Afrikanische Tiergeschichten und anderes, von Anne Maag

Afrikanische Tiergeschichten und anderes, von Anne Maag.

Afrikanische Tiergeschichten und anderes, von Anne Maag.

1937, drei Jahre nachdem die Autorin der entzückenden Tiergeschichten aus Südwestafrika gestorben waren, gaben Ihre Angehörigen die Erstauflage von Afrikanische Tiergeschichten und anderes heraus. Die Auflage war klein und daher ist das Büchlein von 1937 so selten.

Anne Maag  

Schluppi - Wer war denn Schluppi? Eine kurze Frage, auf die eine lange Antwort folgt, denn von Schluppi ist manches zu erzählen. Bevor ich jedoch davon anfange, soll das Tierchen erst vorgestellt werden. Schluppi war ein Klippschliefer, oder wie man in Südwestafrika allgemein zu sagen pflegt, ein Klippdachs. Warum gerade ein Dachs, das kann ich mir nur so erklären, daß er von den Buren „Dassie" genannt wird, wohl weil er so dick und rundlich ist wie ein Dachs. Aber er ist nur ungefähr 45 cm lang, wenn er ausgewachsen ist, also lange nicht so groß wie ein richtiger Dachs, eher wie ein Kaninchen. Auch sein Wesen entspricht gar nicht dem seines Namensbruders, der mißtrauisch und übellaunig ist, während der Klippschliefer gesellig lebt und recht guter Laune zu sein pflegt. Außerdem ist der Dachs träge, sein Gang schleppend und schwerfällig; wie anders dagegen der Schliefer! So behende und aufmerksam kann der verschlafene Dachs nie sein. Auch ist er ein Raubtier, wenngleich ein nützliches, denn er jagt hauptsächlich Mäuse und gräbt sich Engerlinge und andere Larven aus, während unser „Dassi" sich hauptsächlich von Grünzeug ernährt und den Morgen und Abend zur Äsung auf den Büschen benützt, des Nachts aber schläft, während der richtige Dachs dann unterwegs ist und sein Futter sucht. Das ganze Jahr über ist der Klippschliefer auf den Beinen und er liebt es, besonders in der kalten Jahreszeit, in den warmen Mittagsstunden sich auf einer Klippe zu sonnen. In Südwest gibt es den Honigdachs, dessen liebste Kost der Honig der wilden Bienen und Hummeln ist, aber auch diesem gleicht der „Dassi" gar nicht. Kurzum es besteht keine Ähnlichkeit der beiden Tiergattungen, außer in dem rundlichen Aussehen und einiger Wohlbeleibtheit. Nachdem nun dargetan ist, daß der Klippdachs wirklich kein Dachs ist, so soll er nun, wie er ist, vorgeführt werden, und zwar zuerst so, wie er als Tier in der freien Natur lebt. Schluppis Geschichte und Taten kommen hernach; es ist aber immer vorteilhaft, auch die Familienverhältnisse zu kennen von denjenigen, die mit uns zusammenleben.

Schluppis Sippschaft hauste in den Felsen von Paviansklipp, einer wilden Schlucht, die sich der weiße Nossob schon vor Jahrtausenden zu seinem Durchbruch gerissen hat. Mächtige Felswände streben zu beiden Seiten zum Himmel, an denen wilde Feigen sich anklammern und das Gestein, das immer mehr verwittert, vor dem Stürzen bewahren. Die Horden von Pavianen, die in den Klippen leben, gaben dieser Schlucht, die nur wenige kennen, da sie fernab von der Hauptpad liegt, den Namen. Leoparden streichen umher und holen sich unter den Affen und Klippdachsen ihren Raub. Ein Gang durch diese Schlucht bei Mondenschein ist umwittert von Afrikas Romantik. In diesen Felsen, ihren Löchern und Ritzen spielt sich das Familienleben der Klippdachse ab. Da ruhen und sonnen sie sich auf den vorspringenden Felsplatten, spielen und zanken sich, und die Mütter erziehen ihre Kleinen zu allen Dingen, die ein Klippschliefer wissen muß.

Wenn man nur oberflächlich an den Felsen hinaufsieht, entdeckt man nichts Lebendiges, denn die Tiere haben ein Fell, das eine vorzügliche Schutzfarbe hat. Die Haare sind grau-braun und wechseln mit dunkelbraunen und leicht fahlgrauen ab, so daß die Tiere kaum von den Klippen zu unterscheiden sind, wenn Sonne oder Schatten darauf liegen. Das Fell ist dicht und weich, obgleich die einzelnen Haare kurz sind, aber sie sind am Grunde leicht gewellt und bedecken dadurch die Haut vollständig. Im Gesicht und auf Brust und Rücken stehen einzelne lange Tasthaare heraus, die das Tier in der Erregung steil aufrichtet. Die Öhrchen sind klein und rund und verschwinden fast in dem Pelz, die Augen bräunlich, klein, sehr lebhaft und ein wenig hervortretend. Schluppi hatte über seinen schlauen Äugelein einen feinen helleren Streifen und ebenso lief ihm an den Mundwinkeln ein schmaler lichter Strich lang, was ihm ein lustiges Aussehen gab. Einen Schwanz haben die Klippschliefer nicht, was da hinten sitzt, ist ein ganz kurzer Stummel.  [...]

Gewißheit von Anne Maag

Soviel ich auch erleide,
mein Lehen ist doch schön:
Ich kann in blauen Weiten
durch Wunder gehn.
Verspüren Urweltsatem
in Blut und Geist;
wie er in allen Wesen
unendlich kreist.
In Mond - und Sternlichtschimmer
durch dunkle Sphären ziehn -
den ew'gen Rhythmus fühlend
ihm nicht entfliehn.
Die höchste Schönheit schauen
in Wolke, Blum' und Tier,
Geheimnisvollem lauschen
in dir und mir.
Das macht, wenn ich auch leide,
mein Leben innig schön:
Ich kann in blauen Weiten
noch Wunder sehn.

Dies ist ein Auszug aus dem Buch: Afrikanische Tiergeschichten und anderes, von Anne Maag.

Buchtitel: Afrikanische Tiergeschichten und anderes
Autorin: Anne Maag
Aachener Verlags- und Druckerei-Gesellschaft
Aachen,1937
Original-Kartoneinband, Original-Schutzumschlag, 13x18 cm, 111 Seiten, Schrift: Fraktur

Maag, Anne im Namibiana-Buchangebot

Afrikanische Tiergeschichten und anderes

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Afrikanische Tiergeschichten und anderes erschien 1937 erstmals durch die Hilfe von Freunden und Verwandten der Autorin Anne Maag, die drei Jahre zuvor in Südwestafrika verstorben war.

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