Auf nach Südwest, von Erich von Gilsa

Auf nach Südwest. Kommentiertes und illustriertes Tagebuch eines Leutnants über seine Erlebnisse in Deutsch-Südwestafrika 1904/05. ISBN 9783869120836 / ISBN 978-3-86912-083-6

Auf nach Südwest. Kommentiertes und illustriertes Tagebuch eines Leutnants über seine Erlebnisse in Deutsch-Südwestafrika 1904/05. ISBN 9783869120836 / ISBN 978-3-86912-083-6

Das Buch Auf nach Südwest entstand aus der Bearbeitung des Tagebuchs von Erich von Gilsa, der als Schutztruppenoffizier im Namaaufstand und in Deutsch-Südwestafrika diente.

Erich von Gilsa  

Gibeon 6.2.05. Expedition an den Auob

Am 31.12.04 marschierten wir gegen 5.00 Uhr nachmittags von Gibeon ab zusammen mit der 2. Kompanie und dem Regiments-Stab (Oberst Berthold von Deimling, Adjudant Oberleutnant Ahrens, Ordonanz-Offizier Hauptmann Engler, Oberleutnant Kirsten und Vizewachtmeister der Reserve Wulff). Da unsere Tiere noch von der Hudup-Expedition sehr angestrengt, zum großen Teil sogar völlig überanstrengt waren, nahmen wir nur das Allernötigste mit, das sind zwei Geschütze, Vorrats- und ein Ochsenwagen, auf dem sich unter anderem der Rest der Munition befand; sämtliche Fahrzeuge waren mit Ochsen bespannt, die Pferde und Esel, die hierdurch frei geworden waren, wurden zur Erholung nach Hasuur (53) auf Weide geschickt. Der Weg war zunächst sehr schön und eben, doch gegen 9.30 Uhr abends mussten wir einen ziemlich steilen, langgestreckten Kalkrand erklimmen, dessen Überwindung viel Mühe verursachte. Allmählich langten jedoch alle Fußgänger bis auf diesen Ochsenwagen oben an, sodass wir bald nach 11.00 Uhr abends oben auf dem Rand die Nachtpause eintreten lassen konnten. Es war ordentlich kalt und außerdem stockfinster, nur am östlichen Horizont tobte ein starkes Gewitter. Dass sich bei seinen Blitzen der Anfang eines verzweifelt ernsten Kampfes abspielte, ahnte damals niemand von uns. Die Silvesternacht verlief, für die Batterie indes nicht zu angenehm. Ich hatte so etwa 1 1/2 Stunden etwas auf meinem Sattel geduselt, als ich plötzlich jemand sagen hörte: „Der Ochsenwagen ist immer noch nicht da." Weil wir schon um 2.00 Uhr morgens weiter marschieren sollten, war es nunmehr die höchste Zeit, dass er ankam, wenn die Ochsen auch etwas Ruhe haben sollten, was mit Rücksicht auf die bevorstehenden Anstrengungen dringend geboten war. Mit Genehmigung von Stuhlmann nahm ich nun sämtliche Treiber und 18 Ochsen und ging an die steile Stelle zurück, wo sich der Wagen denn ganz gründlich festgefahren hatte, indem nämlich die beiden Vorderräder in ein tiefes aber schmales Loch geraten waren. Zunächst musste nun alles abgeladen werden, dann auch der Wagen mit den Ochsen rückwärts aus dem Loch gezogen, wobei er so ins Rollen kam, dass er beinahe in die Tiefe der Schlucht gestürzt wäre, dann zurück wieder aufgeladen, ging es dann mit 36 Ochsen vorwärts. Die Hauptschwierigkeit bei einem so langen Gespann beruht darin, dass alle Ochsen zu gleicher Zeit angreifen; man kann derartige Gespanne also nur anwenden, wenn man genügend Treiber hat, die ihre langen Lederpeitschen über bzw. auf die Ochsenrücken sausen lassen. Für kleine Strecken kann man im Notfall auch Soldaten als Treiber verwenden; dabei geht es dann mitunter nicht allzu sanft ab, manch Mitglied des Tierschutzvereins würde wohl etwas jammern. Aber es geht eben beim besten Willen nicht anders. Kurz nach 4.00 Uhr morgens langten wir dann bei der Batterie an. Die 2. Kompanie und der Feldregiments-Stab, die sich die kühlen Nachtstunden für das Marschieren nicht entgehen lassen wollten, waren schon um 2.30 Uhr morgens weitermarschiert und wir zogen nun hinterher. Gegen halb 7 Uhr kamen wir in Kamelnaar an, einer verlassenen Farm, wo sich ein guter Brunnen mit - natürlich ausgehaktem - Windmotor befindet, dafür aber nicht ein Hälmchen Gras. Hier blieben wir 1 Vi Stunden. Da ich keinen Dienst hatte, schlief ich die ganze Zeit genussvoll auf meinem Sattel und erwachte nur einmal, um eine Tasse Kaffee zu mir zu nehmen. Um 8.00 Uhr morgens, ging es über Korakorabes weiter. Der Weg war seit unserm Abmarsch durchweg gut; die Farmen lagen jedoch stets in tiefen Einschnitten oder Rivieren, sodass denn immer ein zweimaliger und in der Regel recht beschwerlicher Ab- bzw. Aufstieg zu überwinden war. (...)

Dies ist ein Auszug aus dem Buch: Auf nach Südwest, von Erich von Gilsa.
Titel: Auf nach Südwest
Untertitel: Kommentiertes und illustriertes Tagebuch eines Leutnants über seine Erlebnisse in Deutsch-Südwestafrika 1904/05
Autor: Erich von Gilsa; Peter Spätling
Verlag: docupoint Verlag
Barleben, 2014
ISBN 9783869120836 / ISBN 978-3-86912-083-6
Broschur, 15x21 cm, 163 Seiten, zahlreiche Fotos und Illustrationen

von Gilsa, Erich und Spätling, Peter im Namibiana-Buchangebot

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