Die schweigenden Feuer, von Giselher W. Hoffmann

Die schweigenden Feuer, von Giselher W. Hoffmann. ISBN 3872946153 / ISBN 3-87294-615-3

Die schweigenden Feuer, von Giselher W. Hoffmann. ISBN 3872946153 / ISBN 3-87294-615-3

Die schweigenden Feuer, von Giselher W. Hoffmann. Hoffmann Twins Verlag ISBN 9991670424 / ISBN 99916-704-2-4

Die schweigenden Feuer, von Giselher W. Hoffmann. Hoffmann Twins Verlag ISBN 9991670424 / ISBN 99916-704-2-4

Der historische Roman von Giselher W. Hoffmann Die schweigenden Feuer spielt in der deutschen Zeit des heutigen Namibia und erzählt abenteuerlich und spannend von den Mythen und Lebensweisen der Herero. Die Geschichte beginnt in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts.

Giselher W. Hoffmann  

»Die Nama kamen im Morgengrauen«, sagte mein Vater. Er hatte eine tiefe, dunkle Stimme, die meine Schwester Uajoroka und mich so zu fesseln verstand, daß wir um uns herum alles vergaßen: »Eure Mutter war gerade dabei, das Ahnenfeuer zu entfachen, da wurde das Klappern der Melkeimer und das Blöken der Kälber mit einem Mal vom Hufgetrampel ungezählter Pferde übertönt. Ich kroch aus dem Pontok und sah eure Mutter am Opferaltar stehen. Hinter ihr huschten Reiter wie schemenhafte Geister durch das Dämmerlicht, darunter waren auch ein paar Herero, die mit ihren Gewehren, Wurfspeeren und Kirris den Tod über unseren Kral verbreiteten. Ich konnte nichts anderes tun, als hilflos mit anzusehen, wie die Krieger die schützende Dornenhecke auseinanderrissen. Und während sie die Rinder davontrieben, stieg ein Nama von seinem Pferd, knöpfte die Hose auf und pinkelte in unser Ahnenfeuer: Pschschscht!« Mein Vater hielt inne, tastete nach einem Lederbeutel an seinem aus Riemen geflochtenen Gürtel und begann einen Röhrenknochen mit getrocknetem Laub und Kuhdung zu stopfen. Oh, wie haßten Uajoroka und ich diese wohlüberlegten Pausen, in denen wir vor Ungeduld am liebsten aufgesprungen wären... Endlich neigte sich mein Vater vor und kratzte mit einem Zweig einen Glutwürfel aus dem Feuer. Als er die Knochenpfeife in Brand setzen wollte, rief draußen in der Abenddämmerung jemand seinen Namen: »Ondangere! Ondangere! Ondangere!« Meine Mutter Onotjari raffte ihren Lederumhang vor der Brust zusammen, meine Schwester rückte näher an mich heran, und ich streckte die Hände nach den Flammen aus, die in unserem Pontok auf einer erhöhten Feuerstelle tanzten. Im Nebelmond August sind die Nächte oft kalt. An jenem Abend aber umklammerten nicht die eisigen Hände des Winters unsere Herzen: Wir fürchteten uns, denn zum ersten Mal seit zehn Regenzeiten war wieder der Lockruf der wahrsagenden Ondara ertönt. Die Ondara ist eine allwissende Riesenschlange. Sie versteht es, vorüberfliegende Vögel zu hypnotisieren und Tierstimmen so täuschend nachzuahmen, daß ihr die Beute blindlings ins Versteck folgt. Am liebsten frißt sie Schafsfett, und manch ein Hirte, der glaubte, ein verlorengegangenes Schaf gefunden zu haben, ist nie zurückgekehrt. Wer Glück hat, begegnet der Ondara niemals in seinem Leben, denn ihr Atem ist giftig, und wer auf ihre Kriechspur tritt, bricht mit angeschwollenen Beinen zusammen. Eines darf man auf keinen Fall tun, und das ist, die Ondara beim Namen zu nennen. Dann macht sie sich unverzüglich auf den Weg und sucht denjenigen, der nach ihr gerufen hat. Mein Vater und ein paar andere Wahrsager, Zauberer und Heiler gehörten zu den wenigen Herero, die eine Begegnung mit der Ondara unversehrt überstanden hatten. Ich hörte, wie die Ondara mit der Stimme einer Wildtaube zu meinem Vater sprach, und als die unheimliche Schlange verstummte, blieb Ondangere eine Weile reglos auf dem Lehmboden sitzen, dann öffnete er die Augen, legte die Röhrenknochenpfeife fort und machte sich daran, den Knoten einer mit vier Eisenperlen verzierten Lederschnur unter seinem rechten Knie zu lösen. Während Uajoroka und Onotjari ins Feuer starrten, beobachtete ich meinen Vater verstohlen aus den Augenwinkeln. Er ließ die Eisenperlen in seine linke Hand rinnen, ballte diese zur Faust, schüttelte sie kurz, entspannte dann die Finger und beugte sich tief auf die Handfläche hinab. Eine Eisenperle war in der Hautfalte seines Zeigefingers hängengeblieben! Ondangeres Lippen verzogen sich zu einem Lächeln, und plötzlich sagte er mit einer Stimme, die nicht ihm, sondern seinem verstorbenen Vater zu gehören schien: »Kakuoko, der sich Jonker Afrikaner nennt und wie ein Gott über die Herero und Nama herrscht, liegt im Sterben.« […]

Dies ist ein Auszug aus dem Buch: Die schweigenden Feuer, von Giselher W. Hoffmann.

Buchtitel: Die schweigenden Feuer
Autor: Giselher W. Hoffmann
Hammer-Verlag
Wuppertal, 1994
ISBN 3872946153 / ISBN 3-87294-615-3
Originalkarton mit Schutzumschlag, 13x21 cm, 445 Seiten

Hoffmann, Giselher W. im Namibiana-Buchangebot

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Die schweigenden Feuer ist ein Roman über die Lebensweise der Herero bis zum Hereroaufstand 1904.

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