Der Gang durch den Sand, von Hans Grimm

Der Gang durch den Sand, von Hans Grimm, Albert Langen Verlag, München 1928, Leineneinband

Der Gang durch den Sand, von Hans Grimm, Albert Langen Verlag, München 1928, Leineneinband

Der Gang durch den Sand, von Hans Grimm, Verlag C. Bertelsmann, Gütersloh 1916, Kartoneinband

Der Gang durch den Sand, von Hans Grimm, Verlag C. Bertelsmann, Gütersloh 1916, Kartoneinband

Aus der spröden Sprache Hans Grimms ensteht in majestätischer Größe Südafrika, dem seine tragischen Gestalten entwachsen und mit ihren individuellen Schicksalswegen Eingang in die Erzählung der Sammlung Der Gang durch den Sand finden.

Hans Grimm  

Diese Geschichte war der Inhalt einer Gerichtsverhandlung im Kaplande. Verhandelt wurde vor Seiner Lordschaft Richter Smith. Richter Smith sieht so nüchtern aus wie die staubgrauen Wände der Gerichtshallen, und er gilt als so unbereit, den Unwägbarkeiten der einzelnen Menschen irgendwelche Bedeutung zuzubilligen, wie, wie eben ein stockechter Engländer aus England. Ein hitziger irischer Advokat sagte einmal, er wundere sich, daß die kleinen frohen Farbenfleckchen im Landeswappen an der Wand, das einzige Bunte im Raum, es über Seiner Lordschaft aushielten. Aber welches Geschöpf, und sei es ein englischer Richter, kann auf eine Formel gebracht werden? In den staubgrauen Gerichtssaal mit seinen genauen Fensterläden und seinen Segeltuchvorhängen geraten zuweilen plötzliche Bündel heißer Sonnenstrahlen, dann wird der Staub von dem Sägemehl unter den Zuhörerfüßen zu lebendigen, wogenden Schmuckstreifen in der Luft. Der Polizeisergeant sucht am Abend genau nach der Lücke und dichtet ab. Die Sonnenstrahlen rinden immer wieder ihren Einlaß. Sie wollen herein. Genau so bricht plötzlich das Licht, das ungerecht gerechte, das schöpferische Licht durch Seiner Lordschaft Nüchternheit. Es ist unversehens da und zeigt dies und das lebendig und aller Rätsel voll, wie es außerhalb der Mauern im Weltleben dasteht, wo Menschen und Tiere und Pflanzen und Wind und Wetter und Erde und Wasser untrennbar beieinander sind. Welches Weges kommt dies Licht, wer ist sein Träger? Der Ton von Seiner Lordschaft wohlgefügter Rede ändert sich nicht, dennoch horchen die schläfrigen Türhüter hoch auf, die neugierigen Hörer vergessen ihre Neugier; und dann, wenn sie an der Reihe sind, fällen die Geschworenen den bei Seiner Lordschaft seltenen Freispruch, der kein Fehlspruch ist. Vor Richter Smith stand angeklagt in East London Jakoba, genannt Kos, unbekannten Familiennamens, etwa sechzehn Jahre alt, europäischer Abkunft: Sie habe durch eigentümliche, nur ihr selbst bekannte Mittel den Tod des Transportfahrers Abram Prinsloo, ihres Dienstherrn und angeblichen Pflegevaters, herbeigeführt. Auf die Frage: „Schuldig oder nichtschuldig?" antwortete das jungenhafte schmale Mädchen im Kapholländisch: „Ja, ek het hom doodgemaak." Sie nickte so kräftig zur Bestätigung, daß das kurze, filzige und von der Sonne ausgefärbte Haar ihr in das Gesicht fuhr. Als sie es nach einer Weile rechts und links und über der Stirn völlig zurückstieß, daß es ganz wirr abstand nach rückwärts, sahen viele erstaunt die zugleich scharfen und hübschen Züge des braungebrannten Kindes. Die einzigen Zeugen bei der Verhandlung waren ein Kappolizist, ein Barbesitzer, der Magazinverwalter einer großen East Londoner Firma und ein halbfarbiger Transportfahrer. Der Fahrer war häufig mit Prinsloo zusammen angetroffen worden; er sollte über das Verhältnis des Toten zu dem angeklagten Kind aussagen. [...]

Dies ist ein Auszug aus dem Buch: Der Gang durch den Sand, von Hans Grimm.

Titel: Der Gang durch den Sand
Untertitel: Und andere Geschichten aus Südafrika
Autor: Hans Grimm
Verlag: Albert Langen Verlag
München, 1928
Original-Leinenband, 13x20 cm, 280 Seiten, Schrift: Fraktur

Grimm, Hans im Namibiana-Buchangebot

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