Eine Frage der nationalen Ehre: Nationalsozialistische Pläne für eine „neue deutsche Kolonialpolitik“, von Wolfgang Reith

Eine Frage der nationalen Ehre: Nationalsozialistische Pläne für eine „neue deutsche Kolonialpolitik“, von Wolfgang Reith. Brevi Manu. Windhoek, Namibia 2019. ISBN 9789991689524 / ISBN 978-99916-895-2-4

Eine Frage der nationalen Ehre: Nationalsozialistische Pläne für eine „neue deutsche Kolonialpolitik“, von Wolfgang Reith. Brevi Manu. Windhoek, Namibia 2019. ISBN 9789991689524 / ISBN 978-99916-895-2-4

Vorwort zu: Eine Frage der nationalen Ehre. Nationalsozialistische Pläne für eine „neue deutsche Kolonialpolitik“, von Wolfgang Reith.

Wolfgang Reith  

In den außenpolitischen Zielen der Nationalsozialisten war von Anfang an die Forderung nach Rückgabe der ehemaligen deutschen Kolonien verankert. Dieser Aspekt scheint in den Forschungen, die nach dem Zweiten Weltkrieg über den Nationalsozialismus gemacht wurden, fast kaum berücksichtigt worden zu sein, was vielleicht damit zusammenhängen mag, dass es zur Errichtung eines deutschen Kolonialreiches und der Durchführung einer deutschen Kolonialpolitik nicht mehr kam. Erst 1964 erschien zu diesem Themenkomplex eine Dissertation des Amerikaners Wolfe W. Schmokel unter dem Titel „Dream of Empire: German Colonialism 1919-1945", die 1967 ins Deutsche übersetzt wurde. Sie behandelte in knapper, aber übersichtlicher Weise die deutschen Forderungen nach Rückgabe der Kolonien in der Zeit der Weimarer Republik und des Dritten Reiches bis zum Ende der Kolonialbewegung im Jahre 1943. Daneben erschien zur gleichen Zeit eine Arbeit des Amerikaners Gerhard L. Weinberg mit dem Titel „German Colonial Plans and Policies, 1938-1942", die sich allerdings fast ausschließlich auf das Aktenmaterial des Oberkommandos der Wehrmacht (OKW) stützt und daher die Kolonialfrage mehr aus militärischer Sicht betrachtet. Das umfangreichste Werk über das Kolonialproblem im Dritten Reich bildete hingegen die 1969 erschienene Dissertation von Klaus Hildebrand mit dem Titel „Vom Reich zum Weltreich: Hitler, NSDAP und koloniale Frage 1919-1945". Dieses fast tausend Seiten umfassende Buch beschreibt ausführlich die Entwicklung des Kolonialgedankens innerhalb von Staat und Partei nach dem Ersten Weltkrieg. Positiv an dem Werk ist vor allem, dass der Anhang viele bis zum Zeitpunkt des Erscheinens unveröffentlichte Dokumente enthält. Allerdings betrachtet Hildebrand die gesamte Thematik zu sehr aus der Perspektive der nationalsozialistischen Außenpolitik. Er macht das Programm der NSDAP und Hitlers Buch „Mein Kampf zum Ausgangspunkt seiner Betrachtungen und glaubt aus beiden zu erkennen, dass die Nationalsozialisten der Kolonialfrage von Anfang an nur eine zweitrangige Bedeutung beimaßen. Auch betrachtet er das Problem weitgehend aus der Sicht Hitlers, von dem er glaubt, dass er bis zum Schluss dem Kolonialgedanken abgeneigt gegenüberstand. Wäre Hitler aber selbst wirklich gegen eine koloniale Betätigung gewesen, so wären zu Beginn des Zweiten Weltkrieges sicherlich nicht immense Summen in die Vorbereitungen für den Aufbau eines deutschen Kolonialreiches gesteckt, und sicherlich auch die Kolonialpropaganda nicht in einem solch großen Rahmen durchgeführt worden, denn beides geschah ja nicht ohne die Einwilligung Hitlers. Vielleicht hat Hildebrand auch die persönliche Freundschaft, die Hitler und von Epp, den verantwortlichen deutschen Kolonialpolitiker verband, nicht genügend berücksichtigt. Ein Punkt, der in dem Buch so gut wie gar nicht anklingt, ist der Begriff der „neuen deutschen Kolonialpolitik", zentraler Gedanke der nationalsozialistischen Kolonialpropaganda seit 1940. Diesem Begriff und seinem Inhalt sollen deshalb hier ein besonderer Platz eingeräumt werden. Die nachfolgenden Ausführungen enthalten zunächst einen kurzen Abriss über die Geschichte der früheren deutschen Kolonien. Anschließend soll gezeigt werden, welche Bestrebungen es in der Weimarer Republik gab, um eine koloniale Revision herbeizuführen. Unter besonderer Berücksichtigung der Stellung der NSDAP zur Kolonialfrage in jenen Jahren folgt schließlich die Überleitung zur Kolonialpropaganda und -politik des Dritten Reiches. Diese ist wiederum in zwei Abschnitte eingeteilt, nämlich in die Zeit bis zum Zweiten Weltkrieg, eigentlich sogar bis 1940, und in die Zeit danach bis zum Ende der Kolonialbestrebungen 1943. Dieser Einschnitt erscheint deshalb sinnvoll, weil mit dem Jahr 1940 die koloniale Tradition abriss und nun in zunehmendem Maße die bereits erwähnte „neue deutsche Kolonialpolitik" propagiert wird. In einem eigenen Kapitel wird dann aufgezeigt, wie die deutsche Jugend in die Kolonialpropaganda des Dritten Reiches einbezogen wurde, wobei besonders die Schulen und Universitäten Betrachtung finden. [...]

Dies ist ein Auszug aus: Eine Frage der nationalen Ehre: Nationalsozialistische Pläne für eine „neue deutsche Kolonialpolitik“, von Wolfgang Reith.

Titel: Eine Frage der nationalen Ehre
Untertitel: Nationalsozialistische Pläne für eine „neue deutsche Kolonialpolitik“
Autor: Wolfgang Reith
Verlag: Brevi Manu
Windhoek, Namibia 2019
ISBN 9789991689524 / ISBN 978-99916-895-2-4
Broschur, 15 x 21 cm, 124 Seiten, zahlreiche sw-Abbildungen

Reith, Wolfgang im Namibiana-Buchangebot

Eine Frage der nationalen Ehre: Nationalsozialistische Pläne für eine „neue deutsche Kolonialpolitik“

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