Tierleben in Südwestafrika, von Fritz Gaerdes

Tierleben in Südwestafrika, von Fritz Gaerdes. S.W.A. Wissenschaftliche Gesellschaft. Windhoek, Südwestafrika 1961.

Tierleben in Südwestafrika, von Fritz Gaerdes. S.W.A. Wissenschaftliche Gesellschaft. Windhoek, Südwestafrika 1961.

Fritz Gaerdes war zu seiner Zeit einer der versiertesten Zoologen Südwestafrikas und schrieb, neben diesem über das Tierleben seiner Wahlheimat, einige weitere naturkundliche Werke.

Fritz Gaerdes  

Tierleben in Südwestafrika

In jedem Naturgebiet lebt eine Anzahl von Tierarten, die hier ihre Lebensbedingungen findet. Es ist ihr Lebensraum, er bietet ihnen die nötige Nahrung und Schutz vor Feinden. Sie sind von der Pflanzenwelt und voneinander abhängig. Ihre Zahl hängt ab von der verfügbaren Nahrungsmenge. Vermehrt sich eine Art infolge günstiger Lebensbedingungen stark, so vermehren sich auch ihre Feinde, bis das Gleichgewicht wieder hergestellt ist, das heißt, bis die Anzahl der Tiere nicht größer ist, als der Lebensraum zuläßt. Verändert sich durch Naturereignisse oder durch Eingreifen des Menschen die Umwelt, so werden Tierarten, die sich der neuen Umgebung nicht anpassen können, zugrunde gehen. Andere werden bessere Lebensbedingungen finden und sich stark vermehren. Wir sehen es überall auf der Erde. Große Strecken Landes müssen für den Anbau von Getreide, Kartoffeln, Obst und andern Nutzpflanzen in Kulturland verwandelt werden, um die Bevölkerung zu ernähren. Die ursprüngliche Tierwelt verschwindet und andere Tiere, vor allem Insekten, die von diesen Nutzpflanzen leben, vermehren sich stark. Um seine Nahrungsmittel zu schützen, muß der Mensch wieder diese Schädlinge bekämpfen. Millionen werden jährlich für Schädlingsbekämpfung ausgegeben, und zahlreiche Wissenschaftler sind damit beschäftigt, neue und wirksame Methoden auszufinden. Die strenge Kontrolle, die bei der Einfuhr von Pflanzen oder Tieren in Südwestafrika ausgeübt wird, soll das Einschleppen von Schädlingen verhindern. [...]

Das Steppenschuppentier (Manis temminckii)

Zu den eigenartigsten Tieren unseres Landes gehört das Schuppentier. Der gesarate Rücken wie auch die Unterseite des langen, abgeplatteten Schwanzes und die Beine sind mit großen, breiten Hornschuppen bedeckt, die dachziegelartig übereinander liegen. Mit der braunroten Farbe und den Schuppen erinnert das Tier an einen großen Tannenzapfen. Wird es gestört, so rollt es sich zu einer Kugel auf. Der Schwanz wird über den Kopf geklappt, daß dieser und die Unterseite vollständig geschützt sind. Das Schuppentier bevorzugt die sandige Steppe, kommt aber auch im felsigen Gelände vor. Den Tag verbringt das Schuppentier, das mit dem Schwanz eine Länge von mehr als einem Meter erreicht, in selbstgegrabenen Höhlen. Termiten sind die Hauptnahrung des Schuppentieres. Mit den starken Grabkrallen werden die Gänge geöffnet und mit der langen, vorn abgeflachten Zunge die Insekten herausgeholt. Da das Schuppentier keine Zähne hat, werden die Insekten ganz verschluckt und von der hornigen Magenhaut zerkleinert. Das Schuppentier, das neben Termiten und Ameisen auch Heuschrecken und Käfer frißt, gehört zu unsern nützlichsten Tieren und ist durch strenge Gesetze geschützt.

Der Graue Lärmvogel (Corythaixoides concolor)

Die Bezeichnung Lärm- oder Bähvogel ist ebenso treffend wie der afrikanische Name Kwevoel oder der englische „Goway bird". Bei jeder Aufregung oder Störung läßt der Vogel sein lautes „Bäh" ertönen, oft zum Zorn des Jägers, dem er dann noch vorausfliegt. Irreführend ist die Bezeichnung Kakadu nach seinem Federschopf auf dem Kopfe. Kakadus gibt es in Südwest nicht. Der Lärmvogel hält sich fast ausschließlich in den Kronen der Bäume auf, wo er sehr geschickt durch das dichte Gezweig schlüpft. Außer in der Brutzeit sind meistens kleinere Trupps beisammen. Die Lärmvögel leben hauptsächlich von Beeren und anderen Früchten. In den Gärten richten sie nicht selten Schaden an, besonders die Früchte der Dattelpalmen sind bei ihnen sehr beliebt. Ihr ganzes Verhalten zeigt, daß sie im Vergleich zu andern Vögeln intelligente Tiere sind. Das kunstlose Nest in dichten Baumkronen enthält 2—3 gelblichweiße Eier.

Dies ist ein Auszug aus dem Buch: Tierleben in Südwestafrika, von Fritz Gaerdes.

Titel: Tierleben in Südwest Afrika
Untertitel: Leitfaden der Zoologie von Südwestafrika
Autor: Fritz Gaerdes
Verlag: S.W.A. Wissenschaftliche Gesellschaft
Windhoek, Südwestafrika 1961
Originalbroschur, 17x24 cm, 265 Seiten, 76 Tafeln mit 266 sw-Abbildungen

Gaerdes, Fritz im Namibiana-Buchangebot

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