Am Lagerfeuer. Geschichten aus Busch und Werft, von Pad und Landschaft, Menschen und Schicksalen in Südwestafrika

Am Lagerfeuer. Geschichten aus Busch und Werft, von Pad und Landschaft, Menschen und Schicksalen in Südwestafrika, von Heinrich Vedder. John Meinert Ltd., Windhuk, Südwestafrika 1938

Am Lagerfeuer. Geschichten aus Busch und Werft, von Pad und Landschaft, Menschen und Schicksalen in Südwestafrika, von Heinrich Vedder. John Meinert Ltd., Windhuk, Südwestafrika 1938

Der Landesprobst Südwestafrikas, Andreas Wackwitz, ein guter Freund Dr. Heinrich Vedders, schrieb das hier teilweise zitierte Vorwort zu dessen Werk 'Am Lagerfeuer. Geschichten aus Busch und Werft, von Pad und Landschaft, Menschen und Schicksalen in Südwestafrika'.

Heinrich Vedder  

[...] „Nun reden lauter alle springenden Brunnen...", ja, auch das Menschenherz verlangt nun nach Rede und Gegenrede, es schließt sich auf dem Freunde und Gefährten, es erzählt von seinen Gedanken und Wünschen, es grübelt an den Rätseln und Geheimnissen der Natur und des Lebens, es sinnt der Geschichte des weiten und herrlichen, des wilden und gefährlichen Afrika und seiner Menschen nach, — und es freut sich der Anteilnahme des Gefährten. So trägt der Wind eure Rede und Gegenrede über die Steppe und in den Busch, von Zeit zu Zeit stopft ihr die Pfeifen, gebt ihr dem Feuer Nahrung, zuweilen schweigt ihr auch und horcht nach dem Schritt eurer Pferde, nach dem Knistern des Feuers, nach dem Gespräch eurer Eingeborenenbegleiter dort am andern Feuer, oder ihr horcht auch ins eigene Herz hinein, bis das Brünnlein der Rede wieder zu quellen beginnt. Nach einem heißen Tag und anstrengendem Ritt in den östlichen Randbergen der Namib kam ich abends mit meinem Freund, einem Farmer und Jäger in freieres Gelände. Beim aufgehenden Mond fanden wir die Wasserstelle, aber, o Schreck für mich Stadtmenschen und Schreibtischhocker, sie war trocken! Zebras hatten daran herumgestampft und metertiefe Löcher gescharrt, aber auch sie hatten kein Wasser gefunden. Nach kurzer Beratung ging's weiter, um die Wasserstelle aufzusuchen, die erst am nächsten Tage erreicht werden sollte. Eine Hochfläche hinauf und dann hinein in ein wildes, schluchtenzerrissenes Gebirge. Der Mond mag sich über unsern müden Zug gewundert haben: voran mein Jägerfreund, dann ich, dann der Hund Wachtel, dann der Bergkaffer Isaak mit dem Packpferd, zuletzt ein Esel mit Tellereisen und Kaffernkost und als Schließender zu allerletzt Isaaks vierzehnjähriger Sohn, Acherub gerufen; wir Weißen zu Pferde, die Kaffern auf Eseln. Meine Feldflasche wurde immer leichter, die Kehle trotzdem immer trockener. Wo es besonders steil bergauf oder bergab ging, führten wir die Pferde. Eine Lust war's bestimmt nicht. Ich dachte: warum bist du nun ausgerechnet nach Afrika gegangen? Mitternacht mag vorbei gewesen sein, da hielt mein Freund oben auf einer Höhe an und sagte: „Hier ist es." Und da hörte ich auf einmal unten im Grunde Frösche quaken und sah im Mondlicht offenes Wasser glitzern und hörte den Wind in den Kronen riesiger Feigenbäume rauschen. Nun ging's hinab ins Paradies. Neue Kraft strömte durch die Glieder. Die Sättel herunter, die Pferde gespannt, den Kochtopf heraus, Wasser geholt, was waren das alles für herrliche Handgriffel Schon loderte unter den uralten Feigenbäumen ein Lagerfeuer, Tee wurde gekocht, Reis und Konservenfleisch brodelte im Topf, und in der Pfanne schmorte eine Springbockleber. Geredet wurde nur das Notwendigste, jeder hatte noch zuviel zu tun. Als das Mahl dann fertig war, wurden wir gesprächiger: wir lobten stolz unser eigenes Werk. So ist der Mensch. Wenn ihm mal was gelungen ist, dann hat er oft nicht mehr Verstand als die Henne, die ein Ei gelegt hat und gackert. Und nun denkt ihr wohl, wir hätten uns mit Speise und Trank gesättigt und hätten dann todmüde uns unter unsere Schlafdecken verkrochen? Weit gefehlt! Nun kam erst der Tabaksbeutel zu seinem guten, gottgewollten Recht. Und nun wurde aus dem Kochfeuer ein richtiges Kapitäns- und Häuptlingsfeuer gemacht. Isaak mußte dicke Äste heranschleppen. Im Blätterdach der wilden Feigenbäume fingen sich die Funken; der Mond wurde fast blaß vor Neid, als er das stolze, leuchtende Feuer sah. Und dann streckten wir uns in den weichen Sand und lehnten ans an die Sättel, und es wurde; ein afrikanisches Lagerfeuer, wie es eben zu Afrika gehört und nur hier erlebt werden kann. Kriegserinnerungen aus den Feldzügen in Südwest und Europa: deutsche Offiziere und Hottentottenkapitäne, Generale und Hererohäuptlinge gingen durch unsere Gespräche. Die Gedanken wanderten zurück in die alte Zeit des Ochsenwagens, in die Jahrzehnte der großen Jäger und der ersten Missionare. Geheimnisvollen Bräuchen der Eingeborenen, Merkwürdigkeiten ihrer Seelen- und Sinnesart spürte unsere Rede nach; ihre Fabeln und Märchen erzählten wir uns wieder. Die große und wunderbare Natur, die uns umgab, suchten wir zu enträtseln, von den ewigen Sternen Gottes angefangen bis zum Pfeilgift der Buschmänner, vom Nashorn und Elefanten bis zur Termite und zum Moskito. Ach, was entzündet so ein Lagerfeuer im weiten Afrika nicht alles an Gedanken in unseren Herzen und Köpfen! Schön ist es auch, von allerlei Reisen zu berichten; zu erzählen, was man alles an Neuem gesehen hat und wie man durch Erleben reicher geworden ist. [...]

Dies ist ein Auszug aus dem Buch 'Am Lagerfeuer. Geschichten aus Busch und Werft, von Pad und Landschaft, Menschen und Schicksalen in Südwestafrika', von Heinrich Vedder.

Titel: Am Lagerfeuer
Untertitel: Geschichten aus Busch und Werft, von Pad und Landschaft, Menschen und Schicksalen in Südwestafrika
Autor: Heinrich Vedder et al.
Verlag: John Meinert
Windhuk, Südwestafrika 1938
Original-Leinenband, 16 x 25 cm, 231 Seiten, etliche Illustrationen und Abbildungen

Vedder, Heinrich im Namibiana-Buchangebot

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