Geschichte und Entwicklung der Stadt Okahandja, von Fritz Gaerdes

Geschichte und Entwicklung der Stadt Okahandja, von Fritz Gaerdes.

Geschichte und Entwicklung der Stadt Okahandja, von Fritz Gaerdes.

Der in Okahandja tätige Lehrer, Forscher und Autor Fritz Gaerdes erstellte dieses seltene Büchlein über die Geschichte und Entwicklung der Stadt Okahandja.

Fritz Gaerdes  

[...] 1896: Ein Postamt wird in Okahandja eröffnet. Die Rinderpest kommt nach Südwest und hat ein Massensterben unter Rindern und Wild im ganzen Land zur Folge. Der Transport auf der Baipad ins Inland kommt wegen Mangel an Treckochsen fast zum Erliegen. Eine Bahn von Swakopmund ins Inland wird notwendig. In Okahandja wird eine Station eingerichtet, wo Leute als Impfer gegen die Rinderpest ausgebildet werden. Die Osthereros aus der Gegend von Gobabis werden aufständig. Einer der Gründe ist ihre Unzufriedenheit mit Samuel Maharero als Oberhaupt. Samuel ist ein Trinker; um seine Trinkschulden zu bezahlen vergibt er Land, das dem Stamm, aber nicht ihm gehört, an Farmer. An der Niederwerfung des Aufstandes durch die Schutztruppe beteiligen sich auch Samuel Maharero und Hendrik Witbooi mit ihren Leuten. Am 12. Juni 1896 werden die Hererohäuptlinge Kahimemua und Nikodemus, die an dem Aufstand der Osthereros teilgenommen haben, in Okahandja durch ein Kriegsgericht zum Tode verurteilt und am Nikodemusberg oder Raupenhelm standrechtlich erschossen. Auf einem kleinen Friedhof an der Westseite der Bahn und bei der Bantukirche sind ihre Gräber, auf die am „Maharerotag" von den Hereros kleine Steinchen niedergelegt werden.

1897: Die Rinderpest, von den Hereros „Opesa" genannt, erlischt. Der Botaniker Dinter, der später in Okahandja den Forstgarten anlegt, kommt zur Erforschung der Pflanzenwelt nach Südwest.

1898: B. Templin, der sich nachher in Okahandja niederläßt und dort der erste Stadtsekretär wird, kommt ins Land.

1900: Unter den Einwanderern dieses Jahres befinden sich zwei, die sich in Okahandja niederlassen: Joseph (Jupp) Müller, später Besitzer des „Hotel Müller", und Konrad Paetzelt, der in der Nähe des Ausspannplatzes westlich des Eukalyptuswaldes eine Wagenbauerei einrichtet. Der Bau des heutigen Bahnhofsgebäudes wird in Angriff genommen.

1901: Die Schmalspurbahn, deren Bau 1897 nach der Rinderpest in Swakopmund begonnen wird, erreicht am 21. Dezember Okahandja. In diesem Jahr bekommt Okahandja eine telegrafische Verbindung mit Windhoek. In den Jahren 1900—1901 ist die Zahl der Weißen in Okahandja auf 75 angewachsen. 47 Männer, 14 Frauen und 14 Kinder wohnen im Ort.

1902: Durch Zuwachs von Leuten, die am Bahnbau arbeiten, steigt die Zahl der Weißen im Ort auf 138 Männer, 30 Frauen und 43 Kinder.

1903: Der Missionar Heinrich Vedder, der später in der Sprach- und Geschichtsforschung eine große Rolle spielt, kommt ins Land und übernimmt die Missionsstation Ghaub bei Otavi. Bis 1903 besitzen nur 6 Weiße ein eigenes Grundstück in Okahandja. Mit dem Baugrund, der 1 ha beträgt, ist Weiderecht für 300 Schafe oder 100 Stück Großvieh verbunden.

1904: Im Morgengrauen des 12. Januar bricht überraschend der Hereroaufstand in Okahandja aus. Bis auf Diekmann und seine Frau, die von den Hereros erschlagen werden, können die Ortsbewohner sich in die Feste flüchten. Eine Anzahl Farmer in der Umgebung wird überfallen und ermordet. Frauen und Kinder bleiben im allgemeinen verschont. Im Ort werden die Geschäfte geplündert und in Brand gesteckt. Die eingeschlossenen Weißen verbarrikadieren die Fenster der Feste, die durch die Hereros von Zeit zu Zeit unter Feuer genommen wird, mit Sandsäcken. Zum Glück ist im Hof ein Brunnen, der das nötige Wasser liefert. Distriktschef ist Oberleutnant Zürn, der vor einigen Jahren Leutnant Streitwolf ablöste. Unter seinem Befehl stehen 71 Mann bereit, ihren Zufluchtsort gegen die Hereros zu verteidigen. Ein Versuch, den Belagerten mit einem Zug von Windhoek Hilfe zu bringen, scheitert in der Gegend des Augustineums an dem heftigen Feuer der Hereros, welche die Schienen aufgerissen haben. Dank der Geistesgegenwart des Maschinisten Panteleit gelingt es, den Zug aus dem Feuer zurückzubringen. Ein Zug mit Soldaten unter Befehl von Oberleutnant von Zülow kommt von Swakopmund und erreicht nach Gefechten am 15. Januar 1904 Okahandja. Außer der Verstärkung bringt er Munition und Lebensmittel für die Belagerten. Die Hereros wagen keinen Angriff. Aber noch ist die Zukunft unsicher. Von seiner wunderbaren Rettung in diesen Tagen berichtet eine Erzählung des verstorbenen Okahandja-Einwohners Paul Krems, der in späteren Jahren ein Kalkwerk bei Okakango betrieb. Krems befand sich gerade auf einem Handelszug bei Kalkloch im Sandfeld, als ein Hereroweib ihn von dem bevorstehenden Überfall in Kenntnis setzte. Seinen Wagen und seine Handelsgüter im Stich lassend versuchte er mit 4 Kameraden Okahandja zu Fuß zu erreichen. Den nachsetzenden Hereros legten sie immer wieder einen Hinterhalt. Dadurch wurden die Verfolger abgeschreckt und zurückgehalten. So erreichten die Flüchtlinge glücklich das Okakangorivier mit seinem dichten Baum- und Buschbestand. Krems versteckte sich hier bis zur Dunkelheit. Seine erschöpften Begleiter wollten, da die schützende Feste so nahe war, nicht länger warten und versuchten, nach Okahandja zu kommen. Dicht vor dem Ziel wurden sie von den Hereros abgefangen und erschlagen. Ihre von Schakalen angefressenen Leichen fand man später. In tiefer Dunkelheit schlich sich Krems zur Feste. Beinahe wäre er hier von dem Posten Jupp Müller, der auf einem der Türme Wache stand, erschossen worden. Gerade noch rechtzeitig gab sich Krems zu erkennen und war nun endlich in Sicherheit. Dieser kurze Bericht zeigt, wie es zu der Zeit manchem Farmer und einsam im Busch Verschlagenen erging. [...]

Dies ist ein Auszug aus dem Buch: Geschichte und Entwicklung der Stadt Okahandja, von Fritz Gaerdes.

Buchtitel: Geschichte und Entwicklung der Stadt Okahandja
Autor: Fritz Gaerdes
Verlag. S.W.A. Wissenschaftliche Gesellschaft
Windhoek, Südwestafrika o. J. (um 1970)
Originalbroschur, 15x21 cm, 86 Seiten, 26 sw-Fotos, 1 Karte

Gaerdes, Fritz im Namibiana-Buchangebot

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