Die Herero (Kraus-Reprint), von Johann Jakob Irle

Die Herero, von Johann Jakob Irle. Kraus-Reprint; Nendeln, Liechtenstein 1973.

Die Herero, von Johann Jakob Irle. Kraus-Reprint; Nendeln, Liechtenstein 1973.

Irles Buch ist ein umfangreicher und kompetenter Beitrag zur Landes-, Volks- und Missionskunde im Zusammenhang mit den Herero und seiner eigenen Biographie.

Johann Jakob Irle  

[...] Am 14. Februar 1869 landete eine Reisegesellschaft von zehn finnischen und zwei rheinischen Missionaren nebst vier Frauen in Walfischbai. Frohen Herzens setzten wir nach einer dreieinhalbmonatlichen Seereise unsere Füße auf den Boden unserer neuen Heimat. Nach einer achttägigen Fahrt mit dem Ochsenwagen, die uns viel Neues kennen zu lernen gab, kamen wir in Otjimbingue an und wurden von Weiß und Schwarz mit Jubel begrüßt. Der siebenjährige Freiheitskampf der Herero war eben beendet; mit neuen Hoffnungen schauten alle in die Zukunft. Mein vorläufiger Bestimmungsort war Neu-Barmen; ich sollte dort Missionar Brincker zur Hülfe sein. Anfang Juni kam ich dort an. Im März 1870 hielt ich meine erste Predigt in der Hererosprache über Matth. 5, 3. Unser Veteran Hahn sandte mir zum Andenken an diesen Tag eine Hererobibel, in die er die Worte Jes. 55, 10. 11 hineingeschrieben hatte. Am 18. Mai 1870 legten Diehl und ich die Station Okahandja an; im September ging ich nach Neu-Barmen zurück, um Brincker zu vertreten; ähnlich ging ich im Jahr 1871 zur Vertretung Hahns nach Otjimbingue. Währenddes war eine Bitte des Häuptlings Kambazembi an mich gelangt, ihn auf Otjozondjupa zu besuchen. Das war die Veranlassung zu meiner ersten Reise nach dem Norden, auf der sich meine Kenntnis von Land und Leuten erweiterte. Auf Otjiamongombe predigte ich in der großen Werft des fast hundertjährigen alten Häuptlings Kandjii. Diese Werft und ihre Bewohner machten einen sehr guten Eindruck auf mich. Kandjiis Sohn Tjetjoo sowie dessen Sohn Petrus standen der Mission freundlich gegenüber. Die Leute Kandjiis hielten mich für einen Wahrsager, ovauke, sie hatten 12 Ochsen verloren, und ich sollte ihnen aus meinem oindiike, Wahrsagebuch - es war meine biblische Geschichte - sagen, wo diese seien. Das Ombuke sollte alles wissen. Auf der Weiterfahrt verloren meine Leute den Weg und die lange Ochsenpeitsche; auch suchten sie meinen Lebensmittelvorrat auf Otjongeawa Löwenplatz, bedenklich heim. Der verlorene Weg, die verlorene Peitsche, gestohlene Proviant usw., davon stand freilich für sie nichts in dem Ombuke. Ich kannte damals die verschlagene Art der Herero noch nicht. Von hier aus sollten sie nicht weiter fahren und erzählten mir schauerliche Löwengeschichten; ich aber wollte trotz der frischen Elefanten- und Löwenspuren nicht rückwärts. Bei Erindirondjiva kamen wir zu der Werft des Häuptlings Kukuri. Auch diese Leute gefielen mir. Sie baten mich, ich möchte als ihr Missionar bei ihnen bleiben. Ich versprach ihnen, ihre Bitte der Konferenz der Missionare vorzulegen. Ich predigte einigemal dort, wurde mit einem Schlachthammel beschenkt, und dann fuhren wir ohne Weg und Steg quer durchs Weidefeld, um über Ovikokorero einen offenen Weg nach Otjozondjupa zu finden. Schon nach zwei Stunden aber saßen wir in dem dichten Dorngebüsch fest und mußten uns mit Beilen einen Weg offen hauen. Nach langem Umherirren kamen wir aber nicht nach Ovikokorero noch auf den Weg nach Otjozondjupa, sondern nach Otjikune ins Swakoptal zu dem Häuptling Kahimemua. Dieser hätte mich am liebsten gleich dort behalten, schenkte mir auch eine Kuh, und meine Leute füllten ihre Bäuche so mit Dickmilch, daß sie wieder nicht weiter wollten. Ich selbst hatte weder Reis noch sonst etwas mehr und ließ mir darum auch die Dickmilch und den wilden Honig schmecken, den man mir brachte. Auch dort predigte ich. Dann kehrten wir um. Auf dem Rückwege kamen wir in eine Herde Ozomburu, Wildbeeste, die uns wie toll verfolgten. So gelangten wir nach Otjosazu, das ich hier zum erstenmal sah, und schließlich wieder nach Otjikango zurück. Diese Reise aber sollte von Entscheidung für mein ganzes Leben werden. [...]

