Methodisch-geomorphologische Probleme der ariden und semiariden Zone Südwestafrikas, von Hartmut Leser, Wolf-Dieter Blümel, Klaus Hüser, Helga Bester, Friedrich Wieneke und Uwe Rust

Die 1976 erschienenen Veröffentlichungen des 1. Basler Geomethodischen Colloquiums hatten methodisch-geomorphologische Probleme der ariden und semiariden Zone Südwestafrikas zum Thema.

Helga Besler  Klaus Hüser  Wolf Dieter Blümel  Hartmut Leser  Uwe Rust  

Aus dem Beitrag: Kalkkrustenvorkommen in Südwestafrika; Untersuchungsmethoden und ihre Aussage

Im Namib-Randbereich zwischen Tsondab und Gaub sowie im Erongo und seinen Vorländern wurden fossile Kalkkrusten (-generationen) festgestellt. Sie werden unter den gegenwärtigen Klimabedingungen aufgelöst und am Namibrand z.T. von rezenten Flugsanden und Dünen überlagert. Morphologisch treten die Krustenreste als homolithische Schicht-Stufen, isolierte Tafelberge und als Krustenflächen auf, die mit fußflächenartigen Schleppen an aufragenden Gesteinsrippen ansetzen. Nach dem Habitus ihres eingeschlossenen Substrats lassen sich die Karbonatkrusten in drei Phänotypen einteilen: Fänger- und Hangschuttkrusten; Sandkalkkrusten und Detrituskrusten. Die beiden erstgenannten stehen genetisch in direkter Verbindung, indem sie inkrustierte Abschnitte einer konkaven Pedimentationsschleppe darstellen. Dabei geht mit wachsender Entfernung vom Gebirgshinterland die Fangerkrüste unter Abnahme von Korngröße und Anzahl des verbackenen Fremdmaterials in eine reine Sandkalkkruste über. (Vorstellungen über den genetischen Prozeßablauf finden sich im Text.) Detrituskrusten kommen hauptsächlich im/am Erongo vor und besitzen an Stelle von Sandkonkretionen oder Fängern ein Skelett aus Gruskomponenten des anstehenden Kristallins. Alle Krustentypen sind vom Verbackungsgrad her zu untergliedern in eine harte, matrixreiche Oberkruste (mit lamellar ausgebildeter Oberflächenschwarte) und in eine locker gepackte Unterkruste aus kugelig-knolligen Sandkonkretionen oder umkleideten Gesteinsfragmenten. Verschiedene Untersuchungsmöglichkeitcn mit ihrem bisherigen Ergebnistrend werden vorgestellt und nach ihrer Aussagemöglichkeit für stratigraphische Zuordnungsprobleme sowie genetische Fragestellungen überprüft: Die sedimentpretrographische Analyse (Verhältnisbestimmung von Matrix und Residuum; Korngrößenverteilung des eingeschlossenen Feinsediments u.a.) unterstützt die Vergleichsdokumentation, die Kenntnis vom strukturellen Krustenaufbau und damit genetische Deutungsmöglichkeiten. So sind reine Sand- und Detrituskrusten aus der Verbackung autochthonen karbonatfreien Substrats durch allochthone Kalkmatrix gebildet worden, was vor allem durch vergleichende Korngrößenanalysen des Residuums und des liegenden Ausgangsmaterials nachgewiesen werden konnte. Nur die kombinierte Verwendung von Tonmineral-und Schwermineralanalyse mit der Residuumanalyse eignet sich zur stratigraphischen Zuordnung isolierter Krustenflächenreste. Dies wird am Beispiel von vier Kalkkrustengenerationen auf Farm-gebiet Cha-Re/Namib demonstriert.

