Bunte leuchtende Welt. Die Lebensfahrt des Malers Ernst Vollbehr, von Ernst Vollbehr

Bunte leuchtende Welt. Die Lebensfahrt des Malers Ernst Vollbehr, von Ernst Vollbehr.

Bunte leuchtende Welt. Die Lebensfahrt des Malers Ernst Vollbehr, von Ernst Vollbehr.

Ansicht des seltenen Originalumschlages zu Ernst Vollbehrs Buch 'Bunte leuchtende Welt. Die Lebensfahrt des Malers Ernst Vollbehr'.

Ansicht des seltenen Originalumschlages zu Ernst Vollbehrs Buch 'Bunte leuchtende Welt. Die Lebensfahrt des Malers Ernst Vollbehr'.

Eine weitere Version des Schutzumschlages in derselben Auflage: Bunte leuchtende Welt. Die Lebensfahrt eines Malers (Autor: Ernst Vollbehr; Ullstein Verlag, Berlin 1935)

Eine weitere Version des Schutzumschlages in derselben Auflage: Bunte leuchtende Welt. Die Lebensfahrt eines Malers (Autor: Ernst Vollbehr; Ullstein Verlag, Berlin 1935)

Ernst Vollbehr beschreibt in 'Bunte leuchtende Welt. Die Lebensfahrt des Malers Ernst Vollbehr' sein wechselvolles Künstlerleben und die zahlreichen Gegenden der Welt, inklusive der deutschen Kolonien, die er in seinen berühmten Bildern festhielt.

Ernst Vollbehr  

Lüderitzbucht

[...] Längst hatten wir die Rennbahn verlassen, und unter den Hufen des Hengstes stäubte der Sand der Wüste auf wie der Pulverschnee bei einer Schußfahrt zu Tal, und noch ritten wir weiter, immer weiter in die Unendlichkeit eines bläulich fahlen Himmels hinein. Ich dachte an meine Mutter, an meine Schweriner Lehrjahre, an Beefsteak Tatar, an einen österreichischen Baron, der Sekt aus einer Kristallvase getrunken und eine Geschichte erzählt hatte, wie ihn sein Vater auf einem wilden Mustang festgebunden und in die albanischen Berge hinausgejagt hatte, und dann wurde der Gedanke an das Beefsteak Tatar vom Gesäß aus aufsteigend so mächtig, daß ich nur noch den einen Wunsch hatte: jetzt möchte ich Augen im Kreuz haben, vom Pferd steigen und meinen eigenen Hintem besehen. Endlich, endlich schien das Tier unter mir müde zu werden, sein Tempo verlangsamte sich, es stolperte ein paarmal, und dann stand es keuchend und schnaufend still. Der Schaum tropfte ihm in großen Flocken vom Maul, und seine Flanken sahen aus, als wären wir durch die Gischt der Meeresbrandung geritten. Ich sah mich um. Um uns her lag die Wüste so grenzenlos einsam wie eine arktische Landschaft, kein Baum, an dem das Auge einen Halt fände, kein Strauch, der, selbst lebendig, Hoffnung auf Leben geschenkt hätte, nur trockener, gelber Sand, ein paar halb verwehte Felsen und seitab vom Wege das Gerippe von einem Zugochsen, der hier in den Treibsand geraten und erstickt war. Den Horizont nach Süden begrenzten die Tafelberge, sie schienen greifbar nahe, man konnte deutlich die Gesteinsschichten erkennen, die wie Jahresringe bei einem gefällten Baumstamm übereinanderlagen, so als sei der Fels Stück für Stück aus dem dürren Schoß der Wüste emporgewachsen. Die Sonne stand schon westlich, doch es war nicht die Sonne, die man täglich sah. Es schien ein feuriger Atem von ihr auszugehen, der die ganze Luft mit Glut erfüllte und wie eine Stichflamme alle Gegenstände zu schmelzen schien, so daß sie ansingen, von innen her zu leuchten. Die Felsen standen da wie glühende Stahlblöcke in einem Eisenwerk. Hätte ich gewußt, was diese Beleuchtung bedeutet, dann würde ich dem erschöpften Tier die Sporen gegeben haben und wäre schneller, als ich gekommen, nach Lüderitzbucht zurückgejagt. So aber sprang ich ab, pflöckte den Gaul an, stellte meine Staffelei auf und begann zu malen. Kaum je zuvor hatte ich bei einem Bilde so quälend die Ohnmacht meines Pinsels empfunden, kaum je hatte ich aber auch mit solcher Inbrunst, mit so rasender, völliger Selbstvergessenheit um die Natur gerungen wie hier. Ich überhörte das Schnauben, das unruhige Scharren meines Rappen, ich übersah den feinen Sandschleier, der sich unter den fiebrigen Atemstößen des Wüstenwindes dicht über dem Boden erhob und plötzlich war ich mitten im Sandsturm. Die Sonne verlor ihren Schein, eine fahle Dunkelheit hüllte alles ein, und durch diese Nacht, die furchtbar wie die Nacht des Jüngsten Tages war, flog der Sand in Myriaden von Kömem fast ohne Zwischenraum wie die Tropfen bei einem Tropenregen. Die brennende Luft war erfüllt von dem mahlenden Geräusch, die Luft selbst schien heißer Sand geworden, der in Mund und Nase drang, die Schleimhäute ausdörrte und zwischen den Zähnen knirschte. Ich riß meine Malsachen an mich, tappte zu dem Pferde hin, dessen Konturen sich schemenhaft wie die Umrisse eines Gespensterrosses abzeichneten, pflöckte es los. Das Tier stand bis zu den Knöcheln im Sande, es zitterte am ganzen Körper, seine Augen waren angstvoll weit aus den Höhlen gequollen. Ich faßte es am Zügel, es schwankte seitwärts wie ein Schiff, dem eine Felsnadel den Bauch aufgerissen hat, wollte sich in den flutenden Sand legen. Ich riß es hoch, watete keuchend vor ihm her, zog es mit mir. Einen Augenblick spürte ich Felsgrund unter den Füßen, rannte zurück, packte den Gaul an der Kruppe und schwang mich in den Sattel. Wir ritten - wohin wußte ich nicht. [...]

Dies ist ein Auszug aus dem Buch: Bunte leuchtende Welt. Die Lebensfahrt des Malers Ernst Vollbehr, von Ernst Vollbehr.

Buchtitel: Bunte leuchtende Welt
Untertitel: Die Lebensfahrt des Malers Ernst Vollbehr
Autor: Ernst Vollbehr
Verlag: Ullstein
Berlin, 1935
Original-Leineneinband, 17 x 25 cm, 153 Seiten, 20 farbige Tafeln

Vollbehr, Ernst im Namibiana-Buchangebot

Bunte leuchtende Welt. Die Lebensfahrt des Malers Ernst Vollbehr

Bunte leuchtende Welt. Die Lebensfahrt des Malers Ernst Vollbehr

Ernst Vollbehr beschreibt in 'Bunte leuchtende Welt. Die Lebensfahrt des Malers Ernst Vollbehr' sein Künstlerleben und seine Reisen in aller Welt, auch in den damaligen deutschen Kolonien.

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