Abenteuer, Spuk und Diamanten, von Pat Honeyborne

Abenteuer, Spuk und Diamanten, von Pat Honeyborne. Kuiseb-Verlag. Windhoek, Namibia 2005. ISBN 9991640649 / ISBN 99916-40-64-9

Abenteuer, Spuk und Diamanten, von Pat Honeyborne. Kuiseb-Verlag. Windhoek, Namibia 2005. ISBN 9991640649 / ISBN 99916-40-64-9

Wer Helmut Sydows Roman "Treibholz" gelesen hat und bis zu diesem Zeitpunkt noch nie von Pat Honeyborne gehört hatte, ist womöglich schon neugierig geworden. Autor der Memoiren Abenteuer, Spuk und Diamanten, war Pat Honeyborne (1904-1973), unter anderem, Polizist im Sperrgebiet.

Heide Wucher  

Oranjemund und das Sperrgebiet

Gegen Ende des Jahres 1932 wurde ich von Walvis Bay auf die Diamantenfelder an der Mündung vom Oranjefluss versetzt. Damit erhielt ich meinen ersten unabhängigen Befehlsbereich. Um nach Orange River Mouth oder Oranjemund zu gelangen, wie es 1951 offiziell umbenannt wurde, musste ich per Bahn durchs Land bis nach Seeheim reisen und von dort mit einer „biblischen" Nebenlinie nach Lüderitz. Diese Linie, so wird dem Reisenden erzählt, wird im Buch Genesis erwähnt, wo man sich auf alle „kriechenden" Dinge bezieht. Um zu meiner neuen Station zu kommen, musste ich auf einen schmalspurigen Minenzug aufsteigen, sechzehn Kilometer von Lüderitz entfernt. [...] Ich befand mich in Kolmannskuppe, der Schaltzentrale der Diamantenindustrie im Distrikt Lüderitz. Nun musste ich mich um einen bequemen Sitz auf dem Minenzug bemühen, der mich südlich von Pomona bringen sollte. Die Schmalspurbahn bestand aus einem halben Dutzend offener Waggons. Die Passagiere mussten sich selbst ihren Platz zwischen Bündeln, Ballen und allem möglichen Zubehör für die Mine suchen. Bis nach Elisabethbucht waren es dreißig Kilometer. Auf der Strecke fuhr der Zug an von Menschenhand aufgeworfenen Sandbergen vorbei, dem Überbleibsel von dem diamanthaitigen Kies darunter. Die Umgebung der Wüste war so lebendig, als würden Ameisen den Kies in Kokosnussschalen zur Waschanlage tragen. Von Elisabethbucht aus führ die Eisenbahn in einem großen Bogen an der Bucht entlang. Der Wind peitschte den Sand hoch und blies ihn mir mit stechenden Schmerzen ins Gesicht. Über mir der blaue Himmel, die gelben Dünen, der flache, breite Rand der schäumenden Brecher, die um die Wette auf den Strand zurasten, darüber die kreisenden Möwen, all das aus dieser Entfernung betrachtet - gab ein wunderschönes Bild ab. Genau hinter der Hochwasserlinie lagen ausgebleichte Walknochen. Ähnliche Haufen lagen auch weiter entfernt am Strand. Der kleine Zug fuhr in den Dünengürtel hinein. Oben von den Dünen peitschte der Wind den Sand in langen, staubigen Fahnen, die aus der Feme den Eindruck von rauchenden Vulkanen vermittelten. Eine große Gruppe Ovambos, die wie graue Geistergestalten aussahen, versuchte, die Schienen sandfrei zu halten. Von einer Pumpstation aus wurde Seewasser in die Dünen gepumpt und floss dann durch hölzerne Tröge zurück ins Meer. Der vom Wind gepeitschte Sand konnte sich in den Trögen absetzen und wurde so wieder ins Meer getragen. Ein anderer Versuch war, hunderte von Pfählen in den Boden zu pflanzen. Auf jeder Pfahlspitze drehte sich ein Stück Wellblech, etwa einen Meter über dem Boden. Das verursachte einen erzwungenen Zug, womit der Sand über die Schiene angehoben wurde. Wenn die Dünen einmal bewältigt waren, dann führten die Schienen durch ein vegetationsloses Tal nach Pomona. Zum Meer hin öffneten sich noch mehr Täler; in jedem stand eine Gruppe von Hütten, wovon viele noch bewohnt waren, andere dagegen langsam vor sich hinrosteten, da die Claims bereits ausgebeutet waren. Jedes Tal trug seinen eigenen Namen: Claratal, Idatal, Carlstal, Märchental. Märchental war einst eines der reichsten Vorkommen im Pomonagebiet. Hier konnte man die Diamanten praktisch ohne Mühe mit der Hand greifen. [...] Pomona war Endstation für die Bahn. Pomona war zu der Zeit Zwischenlager für Bogenfels und Oranjemund. Große Fünftonnerlastwagen brachten Vorräte von Pomona zur Endstation. Mir war gesagt worden, dass der Lastwagen unmittelbar nach Ankunft des Zuges aus Oranjemund abfahren und ich am selben Abend an meinem Ziel sein würde. So nahm ich dementsprechend nur ein paar Butterbrote, eine Flasche mit Tee und einen Stapel Zeitungen mit, den mir der Postmeister in Kolmannskuppe überreicht hatte. Bei unserer Ankunft in Pomona war es kalt. Ein kalter Wind pfiff durch das Tal. Ein deutscher Beamter informierte mich darüber, dass der Lastwagen erst am nächsten Tag abfahren würde.  [...]

Dies ist ein Auszug aus: Abenteuer, Spuk und Diamanten, von Pat Honeyborne.

Titel: Abenteuer, Spuk und Diamanten
Autor: Pat Honeyborne
Übersetzung: Heide Wucher
Originalausgabe: Gateway to Adventure (2003)
Verlag: Kuiseb-Verlag
Windhoek, Namibia 2005
ISBN 9991640649 / ISBN 99916-40-64-9
Broschur, 15 x 21 cm, 276 Seiten, zahlreiche sw-Fotos

Honeyborne, Pat und Wucher, Heide im Namibiana-Buchangebot

Abenteuer, Spuk und Diamanten

Abenteuer, Spuk und Diamanten

Abenteuer, Spuk und Diamanten: Polizeidienst im Sperrgebiet Südwestafrikas in den 1920er bis 1960er Jahren.

Gästefarm - Afrika einmal anders

Gästefarm - Afrika einmal anders

"Gästefarm: Afrika einmal anders" berichtet von der damaligen Gästefarm Bergquell, eine der ersten Gästefarmen Namibias.