Dies ist ein Auszug aus: Die Herero (Kraus-Reprint), von Johann Jakob Irle.

Titel: Die Herero
Untertitel: Ein Beitrag zur Landes-, Volks- und Missionskunde
Autor: Johann Jakob Irle
Verlag: Kraus-Reprint
Nendeln, Liechtenstein 1973
Originalleinenband, 15x22 cm, 352 Seiten, etliche sw-Fotos, Faltkarte des Hererolandes, Schrift: Fraktur

Irle, Johann Jakob im Namibiana-Buchangebot

Die Herero (Kraus-Reprint)

Die Herero (Kraus-Reprint)

Irles Buch ist ein umfangreicher und kompetenter Beitrag zur Landes-, Volks- und Missionskunde im Zusammenhang mit den Herero und seiner eigenen Biographie.

Weitere Buchempfehlungen

In Gottes Schule. Lebensbild einer Missionarin

In Gottes Schule. Lebensbild einer Missionarin

In Gottes Schule. Lebensbild der Missionarin Elisabeth Mohri, verwitwete Arff in Deutsch-Neuguinea.

Wie ich die Herero lieben lernte

Wie ich die Herero lieben lernte

Wie ich die Herero lieben lernte ist eine Rückschau der Missionarsgattin Hedwig Irle auf die Zeit 1890-1903 auf Otjisazu.

Weiß oder Schwarz. Lehr- und Leidensjahre eines Farmers in Südwest im Lichte des Rassenhasses

Weiß oder Schwarz. Lehr- und Leidensjahre eines Farmers in Südwest im Lichte des Rassenhasses

Die Verteidigungsschrift im Fall Cramer: Weiß oder Schwarz. Lehr- und Leidensjahre eines Farmers in Südwest im Lichte des Rassenhasses.

Weiß und Schwarz. Fotos aus Deutsch-Südwestafrika 1896-1901

Weiß und Schwarz. Fotos aus Deutsch-Südwestafrika 1896-1901

Kritische Annäherung an die Zeit von Deutsch-Südwestafrika anhand historischer Schwarz-Weiß-Fotos.

Der Wahrheit eine Gasse. Zur Geschichte des Hererokrieges in Deutsch-Südwestafrika 1904 -1907. Teil 1 und 2

Der Wahrheit eine Gasse. Zur Geschichte des Hererokrieges in Deutsch-Südwestafrika 1904 -1907. Teil 1 und 2

Die erweiterte Neuauflage der Studie "Der Wahrheit eine Gasse: die Beiträge zur Geschichte des Hererokrieges in Deutsch-Südwestafrika 1904 -1907, Teil 1 und 2", sind mit erstmals mit eigens angefertigten Landkarten versehen.