Die Kaiserlichen Schutztruppen, von Wolfgang Reith

Die Kaiserlichen Schutztruppen, von Wolfgang Reith. Glanz & Gloria Verlag. Windhoek, Namibia 2017, ISBN 9789991690964 / ISBN 978-99916-909-6-4

Die Kaiserlichen Schutztruppen, von Wolfgang Reith. Glanz & Gloria Verlag. Windhoek, Namibia 2017, ISBN 9789991690964 / ISBN 978-99916-909-6-4

Wolfgang Reiths Werk über die Geschichte der Kaiserlichen Schutztruppenh bietet erstmals eine Gesamtdarstellung dieser in der deutschen Geschichte einzigen, drei knappe Jahrzehnte aktiven Kolonialstreitkräfte.

Wolfgang Reith  

Mit dem Beginn deutscher Kolonialpolitik im Jahre 1884 stellte sich bald die Frage, wie die erworbenen Gebiete künftig gesichert werden sollten. Reichskanzler Fürst Bismarck war nicht nur grundsätzlich gegen ein staatliches Engagement, sondern vielmehr der Ansicht, die Verwaltung den Handelsgesellschaften zu überlassen, die dann auch für den Schutz ihrer Niederlassungen zuständig gewesen wären. Solange sich deren Herrschaftsausdehnung weitgehend auf Stützpunkte an den Küsten beschränkte, die über See mit der Heimat verbunden waren, gab es kaum Probleme mit der jeweiligen einheimischen Bevölkerung. Das änderte sich aber mit der Erschließung des Hinterlandes, wo sich oft Widerstand gegen die neuen Kolonialherren formierte, dem diese kaum wirksam entgegentreten konnten, da ihnen keinerlei Machtmittel zur Verfügung standen. In Deutsch-Ostafrika waren es vor allem die Araber, die ihren Sklavenhandel durch die Deutschen bedroht sahen. In Deutsch-Südwestafrika probten die Nama den Aufstand gegen die Deutschen, weil diese sich mit ihren Erzfeinden, den Herero, die nach verschiedenen Niederlagen jahrzehntelang in Abhängigkeit von den Nama leben mussten, verbündet hatten. In Kamerun fürchteten einige mächtige Häuptlinge, insbesondere der islamischen Reiche im Norden, um die Beschneidung ihrer Herrschaftsbefugnisse. 1888 stellte man deshalb in Deutsch-Südwestafrika eine erste kleine private Ordnungstruppe zusammen, doch scheiterte dieser Versuch schon nach kurzer Zeit kläglich. Kaufleute und Händler drängten schließlich die Reichsregierung in Berlin, ihnen einen wirklichen Schutz zu gewähren, und sie erinnerten zugleich daran, dass ihnen dieser ja dadurch zugesagt worden sei, indem man die Niederlassungen ausdrücklich „unter den Schutz des Reiches" gestellt hatte. Und weil auch die einheimischen Bewohner diesen Schutz genossen, trugen die deutschen Kolonien von Anfang an die Bezeichnung „Schutzgebiete". Hinzu kam, dass Briten, Franzosen, Belgier und Portugiesen in den Nachbarkolonien ausreichend Militär und Polizei stationiert hatten, was den Eingeborenen in den deutschen Schutzgebieten nicht verborgen blieb und weshalb sie die offensichtlich fehlenden Machtmittel und die dadurch zum Ausdruck kommende Schwäche ihrer Kolonialherren umso mehr auszunutzen versuchten. Dieser Einsicht konnte sich letztlich auch Bismarck nicht verschließen, und so erteilte er denn 1889 seine Zustimmung zur Errichtung von kleinen Ordnungskontingenten in Deutsch-Ost- und Deutsch-Südwestafrika. Bei beiden handelte es sich zwar um private Freiwilligentruppen, da sie nicht direkt vom Staat aufgestellt worden waren und auch nur ihrem jeweiligen Kommandeur unterstanden, allerdings eben unter staatlicher Führung, weil sie ja offiziell vom Reich genehmigt worden waren. Und da sie nunmehr für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit in den Schutzgebieten, also den Schutz ihrer Einwohner, zuständig waren, nannte man diese Ordnungskräfte denn auch „Schutztruppen". Nachdem das Deutsche Reich am 1. Januar 1891 die Verwaltung Deutsch-Ostafrikas direkt übernommen hatte, wurde auch die Schutztruppe dem Staat unterstellt und in „Kaiserliche Schutztruppe" umbenannt. Damit aber entstand eine dritte Teilstreitkraft des Deutschen Reiches neben Heer und Marine. Ein „Kaiserliches Heer" gab es nicht, vielmehr bildeten die Armeen der vier Königreiche Preußen, Bayern, Sachsen und Württemberg, deren Angehörige auf ihre jeweiligen Herrscher vereidigt waren, seit 1871 zusammen das Landheer, das jedoch nur mit Beginn einer Mobilmachung vollständig unter dem Oberbefehl des Kaisers stand. Die Marine hingegen, die aus der Königlich Preußischen Marine hervorging, war von Beginn an eine „Kaiserliche" - und nun waren auch die Schutztruppen seit 1891 allein dem Kaiser unterstellt. Das hatte natürlich damit zu tun, dass sie anfänglich dem Reichsmarineamt untergeordnet waren, wenngleich sich das Personal der Schutztruppen aus Angehörigen sowohl der Kaiserlichen Marine als auch der Königlich Preußischen, der Königlich Bayerischen, der Königlich Sächsischen und der Königlich Württembergischen Armee zusammensetzte. Letztere schieden dann aus ihrem bisherigen Unterstellungsverhältnis aus, standen also nicht mehr unter dem Befehl ihres jeweiligen Landesherrn, sondern waren nur noch dem Kaiser untergeordnet. [...]

Dies ist ein Auszug aus: Die Kaiserlichen Schutztruppen, von Wolfgang Reith.

Titel: Die Kaiserlichen Schutztruppen
Untertitel: Deutschlands kolonialarmee 1889-1919
Autor: Wolfgang Reith
Verlag: Glanz & Gloria Verlag
Windhoek, Namibia 2017
ISBN 9789991690964 / ISBN 978-99916-909-6-4
Broschur, 15 x 21 cm, 124 Seiten, zahlreiche sw-Abbildungen

Reith, Wolfgang im Namibiana-Buchangebot

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