Friedrich von Erckert

Friedrich von Erckert (1869-1908) war ein deutscher Gardeoffizier und Hauptmann der Kaiserlichen Schutztruppe für Südwestafrika. Foto: Die letzte Aufnahme von Friedrich von Erckert vor seinem Tod am 16.03.1908.

Friedrich von Erckert (1869-1908) war ein deutscher Gardeoffizier und Hauptmann der Kaiserlichen Schutztruppe für Südwestafrika. Foto: Die letzte Aufnahme von Friedrich von Erckert vor seinem Tod am 16.03.1908.

Friedrich von Erckert (1869-1908) war ein deutscher Gardeoffizier und Hauptmann der Kaiserlichen Schutztruppe für Südwestafrika.

Friedrich von Erckert wurde am 30.12.1869 im westpreußischen Bromberg geboren, besuchte das Gymnasium in Freienwalde und die Kadettenanstalten im niederschlesischen Wahlstatt sowie in Lichterfelde bei Berlin. 1889 trat er im Rang eines Sekondeleutnant in das Grenadier-Regiment „König Friedrich Wilhelm IV.“ Nr. 2 in Stettin ein. Von 1895 bis 1897 wurde er nach Chile entsandt, um dort als Ausbilder der nach preußischem Vorbild aufzubauenden Armee zu dienen. Danach wurde er, inzwischen Premierleutnant, in das Garde-Füsilier-Regiment in Berlin versetzt. Im November 1899 bewarb sich Friedrich von Erckert für die Verwendung in der Schutztruppe für Südwestafrika und war dort von 1900 bis 1902 als Distriktchef, später als Bezirkshauptmann von Omaruru tätig. Ende 1902 kehrte er in das Deutsche Reich zurück und diente im Braunschweigischen Infanterie-Regiment Nr. 92, wo er seit 1904 als Hauptmann und Kompaniechef der 2. Kompanie eingesetzt war. Bei Ausbruch des Herero-Aufstandes in Deutsch-Südwestafrika, meldete sich Friedrich von Erckert wieder zur Kaiserlichen Schutztruppe. Er wurde im November 1904 in das deutsche Schutzgebiet kommandiert, dort mit der Führung der 12. Kompagnie des 2. Feldregiments betraut und nahm an den Gefechten bei Narudas, Narus, Norechab und Hartebeestmund gegen die aufständischen Nama teil. Im April 1907 wurde Friedrich von Erckert zum Kommandeur des Militärbezirkes Nord-Namaland ernannt und übernahm die militärische Aufgabe, die Raub- und Mordzüge des Nama-Kapitän Simon Kopper, der sich nicht den Friedensvereinbarung zwischen den Deutschen und den übrigen Nama-Gruppen angeschlossen hatte, zu beenden. Simon Kopper und seine Gefolgsleute versteckten und bewegten sich in den Weiten der Kalahari im Grenzgebiet zwischen deutschem und britischem Einflußgebiet und waren, für damalige Verhältnisse, unauffindbar und unerreichbar. Friedrich von Erckert beschäftigte sich intensiv mit dieser militärischen und logistischen Herausforderung und erarbeitete eine Denkschrift über eine Unternehmung gegen Simon Kopper in die Kalahari. Sein Lösungsansatz, der von seinem Vorgesetzen Ludwig von Estorff gutgeheißen wurde, sah die erstmalige Aufstellung einer Kamelreiter-Kompanie und ein intensives Reit-, Schieß- und Gewöhnungstraining zur Vorbereitung auf die Herausforderungen der Expedition, Hitze, Durst und große Marschleistungen, vor. Im Oktober 1907 begann die Spezialausbildung des reitenden Personals, der Aufbau der logistischen Grundlagen für die Expedition sowie die fortlaufende Aufklärung über den ungefähren Verbleib Simon Koppers. Am 04.03.1908 rückte der Hauptmann mit seiner Einheit ab und griff die Werft Koppers in den Morgenstunden des 16.03.1908 bei Seatsub an. Friedrich von Erckert, in den Hals getroffen, fiel dabei als einer der ersten von insgesamt fünfzehn Deutschen. Auf Seiten der Nama fielen 58 Mann, Simon Kopper entkam. Die Toten wurden provisorisch im Feld bestattet und die Gräber fotografiert. Dennoch stellte sich, etliche Monate später, das Wiederauffinden der Gräber und damit das Bergen der Gefallenen, als unmöglich heraus. Der Grabstein für Friedrich von Erckert auf dem Friedhof zu Gochas steht daher auf einem Scheingrab. Das ungewöhnliche Kommandounternehmen, nach dessen Ende Kaiser Wilhelm II. seine Glückwünsche und Anteilnahme in die deutsche Kolonie telegraphieren ließ, ging in die militärische und Landesgeschichte Südwestafrikas und in die Literatur ein. Der besondere, moderne Charakter des Unternehmens, das sich damals von allen Mustern und Dienstvorschriften des Heeresdienstes löste und ausschließlich zweckgerichtet geplant und durchgeführt wurde, fand große Beachtung und Anerkennung und ist seitdem immer wieder Gegenstand zahlreicher Untersuchungen, Interpretationen und Erzählungen. Die Biographie Friedrich von Erckerts, der als charakterfester, loyaler und überdurchschnittlich leistungsbereiter und intelligenter Mensch galt, ist eine der besterforschten unter denen der deutschen Schutztruppenoffiziere. Viele Ansichten und Denkweisen des markanten Offiziers sind durch seine Artikel, die er für das Blatt „Die Zukunft“ und in dem Buch 'Mit der Schutztruppe durch Deutsch-Afrika', das er als Co-Autor und unter dem Pseudonym Simplex Africanus schrieb, überliefert.


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