Die Wüstenapotheke, von Daniel Oliver Bachmann

Die Wüstenapotheke, von Daniel Oliver Bachmann. ISBN 9783426274163 / ISBN 978-3-426-27416-3

Die Wüstenapotheke, von Daniel Oliver Bachmann. ISBN 9783426274163 / ISBN 978-3-426-27416-3

Daniel Oliver Bachmann hat sich auf die Suche nach der Wüstenapotheke Namibias begeben und schildert seine Eindrücke und Ansichten.

Daniel Oliver Bachmann  

[...] Zwischen Grootfontein und Tsumkwe liegen 300 Kilometer Savanne, aber Oberflächenwasser findet man nirgends. Keine Bäche, keine Flüsse, von denen es in Namibia ohnehin nur fünf gibt, die permanent Wasser führen. Deshalb war die Region so gut wie ausgestorben, bis sich die südafrikanische Regierung Anfang der sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts etwas Schlaues ausdachte. Namibia, damals noch als Südwestafrika ein Teil Südafrikas, sollte ebenso der Homeland-Politik des Apartheid-Regimes unterworfen werden. Diese Politik hatte zum Ziel, die Rassentrennung territorial durchzusetzen. In Südafrika wurde dafür die schwarze Bevölkerung in Reservate gesteckt. Zehn dieser sogenannten Homelands entstanden in der Zeit der Apartheid, die noch heute unter den Folgen leiden. Nirgendwo in Südafrika ist die Armut größer, die Aids-Rate höher, die Lebenserwartung geringer. Ende 1960 gründete die Regierung im Zuge des Odendaal-Plans auch in Namibia Homelands, in denen die seit über 30.000 Jahren nomadisch lebenden Khoi San zwangsangesiedelt wurden. Niemand außer den Verantwortlichen wunderte sich, dass sich ihre Anzahl durch Krankheit, Hunger und Alkohol in kürzester Zeit drastisch reduzierte. Seither hat sich an den Zuständen wenig geändert. Ich wusste, was ich in Tsumkwe vorfinden sollte, würde mir nicht gefallen. Doch zunächst fuhren wir durch den Ort, ohne ihn als Ort zu erkennen. Wir hatten gehört, dass es eine Tankstelle ohne Benzin gebe, ein Telefon ohne Anschluss und einen Laden ohne Waren. Trotzdem waren wir laut Landkarte schon fast an der Grenze zu Botsuana, als uns dämmerte, dass die paar zusammengeschusterten Hütten, an denen wir Stunden zuvor vorbeigefahren waren, die bedeutende Distrikthauptstadt Tsumkwe bildeten. Wir wendeten und fuhren zurück. »Das war nicht vorgesehen«, quakte Rolfs Stimme durchs Walkie-Talkie. »Ob das Benzin jetzt zurück nach Grootfontein reicht?« Wenn nicht, nehmen wir den Ballon, dachte ich. Oder gehen zu Fuß.Was ist schon ein wochenlanger Marsch durch eine Gegend, die zu den einsamsten der Welt zählt? Tsumkwe besteht aus der Straße, die zum willkürlich geöffneten Grenzübergang von Namibia nach Botsuana führt. Diese Straße wird gekreuzt von einer zweiten Straße, an deren einem Ende Tsumkwe Lodge liegt, eine Art Campingplatz, während sich das andere Ende im Busch verliert. Dazwischen stehen Hütten und ein paar Häuser, die so offiziell aussehen, wie offizielle Häuser im Nirgendwo eben aussehen. Eines von ihnen war das Verwaltungsgebäude, das andere ein Schulhaus, und vom Rest weiß ich bis heute nicht, zu was sie gut waren. Über einen Feldweg fuhren wir zum Haus von Johan van Bomel, einem Missionar der Dutch Reformed Church. Ich hatte über ihn gehört, dass er alles über die Khoi San von Tsumkwe wüsste, und über die Mission mit ihm Kontakt aufgenommen. »Alles« ist ein großes Wort. Bei Johan van Bomels Wissen traf es zu. Der Weg zu seinem Haus war übersät mit Schlaglöchern, die zu unserem Erstaunen voller Wasser standen. Überhaupt sah es in Tsumkwe aus, als sei die Sintflut heruntergekommen, und die grauen Wolken am Himmel kündigten weitere Regengüsse an. Wenn man wie ich im Schwarzwald aufgewachsen ist, lernt man als ersten Satz: »Wo es grün ist, da fällt Regen.« Und Tsumkwe war, anders als es in den schlauen Büchern stand, sehr grün. Als wir vor Johan van Bomels Haus hielten, öffneten sich die Himmelsschleusen, und es rauschte genug Wasser herab, um die Arche Noah vom Anker zu lassen. [...]

Dies ist ein Auszug aus dem Buch: Die Wüstenapotheke, von Daniel Oliver Bachmann.

Titel: Die Wüstenapotheke
Autor: Daniel Oliver Bachmann
Verlag: Droemer
München, 2007
ISBN 9783426274163 / ISBN 978-3-426-27416-3
Kartoneinband mit Schutzumschlag, 14x22 cm, 248 Seiten, etliche Farbfotos

Bachmann, Daniel Oliver im Namibiana-Buchangebot

Die Wüstenapotheke

Die Wüstenapotheke

Die Wüstenapotheke: Eindrücke von Doktor Kuvare, Sonderlingen und den 'Geheimnissen' der Buschmänner.

Weitere Buchempfehlungen

Heil-, Gift- und eßbare Pflanzen in Namibia

Heil-, Gift- und eßbare Pflanzen in Namibia

Beschreibung von 600 Heil-, Gift- und eßbare Pflanzen aus Namibia mit 117 ganzseitigen Zeichnungen.

Lass Bäume sprechen. Eine künstlerische Charakterstudie namibischer Baumtypen

Lass Bäume sprechen. Eine künstlerische Charakterstudie namibischer Baumtypen

Lass Bäume sprechen wurde von Eberhard von Koenen als künstlerische Charakterstudie namibischer Baumtypen gestaltet.

Common Wild Flowers of the Okavango Delta

Common Wild Flowers of the Okavango Delta

Common Wild Flowers of the Okavango Delta is not only an identification Guide but also explains their medicinal uses and nutritional value.

Trees and Shrubs of the Okavango Delta. Medicinal uses and nutritional value

Trees and Shrubs of the Okavango Delta. Medicinal uses and nutritional value

Trees and Shrubs of the Okavango Delta is not only an identification Guide but also explains their medicinal uses and nutritional value.

Poisonous Plants of South Africa

Poisonous Plants of South Africa

A photographic guide to indigenous and alien plants that cause human and animal poisoning in South Africa