Namibia. Frauen mischen sich ein, von Florence Hervé

Namibia. Frauen mischen sich ein, von Florence Hervé. Orlanda Frauenverlag; ISBN 3922166857 / ISBN 3-922166-85-7; Berlin, 1993

Namibia. Frauen mischen sich ein, von Florence Hervé. Orlanda Frauenverlag; ISBN 3922166857 / ISBN 3-922166-85-7; Berlin, 1993

Unter dem Titel 'Namibia: Frauen mischen ein' versammeln sich die Eindrücke der französischen Feministin Florence Hervé und weiterer frauenrechtsbewegter Autorinnen über die Situation und die emanzipatorischen Bestrebungen der Frauen in Namibia Anfang der 1990er Jahre.

Liz Frank  Florence Hervé  

Noch vor wenigen Jahren empfahl ein Düsseldorfer Reiseunternehmen (Anm.: gemeint war Iwanowski) den Urlaub auf einer 'deutschen Farm in Südwestafrika'. Auch ist es noch nicht lange her, daß der frühere CSU-Chef Strauß in 'seinem' Jagdrevier in 'Südwestafrika' zu jagen pflegte. Heute ziehen alljährlich Tausende von deutschen Touristen und Touristinnen aus, um 'die afrikanische Wildnis zu erobern', 'Abenteuer in der roten Wüste' zu erleben, den 'wilden Sommer' und das 'herbe Paradies' zu genießen. Namibia. Das Land der Wüste, der Safaris und der Diamanten. Eine ehemalige deutsche Kolonie. Wer weiß noch von dem Völkermord an den Herero und von der Einführung der Apartheid und der Homelands? Im kollektiven Gedächtnis sind davon so gut wie keine Spuren zurückgeblieben. Von der südafrikanischen Apartheid, ja, schon, aber nicht von der deutschen Kolonialherrschaft. Die Last von über hundert Jahren deutschem Kolonialismus und südafrikanischer Herrschaft wiegt für Frauen besonders schwer. Sie wurden als Schwarze diskriminiert und erniedrigt, als Frauen unterdrückt und mißbraucht und als Arbeitskräfte ausgebeutet. Um sie geht es in diesem Buch. Es ist eine Reise in die Vergangenheit der Ausbeutung und Unterdrückung, in die Gegenwart der Herausforderung. Mit Blick auf eine Zukunft der Hoffnung? Die Reise in die Vergangenheit war bedrückend. Sie wäre ohne die umfangreichen Studien von Martha Mamozai zu Frauen im deutschen Kolonialismus kaum möglich gewesen. Über die Rolle der deutschen Kolonisatorinnen gibt Kerstin Engelhardt in diesem Buch Auskunft. Dieses düstere Kapitel deutscher Geschichte wird oft nach dem Motto: Kolonialismus habe es immer und überall gegeben, verharmlost beziehungsweise verdrängt. Hier geht es um das spezifische Verhältnis der Schwarzen und der Deutschen, das sich Anfang des Jahrhunderts zu einem Vernichtungszug zuspitzte. Hier geht es auch um die Komplizenschaft deutscher Frauen und eines beachtlichen Teiles der Frauenbewegung. Dem deutschen Kolonialismus folgte die südafrikanische Apartheid. Eine Zeit der grausamen Besetzung. Hier geht es um Repressionen und Krieg, um das Leid der Frauen, aber auch um ihren mutigen Widerstand und den hartnäckigen Kampf um Befreiung. Namibia. Das befreite Land in Afrika mit der demokratischen Verfassung und der Aussöhnung von Schwarz und Weiß. Die Gegenwart: das sind die schwarzen Frauen, die hier zu Wort kommen, sich erinnern, Probleme benennen, Hoffnung ausstrahlen. Ihnen, wie auch den SWAPO-Frauen im Norden und im Süden des Landes, die mich wie eine Schwester aufnahmen und geduldig meine neugierigen Fragen beantworteten, gilt mein besonderer Dank. Bei uns hat das Interesse an Namibia seit der Unabhängigkeit des Landes merklich abgenommen. Abgesehen von wenigen kirchlichen und humanitären Gruppen ist es um die Solidarität still geworden. Gab es nach der UNO-Dekade der Frau 'Gleichberechtigung - Entwicklung - Frieden' (1975-1985) und mit der Weltfrauenkonferenz von Nairobi ein neues Interesse der hiesigen Frauenbewegung für die Probleme der Frauen in der 'Dritten Welt', so ist dieses heute, mit Ausnahme vereinzelter Frauengruppen, beschämend gering. Eine aus der Kolonialgeschichte resultierende Verantwortung der Deutschen wurde in der neu entbrannten Debatte der Frauenbewegung um Sexismus, Rassismus und Ausländerlnnenfeindlichkeit kaum reflektiert. Ist dies der Unkenntnis der Vergangenheit geschuldet, dem Unwillen, sich mit der belastenden und unbequemen Kolonialherrschaft auseinanderzusetzen, oder einer eurozentristischen Haltung? Die Beiträge in diesem Buch wollen einen Einstieg in die Auseinandersetzung mit der Situation der Frauen in Namibia von der deutschen Kolonialherrschaft bis heute bieten. Es soll anregen, über unsere Verantwortung nachzudenken und unsere Solidarität auszudrücken, und dies nicht mit leeren Versprechungen und mageren Zusicherungen, wie es die deutsche Regierung selbstgefällig tut. Es soll auch an den Anspruch der Frauenbewegung erinnern, eine Befreiungsbewegung zu sein. Audre Lorde hat zu Recht gesagt: »Ich bin nicht frei, solange eine einzige Frau unfrei ist.«

Dies ist ein Auszug aus dem Buch: Namibia. Frauen mischen sich ein, von Florence Hervé.

Titel: Namibia. Frauen mischen sich ein
Herausgeberin: Florence Hervé
Verlag: Orlanda Frauenverlag
ISBN 3922166857 / ISBN 3-922166-85-7
ISBN 9783922166856 / ISBN 978-3-922166-85-6
Berlin, 1993
Originalbroschur, 14x20 cm, 181 Seiten, etliche sw-Abbildungen

Hervé, Florence und Frank, Liz im Namibiana-Buchangebot

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