Die Geschichte begann lange vor dem Kriege. Hermanus Olewagen war der Sohn Barends, der Vater Barends hieß Baltus Olewagen. Von Baltus Olewagen ist bekannt, daß er zu seiner Zeit ein sehr reicher Mann war. Sein Haus stand am Fischflusse im östlichen Kaplande, es war von Stein gebaut und hatte einen geschwungenen Giebel in der Mitte des wohlgehaltenen Strohdaches wie die alten Häuser um den Tafelberg. Baltus Olewagen besaß so viel Vieh aller Art, daß Reisende, die auf schnellen Pferden kamen, zwei Stunden vordem sie das helle Haus mit dem Schneckengiebel sahen, und zwei Stunden nachdem das helle Haus außer Sicht war, und die ganze Strecke dazwischen den Tieren begegneten, die Olewagens Brandmale trugen. Durch die Kaffern verlor Olewagen einen großen Teil seines Viehs. Die Engländer, die auf dem Wege des Kaufes Zwingherren des Landes geworden waren, hinderten ihn und seine Freunde an Selbsthilfe, ohne den Schutz der Obrigkeit zu gewähren. Als die Engländer in den Amtsstuben und Gerichtshöfen auch den Gebrauch der holländischen Sprache gegen Vertrag und Verstand verboten, tat Baltus Olewagen wie die ungebrochenen Bauern weit und breit. Er ließ zusammentreiben, was noch übrig war von Pferden, Rindern und Schafen, und es war nicht wenig übrig. Er lud was beweglich war von seiner Habe in die drei großen Zeltarchen auf Rädern, vor denen je dreißig Ochsen gingen. Er verließ sein Haus und seinen Boden und sein Geburtsland mit seinem Weibe und seinen Kindern und er zog vorwärts in die Wildnis, wo einer leben und sprechen kann, wie er will, und weder Schuldner hat noch schuldig ist, sondern mit Gottes Hilfe auf sich selbst steht. Bei der vieljährigen Wanderung starben Olewagens Weib und die Kinder, Barend ausgenommen, am Fieber. Dazu schmolzen die Herden zusammen, und die ganze tote Habe wurde bei den häufigen Anläufen der Wilden verbrannt. Barend Olewagen gewann seiner Lebtage den Reichtum des Vaters nicht wieder, obgleich er sehr begierig daran dachte und seinen eigenen Kindern früh davon erzählte und das Abenteuer nicht scheute. Der Plan des Feldkornetts van der Merwe aus der südafrikanischen Republik, denn zu dieser war die Wildnis inzwischen geworden, weiter zu wandern nach Nord-Nordwesten und zuzusehen, ob nicht erst wirklich dort das Land der Verheißung liege, in dem Milch und Honig fließt, schien ihm ein guter Plan. Er verhandelte sein Grundeigentum um ein Geringes. Vor sein eines Fahrzeug waren bei der Reise achtzehn Zugochsen gespannt, er hatte zu den zwölf Ochsen, die er besaß, sechs Ochsen hinzugekauft von dem Erlöse. In der Wagenkiste vorn über dem Deichselbaume lag eingehüllt ein schweres holländisches Bibelbuch mit einer angesengten Ecke. Dieses Bibelbuch war das einzige Stück, das alles Geschehen überdauert hatte. Auf den zwei vordersten Seiten standen Geburtstage und Hochzeitstage und Sterbetage vermerkt in verblaßten Tinten. Der erste Name war ohne Jahr aufgezeichnet von einem Nachfahren. [...]

Dies ist ein Auszug aus dem Roman: Die Olewagen-Saga, von Hans Grimm.

Titel: Die Olewagen-Saga
Autor: Hans Grimm
Verlag: Albert Langen
München, 1932
Original-Leinenband, 14x20 cm, 180 Seiten

Grimm, Hans im Namibiana-Buchangebot

Die Olewagen-Saga

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