Die weissen Herren. 300 Jahre Krieg und Gewalt in Südafrika, von Heinrich Jaenecke

Die weissen Herren. 300 Jahre Krieg und Gewalt in Südafrika, von Heinrich Jaenecke. ISBN 3570001342 / ISBN 3-570-00134-2

Die weissen Herren. 300 Jahre Krieg und Gewalt in Südafrika, von Heinrich Jaenecke. ISBN 3570001342 / ISBN 3-570-00134-2

Der STERN-Journalist Heinrich Jaeneck berichtete 1982 in seiner Reportage Die weissen Herren über 300 Jahre Krieg und Gewalt in Südafrika und Namibia.

Heinrich Jaenecke  

Hitlers Freunde in Südafrika ergreifen die Macht

Nach dem Ersten Weltkrieg ging ein Gespenst um in Südafrika, das Gespenst des „armen Weißen". Plötzlich gab es ein weißes Proletariat, Zehntausende ungelernter Arbeiter, die sich nur in der Hautfarbe von den schwarzen Kulis unterschieden. Es war ein gänzlich neues, in der burischen Weltordnung nicht vorgesehenes Phänomen. Es traf den burischen Herrschaftsanspruch an der Wurzel, denn es erschütterte das Dogma von der gottgewollten Überlegenheit des weißen Mannes. Ursache des Phänomens war die Landflucht. Der verlorene Burenkrieg, die Industrialisierung und der Geburtenüberschuß spülten die weißen Farmersöhne in die Städte, vor allem in das polypenartig wuchernde Johannesburg. Sie sahen sich in eine fremde Welt katapultiert. Hier wurde nicht Afrikaans, sondern Englisch gesprochen, hier herrschten keine burischen Patriarchen, sondern die internationalen Minenkonzerne, hier zählte nur das Geld und sonst gar nichts, hier mußte man etwas gelernt haben, wenn man gut verdienen wollte. Die Buren vom „Platteland" hatten nichts gelernt, jedenfalls nichts, was man in Johannesburg gebrauchen konnte. Sie hatten nur ihre Muskelkraft anzubieten. Sie mußten „Kaffernwerk" verrichten, eine Situation, die ihnen eben noch undenkbar erschienen war. Für viele blieb sie auch undenkbar. Sie waren sich zu gut für niedrige Arbeit und hungerten lieber. „Diese Haltung des Weißen", stellte eine britische Regierungskommission schon 1906 in Transvaal fest, „beeinträchtigt seine Effizienz als Arbeiter in hohem Maße. Er hat ungelernte Arbeit nie als normale Art der Beschäftigung betrachtet. Wenn er ungelernte Arbeit verrichten muß, tut er es murrend als Kaffernarbeit und infolgedessen ungenügend." Die weißen Proletarier fühlten sich deklassiert und erniedrigt. Ihre aufgestaute Wut galt gleichermaßen den „Kaffern", mit denen sie nun auf gleicher Stufe standen, wie den „Juden und Kapitalisten", die sie für ihre Lage verantwortlich machten. Es war die gleiche Mentalität, die in Deutschland den Nationalsozialismus hervorbrachte. In Südafrika wurde daraus die burische Spielart des Faschismus. 1922 kam es zur ersten Eruption. Anlaß war ein Beschluß der mächtigen „Chamber of Mines", der Bergbaukammer, zur Lockerung der Rassenschranke in den Gruben. Mehrere Arbeitsbereiche, die bisher für Weiße reserviert waren, sollten künftig auch den Schwarzen offenstehen. Die Absicht war klar: Die Konzerne wollten Lohnkosten sparen, denn Schwarze verdienten bei gleicher Arbeit erheblich weniger als Weiße, ein Prinzip, das heute noch gilt. Die weißen Arbeiter sahen sich von einer Entlassungswelle bedroht und traten in den Streik. Es bildete sich eine groteske Koalition zwischen dem marxistischen Gewerkschaftsflügel und den radikalen Rassisten. Die burischen Arbeiter demonstrierten mit roten Fahnen, auf denen der Slogan stand: „Proletarier aller Länder, kämpft für ein weißes Südafrika!" Zu dieser Zeit war Jan Christian Smuts Premierminister. Er hatte das Amt 1919 nach dem Tode Bothas übernommen und begründete die südafrikanische Regierungstradition, Unruhen in Blutbädern zu ersticken. (...)

Dies ist ein Auszug aus dem Buch: Die weissen Herren. 300 Jahre Krieg und Gewalt in Südafrika, von Heinrich Jaenecke.

Titel: Die weissen Herren
Untertitel: 300 Jahre Krieg und Gewalt in Südafrika
Autor: Heinrich Jaenecke
Reihe: STERN-Bücher
Verlag: Gruner und Jahr
4. aktualisierte Auflage, Hamburg 1982
ISBN 3570001342 / ISBN 3-570-00134-2
Original-Kartoneinband und Schutzumschlag, 18x24 cm, 219 Seiten, zahlreiche sw-Fotos

Jaenecke, Heinrich im Namibiana-Buchangebot

Die weissen Herren. 300 Jahre Krieg und Gewalt in Südafrika

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"Die weissen Herren" ist ein gesellschaftskritsche Reportage und Schnitt durch 300 Jahre Krieg und Gewalt in Südafrika.

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