Das glühende Herz, von Stuart Cloete

Das glühende Herz, von Stuart Cloete. Lizenzausgabe Bertelsmann, Gütersloh, o. J.

Das glühende Herz, von Stuart Cloete. Lizenzausgabe Bertelsmann, Gütersloh, o. J.

Nach Wandernde Wagen war Das Glühende Herz der zweite Roman von Stuart Cloete zum Thema der Trek-Buren in Südafrika.

Stuart Cloete  

Die Frau

Es war Dämmerung. Das blaßviolette Zwielicht des afrikanischen Abends. In der Ferne zogen tiefhängende rote Staubwolken auf die Kraale und Ställe zu. Die Tiere, von ihren Hirten getrieben, kamen herein. Pferde, Rinder, Schafe und Ziegen, jedes nach seiner Art. Doch sie waren noch weit, und die kleine Welt des Bauernhofes blieb in eine Decke des Schweigens gehüllt, nur von dem Lied eines Kaff ernmädchens unterbrochen, das Wasser holte. Und von den niedrigen Hügeln, ein Stück entfernt, klang der Schrei eines jagenden Schakals, dem sein Weibchen antwortete. Auf der Stoep zwischen Topfpflanzen saß unbeweglich wie ein Fels eine mächtige Frau und starrte nach dem violetten Himmel und den dahinziehenden Staubwolken. Die Wolken waren noch eine Meile oder mehr entfernt, doch die Frau schaute in sie hinein. Gerade bis in ihre Herzen, denn sie besaß große Fähigkeiten und konnte den Menschen wie den Tieren ins Herz sehen. Bisweilen auch in die Zukunft, die dann ebenso wirklich wurde wie das Heute. Sie wußte, welches Pferd den Trupp führte und daß die braune Stute mit ihrem Rappfohlen vor der Nachhut herzog. Sie schaute auch in die Zukunft und sah, daß sich das Füllen zu einem Apfelgrauen verwandeln und dann weiß werden würde wie ein Mensch im Greisenalter. Der Vater war Bloubooi, Francinas Lieblingshengst. Sie wußte, daß der große gefleckte Kapater, der kastrierte Ziegenbock, in den Schultern hoch wie ein kleiner Esel, die dummen Kaffernschafe leitete. Diese Bastardschafe, die fleckigen Decken aus Haar und Wolle gemischt, die Schwänze fett von der im Sommer gesammelten Nahrung, waren ihre ganze Freude, denn Fett war kostbar. Beim Wild war wenig Fett zu finden, außer um die Nieren, und das meiste Wild, das überhaupt Fett besaß, Giraffe, Zebra und Elenantilope, war in diesem Teil Afrikas bereits ausgerottet. Natürlich hatte sie noch ihre Schweine, die sie liebte und von denen sie viel Fett bekam. Als Brotaufstrich, wenn es keine Butter gab, für Suppen und Kerzen, für die Radachsen der Wagen und die Läufe der Gewehre und zur Bereitung der Salben ihrer Bossiemiddels, der Arzneien, die sie aus wilden Früchten, Blättern und Wurzeln, wie sie sie im Wald fand, bereitete. Bei manchen Schafen waren die Fettschwänze so lang und dick, daß man ein Brett mit Rädern, fast einen kleinen Karren, daran befestigte, damit der Schwanz nicht auf dem Boden schleifte. Sie dachte an Fett, während sie dem Gesang des Kaffernmädchens zuhörte und den Schrei der Schakale vernahm. Sie überlegte, daß es ohne Fett keine Seife und ohne Seife keine Zivilisation gab. Sie dachte an den großen Dreifußkessel, in dem das Fett brodelte, wenn sie langsam die Lauge dazugoß und das Gemisch mit einem hölzernen Löffel prüfte. Sie dachte an die Seife, die schneeweiß aus dem Kessel rann, um abzukühlen, und daran, wie sie sie in Riegel schnitt. Sie dachte an die andern hausfraulichen Künste, an das Kerzenziehen aus Wachsbeeren, an das Eingelegte, Konfyt und Marmelade, an Heilmittel und an ihre Freuden beim Suchen der Wildkräuter. [....]

Dies ist ein Auszug aus dem Roman: Das glühende Herz, von Stuart Cloete.

Titel: Das glühende Herz
Autor: Stuart Cloete
Übersetzung: Jutta und Theodor Knust
Originaltitel: The Fiercest Heart
Verlag: Lizenzausgabe Bertelsmann
Gütersloh, o. J.
Halbleder, 12x19cm, 475 Seiten

Cloete, Stuart im Namibiana-Buchangebot

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