Die Aussage chemischer Detailuntersuchungen (Bestimmung der Ionen-Führung im HC1- Aufschluß) muß trotz sorgfältiger Probenvorbereitung besonders kritisch betrachtet werden, da wegen der starken Dispergierung des Bindemittels verfälschte Ergebnisse geliefert werden. Insgesamt gilt, daß der Fe- und AI-Gehalt der Krusten vom eingeschlossenen Substrat her bestimmt wird, was keine genetische Interpretation erlaubt. Dagegen zeigt der von unten Richtung Krustenoberfläche stark ansteigende Strontium-Gehalt, daß aszendente Lösungsmittelbewegung bei der Krustenbildung mitgewirkt haben muß. Die zum Teil sehr aufwendigen Probenverfahren erweisen sich nur dann als sinnvoll, wenn sie in eine Argumentation eingebaut werden, die sich auf gründliche Geländebeobachtungen stützt und gezielt auf eine Arbeitshypothese ausgerichtet sind. [...]

Inhaltsverzeichnis:

Zusammenfassung
Summary
Resume
1. Verbreitung und Erhaltungsgrad von Karbonatkrusten in SWA
2. Charakteristik und Aufbau unterschiedlicher Kalkkrustentypen in SWA
2.1 Hauptkrustentypen
2.2 Strukturmerkmale von Ober-und Unterkrusten
3. Angewandte petrographische Untersuchungsmethoden
3.1 Das Residuum/Matrix-Verhältnis
3.2 Residuumsvergleich zweier Krustentypen
3.3 Korngrößenanalyse
3.4 Zur stratigraphischen Unterscheidung von Krustengenerationen
4. Chemische Analysen
5. Beobachtungen an Dünnschliffen und Schnitten
6. Genetische Aspekte der Kalkkrustenbildung in SWA
7. Labormethoden und stratigraphische Zuordnung/Unterscheidung .
8. Literatur
9. Diskussion
Angaben über den Autor

Dies ist ein Auszug aus dem Buch: Methodisch-geomorphologische Probleme der ariden und semiariden Zone Südwestafrikas, von Hartmut Leser, Wolf-Dieter Blümel, Klaus Hüser, Helga Bester, Friedrich Wieneke und Uwe Rust.

Buchtitel: Methodisch-geomorphologische Probleme der ariden und semiariden Zone Südwestafrikas
Untertitel: Veröffentlichungen des 1. Basler Geomethodischen Colloquiums
Reihe: Mitteilungen der Basler Afrika Bibliographien, Vol. 15
Autoren: Hartmut Leser; Wolf-Dieter Blümel; Klaus Hüser; Helga Bester; Friedrich Wieneke; Uwe Rust
Verlag: Basler Afrika Bibliographien
Basel, Schweiz 1976
ISBN: keine
Broschur, 15x21 cm, 156 Seiten, etliche Tabellen und sw-Fotos

Leser, Hartmut und Blümel, Wolf-Dieter und Hüser, Klaus und Besler, Helga und Wieneke, Friedrich und Rust, Uwe im Namibiana-Buchangebot

Südwestafrika. Eine geographische Landeskunde

Südwestafrika. Eine geographische Landeskunde

Südwestafrika: Eine geographische Landeskunde gibt einen Überblick über die geographische Gesamtsituation Südwestafrikas, inkl. den Geofaktoren Klima, Wasser, Relief, Pflanzen, Tieren und Böden.

Methodisch-geomorphologische Probleme der ariden und semiariden Zone Südwestafrikas

Methodisch-geomorphologische Probleme der ariden und semiariden Zone Südwestafrikas

Die 1976 erschienenen Veröffentlichungen des 1. Basler Geomethodischen Colloquiums hatten methodisch-geomorphologische Probleme der ariden und semiariden Zone Südwestafrikas zum Thema.

Namibia. Eine Landschaftskunde in Bildern

Namibia. Eine Landschaftskunde in Bildern

Interessanter und anregender als in diesen Mittelformat-Bildern kann man die Landschaftskunde von Namibia kaum darstellen .