Meine Kriegserlebnisse in Deutsch-Südwestafrika, von Bernd Kroemer

Meine Kriegserlebnisse in Deutsch-Südwestafrika, von Bernd Kroemer und Anonymus. Glanz & Gloria Verlag. Windhoek, Namibia 2014; ISBN 9789991687261 / ISBN 978-99916-872-6-1

Meine Kriegserlebnisse in Deutsch-Südwestafrika, von Bernd Kroemer und Anonymus. Glanz & Gloria Verlag. Windhoek, Namibia 2014; ISBN 9789991687261 / ISBN 978-99916-872-6-1

Bernd Kroemer hat 2014 das heute seltene Buch eines unbekannten Offizers der Kaiserlichen Schutztruppe neu herausgegeben und dieses erweitert. Dessen Erinnerungen erschienen 1907 unter dem Titel: Meine Kriegserlebnisse in Deutsch-Südwest-Afrika.

Bernd Kroemer  

[...] Wir sind doch erst morgens, und zwar 6 Uhr 15 Minuten, abgeritten, 20 Pferde stark bei drei Reservepferden. Wären wir des Nachts geritten, so würden wir eine Wasserstelle, auf der bei der Wasserarmut im Norden und Nordwesten, die Möglichkeit, unsere Patrouille auszuführen, beruhte, wahrscheinlich nicht gefunden haben. Gleich anfangs verloren wir vier von unseren Leuten; zu Salzmanns und meinem maßlosen Ärger vergingen 50 Minuten, bis wir sie wieder hatten. Es ist falsch, wenn einer Patrouille Leute aller möglichen Truppenteile, die man nicht kennt, zugeteilt werden. Wir ritten nach Nordwesten; unglaublich dichter Busch, dann zwei große Savannenflächen mit einzelnen hohen Bäumen. An der einen Stelle stand ein Hartebeest auf 200 Schritt, wie gemalt, und sah uns erstaunt an. Der Nähe des Feindes wegen konnten wir natürlich nicht schießen. Das Tier nahm offenbar grosses Interesse an unserer Karawane; trollend begleitete es uns ein ganze Strecke Weges. Wir biegen nach Westen um: die ersten Spuren vom Feind. Im dichten Busch hatte Vieh in Mengen gestanden; auch hatte das Bambusenvolk - Weiber, alte Leute, Kinder, Sklaven - überall nach Feldkost gegraben. Die Bambusen werden von den Orlogleuten in schmaler Kost gehalten und graben sich deshalb überall „Omtjes" und „Onkjes" zwiebelartige Knollen und Erdnüsse, die nicht übel schmecken, aus dem Boden. Auch das Wild sucht eifrig nach diesen Leckerbissen; leider kann man infolgedessen kaum drei Schritt reiten, ohne daß der Gaul in irgendein Loch tritt. Verlassene Viehkraale mit ziemlich frischem Mist; gleichfalls verlassene, ziemlich flüchtig aufgeführte „Pontoks". Im Flussbett, das sich um den Waterberg herumzieht, viele frisch gegrabene Wasserlöcher, die sauber in dem roten Tonboden ausgestochen sind. Sie sind das Werk von Damara, gefangenen Namas und Bastards. Die Löcher enthalten gutes Wasser. Nordwestlich der Wasserstellen, in leidlich gutem Gras, satteln wir auf der Hochfläche ab, ein Luxus, den man sich nur auf verhältnismäßig freiem Feld gestatten kann. Das „Spannen" der Pferde nach Burenart können wir uns schenken; sie bleiben auch ohnedies beieinander. Als Posten setzen wir einen Witboi auf einen Baum; auch Lt. Khaynach erklettert einen solchen, fällt aber sofort wieder herunter, da ein Ast bricht. So ließen wir die Haupthitze des Mittags vorübergehen, tränkten dann nochmals und ritten los auf freier Fläche und die Seitenpatrouille weit ab. Wir wußten, daß wir nunmehr 24 Stunden lang kein Wasser haben würden. Unser Ziel waren die Osondjache-Berge, die links vom kleinen Waterberge blau und duftig sich vom Horizont abzeichneten. Die nach allen Seiten scharf abfallende Bergplatte des letzteren wuchs höher und höher, etwas rechts von unserer Marschrichtung. Im Osten verläuft das Plateau im Dunst; dahinter aber reckt sich in derselben Art, nur noch gewaltiger in den Linien, der große Waterberg. Um den kleinen Waterberg mußten wir herum, um Omuverumue zu erreichen, das Tal, durch das die Hereros ihren etwaigen Abzug bewerkstelligen mußten. Die Pad von Otjire nach Ombuatjipiro, die wir nach einem Ritt von anderthalb Stunden überschritten, läuft nicht, wie auf der Karte, in gerader Linie, sondern führt, in weitem Bogen westlich ausholend, dichter am kleinen Waterberg vorüber. Um 6 Uhr abends, gerade als der Tag zu schwinden begann, erreichten wir den Rand der freien Fläche. Den Berg, der unser Nachtziel war, sahen wir jetzt schon deutlicher vor uns liegen. Zu einer wichtigen Beobachtung bot sich Gelegenheit; am Fusse des Berges stiegen Staubwolken auf; ergo war Okambukaaundja noch vom Feinde besetzt, und dieser nicht im Abmarsch. Der Mond ging auf, und der nächtliche Teil unseres Trecks nahm seinen Anfang. Nach einstündigem Ritt plötzlich „Halt!" Ein Feuer ist sichtbar geworden, scheinbar ganz nahe vor uns. Doch Melchior, Khaynach und zwei Witbois, die zu Fuß vorgehen, kommen mit der Meldung zurück, daß es sich zwar nicht nur um eins, sondern um zwei Feuer handle, daß diese aber noch sehr weit entfernt seien. Vorsichtig ging es weiter. Wieder „Halt!" Diesmal riecht es nach Rauch, ohne daß das Feuer, von dem er ausgeht, zunächst sichtbar ist. Ein Mann steigt auf einen Baum und entdeckt es in unserer rechten Flanke. Am Fuße des Waterberg-Westabhangs sieht er noch weitere Brände. Wir sind also inmitten kampierender Herero-Werften. [...]

Dies ist ein Auszug aus dem Buch: Meine Kriegserlebnisse in Deutsch-Südwestafrika, von Bernd Kroemer.

Titel: Meine Kriegserlebnisse in Deutsch-Südwestafrika
Untertitel: Ein Pionier erzählt aus seinem Leben
Autor: Anonymus; Bernd Kroemer
Herausgeber: Bernd Kroemer
Glanz & Gloria Verlag
Windhoek, Namibia 2014
ISBN 9789991687261 / ISBN 978-99916-872-6-1
Broschur, 15x21 cm, 116 Seiten, 22 sw-Fotos und Abbildungen

Kroemer, Bernd im Namibiana-Buchangebot

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