Reportage Namibia. Durch die Augen des Geparden, von Fabian von Poser

Reportage Namibia. Durch die Augen des Geparden. Autor: Fabian von Poser. Picus Verlag. 3., überarbeitete Auflage. Wien, 2017. ISBN 9783854529750 / ISBN 978-3-85452-975-0

Reportage Namibia. Durch die Augen des Geparden. Autor: Fabian von Poser. Picus Verlag. 3., überarbeitete Auflage. Wien, 2017. ISBN 9783854529750 / ISBN 978-3-85452-975-0

Reportage Namibia. Durch die Augen des Geparden, von Fabian von Poser. Picus Reportagen, 2. Auflage

Reportage Namibia. Durch die Augen des Geparden, von Fabian von Poser. Picus Reportagen, 2. Auflage

Fabian von Poser schreibt in 'Reportage Namibia: Durch die Augen des Geparden', elf abenteuerliche und packende Reiseberichte - ohne rosarote Brille.

Fabian von Poser  

Kaiser Wilhelms vergessene Schlachtrösser

In der Dürre der Namib-Wüste leben die einzigen Wildpferde Afrikas. Sie stammen von Tieren ab, die vor fast hundert Jahren von der deutschen Schutztruppe zurückgelassen wurden. Wenn der Morgen noch jung ist, die Sonnenstrahlen noch Farbe tragen, die Stille der Nacht sich mit den Geräuschen des anbrechenden Tages vermengt, wenn die Luft noch nicht verbrannt riecht, sich die Wüste, eben noch dunkel, erst in einen purpurroten, dann einen rosafarbenen, später in einen zimtfarben und schließlich in einen honiggelben Teppich aus Sand verwandelt: In jener zauberhaften Stunde, da sich das Tageslicht wie Gold über die Dünen wirft, sich alle Farben, die die Wüste tragen kann, für Momente übereinanderlegen, und Ocker und Bernstein und Gelb und Gold sich zu einem warmen Farbton vermischen, ist es Zeit für Piet Swiegers, aus dem kleinen Unterstand herauszutreten und in die Namib hinauszuspazieren. Dann schnürt der Zweiundvierzigjährige seine Stiefel, greift sein Fernglas und schreitet hinaus ins Nichts. Es ist ein Nichts, das endlos zu sein scheint und weit, ein Nichts, das durch nichts begrenzt ist, außer durch sich selbst. Hin und wieder späht Swiegers durch sein Fernglas, durchfurcht die Ebene mit den Augen wie mit einem Rechen, sucht sie ab, die leicht gewellten Hügel und die Flanken des Dikken Willem, dessen gewölbte Rundung sich wie ein aufgeplusterter Bauch über die Ebene erhebt. Und immer, fast immer, wird Swiegers zu dieser Stunde fündig. »Da sind sie«, haucht er dann so sanft wie der Wind im Savannengras. Piet Swiegers kennt diesen Ort seit seiner Kindheit. Seit 1983 genauer gesagt, als sein Vater eine Farm nahe dem unweit gelegenen Örtchen Aus kaufte. Seitdem ist er immer wieder hierher gekommen, hat Stunden, Tage, ja Wochen hier verbracht. Wahrscheinlich hat er mehrere Monate in der Wüste gewartet und gespäht. Waren, wie so oft um diese Uhrzeit, noch keine Touristen unterwegs, war er mit sich und der Wüste und den Tieren ganz allein, dann ist er mit dem Fernglas hinausgegangen in die Namib, um ihre Ankunft abzupassen. Den Zauber dieser frühen Stunde, wenn die Pferde nach ihren nächtlichen Wanderungen an die Tränke kommen, wenn sie durstig, ausgemergelt und gierig nach Wasser, zurückkehren zu ihrem Lebensspender, fühlt Swiegers heute noch wie am ersten Tag. »Wunderschön, was?«, sagt er mit leiser Stimme, so als wollte er die Ruhe der Wüste nicht stören. »Als Kinder«, sagt Swiegers, »als Kinder sahen wir im Vorbeifahren oft nur ihre Schatten im Wüstensand. Damals nannten wir sie nur Geisterpferde.« Wer den Moment ihrer Ankunft erlebt, diesen erhabenen Augenblick, in dem die Pferde quasi aus dem Nichts auftauchen und sich mit schabenden Schritten an die Tränke bewegen, der kann es bestätigen. Wenn die Sonne golden über dem Horizont hängt, das karge Wüstengras im Gegenlicht glänzt, die Mähnen der Tiere auf- und abwogen. Swiegers nimmt erneut sein Fernglas und bekräftigt es noch einmal: »Sie kommen.« Die ersten Tiere sind jetzt mit bloßem Auge zu erkennen. Erst sind es nur wenige, dann, ganz langsam, werden es immer mehr. Ein Dutzend, vielleicht fünfzehn Pferde setzen behäbig Huf vor Huf. Träge trotten sie durch das Nichts. Kein Geräusch, kein Mensch, kein anderes Tier stört die Ruhe. Bis sich zwei Hengste wie Scherenschnitte aus der Gruppe schälen. Mit bedächtigen Schritten bewegen sie sich aufeinander zu. Ihre Mähnen schimmern im Sonnenlicht, die Hufe knirschen im Sand. Nur noch wenige Meter sind sie voneinander entfernt. Erst sieht es so aus, als bewegten sie sich friedlich aufeinander zu. Dann plötzlich steigt eines der beiden Tiere hoch, stellt sich drohend auf die Hinterläufe und tritt mit voller Wucht zu. Ein gequältes Wiehern, ein kurzer Schlagabtausch. Zwei, drei Tritte mit den Vorderhufen. Dann zieht der schwächere der beiden Hengste ab und es wird wieder still in der Namib. Das kleine Scharmützel ist ein Machtkampf, eine Auseinandersetzung um Rang oder Status in der Herde, vielleicht um die Aufmerksamkeit einer Stute. Ein Kampf, der stellvertretend ist für das Leben dieser Tiere. Und für ihren Überlebenswillen. Seit fast hundert Jahren überleben die Pferde von Garub im äußersten Süden Namibias unter der glühenden Wüstensonne. Über die Frage, woher die Tiere kommen, wer sie hier in diesen abgelegenen Winkel Namibias gebracht hat, ist viel spekuliert worden. Bis heute ist ihre Herkunft nicht ganz geklärt. Einig ist man sich nur in einem Punkt: Heimisch sind die Tiere hier nicht. Im südlichen Afrika hat es nie Pferde gegeben. [...]

Dies ist ein Auszug aus dem Buch: Reportage Namibia. Durch die Augen des Geparden, von Fabian von Poser.

Buchtitel: Reportage Namibia
Untertitel: Durch die Augen des Geparden
Autor: Fabian von Poser
Reihe: Picus Reportagen
Picus Verlag
3., überarbeitete Auflage. Wien, 2017
ISBN 9783854529750 / ISBN 978-3-85452-975-0
Kartoneinband mit Schutzumschlag, 11 x 21 cm, 132 Seiten

von Poser, Fabian im Namibiana-Buchangebot

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Reportage Namibia: Durch die Augen des Geparden sind elf abenteuerliche und mitreißende Reportagen von Fabian von Poser.

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